• Arrhenia_rickenii_2012-11-18_1Eine Gruppe Fruchtkörper
  • Arrhenia_rickenii_2012-11-18_2Durchfeuchtet (li.) vs. trocken
  • Arrhenia_rickenii_2012-11-18_3Stiel filzig-flaumig bekleidet
  • Arrhenia_rickenii_2012-11-18_4Algeneinschlüsse im Stielfleisch
  • Arrhenia_rickenii_2012-11-18_5Einst Ziel für Handgranaten

Funddaten

Kollektion: 10 Fruchtkörper   Bestimmung: Arrhenia rickenii (Singer 1951 ex Hora 1960) Watling 1989 ('1988')   Finderin: Julia Kruse   Bestimmer: Anton Hausknecht, Andreas Kunze et al.   Funddatum: 18.11.2012   Fundort: D − BY − Oberbayern − München-FreimannFröttmaninger Heide, nördlich der beiden Stadtteile „Schwabing Nord“ und „Freimann“ unweit der Allianz Arena des FC Bayern (Münchner Schotterebene im Teilbereich der Garchinger Schotterzunge), ehem. Handgranatenwurfübungsplatz   Messtischblatt: 7735/4.3.2   Höhe über NN: 495 m   Ökologie: offene Ruderalstelle aus Split (Quarz, Ziegel und anderes zerkleinertes Gestein) partiell mit Geneigtem oder Gekieltblättrigem Spiralzahnmoos (Tortella inclinata) bewachsen, Charakterarten des Standorts sind der Gezonte oder Spatelförmige Adermoosling (Arrhenia spathulata) und der Rotbraune Nabeling (Omphalina cf. pyxidata)

Merkmale

Makroskopische Merkmale

Hut: 4−9,5 mm im Durchmesser, 1−3 mm hoch, genabelt, gerieft und auch durchscheinend gerieft, hygrophan, am Rand nach unten gebogen, blass hellbraun, konzentrisch milchkaffeebräunlich bis weißlich ausblassend, rundlich bis unförmig im Alter, Rand im Alter gewellt, Huthaut matt, rau (Lupe!), Rand hell gesäumt

Lamellen: herablaufend, bogig, gegabelt und gerne queraderig verbunden, wellig, Schneiden glatt und wie die Lamellenfläche gefärbt, Flächen aderig-runzelig

Stiel: 9−12 mm lang, fast 1−1,5 mm dick, nach oben breiter werdend, blass hellbraun, vollständig mit feinen weißen Härchen besetzt, wodurch der Stiel zur Basis hin heller erscheint, Basis selbst weißfilzig, aber unverdickt, unteres Stieldrittel geschwungen

Fleisch: im Hut praktisch fehlend/häutig; im Stiel längsfaserig und etwas glasig

Geruch: schwach pelargonienartig

Mikroskopische Merkmale

Hyphen: Septen schnallenlos; untere Stieltrama mit Grünalgeneinschlüssen

Sporen [95 % • 15 • LQP • E • H2O (nat)]: 4,7−6,2−7,6(−8,2) x 3,7−4,8−5,9 µm, Q = 1,1−1,5; Mittelwert-Konfidenzgrenzen (95 %): 6,2 ±0,36 x 4,8 ±0,27 µm (Länge av x Breite av); Q av = 1,3 ±0,05; oval-tropfenförmig, hyalin, mit einem Öltropfen, glattwandig, mit deutlichem und 1 µm langem Apikulus

Basidien [95 % • 8 • LQP • E • H2O (nat)]: 21,6−26,6−31,6 x 4,4−5,9−7,4 µm; schlank keulig, (2−)4-sporig, ohne Basalschnallen

Legende:
95 % = Konfidenzintervall; Messwerte wurden statistisch mit Smaff ausgewertet
nonstat = Messwerte wurden nicht statistisch ausgewertet
LQP = Lamellenquetschpräparat
E = Exsikkat
H2O (nat) = Präparation in Leitungswasser
KOH = Präparation in Leitungswasser mit einem Tropfen 20%iger Kalilauge (Zellwände außerdem mit Kongorot [SDS] angefärbt)

Anmerkungen

Bestimmung

Trotz meines ersten Eindrucks, dass es sich bei der Kollektion um den Geröll-Adermoosling (Arrhenia rickenii) handeln dürfte, legte ich den Fund wegen der fein behaarten Stieloberfläche und des schwachen Geruchs nach Pelargonien als Samtfuß-Adermoosling (A. velutipes) ab. Aufkeimende Zweifel veranlassten mich schließlich zu einer Anfrage im Forum auf pilzepilze.de und wurden im Diskussionsverlauf bekräftigt. Irritiert wendete ich mich an den österreichischen Pilzexperten Anton Hausknecht, der unsere Aufsammlung wie folgt beurteilte (E-Mail vom 29.8.2013) – besten Dank an dieser Stelle:

Ihre Bilder entsprechen weitestgehend meiner Vorstellung von Arrhenia rickenii. Alle meine Funde stammen vom Spätherbst/Frühwinter, eine Kollektion beispielsweise vom 5.12.1986 aus der Lobau (Wien) bei leichten Minusgraden. Die Sporen dieses Fundes sind ein wenig größer (7-10 x 4-6.3 µm), alle anderen Mikrodaten passen zu Kühner & Romagnesis Omphalina rustica (= Mosers rickenii). Arrhenia velutipes ist viel dunkler, hat dichtere, nicht gegabelte Lamellen und wächst nicht so spät im Jahr.

Ich bin mir also sicher, dass die Bestimmung als A. rickenii OK ist, zumal auch die Fundzeit gut mit meinen Beobachtungen übereinstimmt. Weitere mikroskopische Eigenschaften: Basidien ohne Basalschnalle, Pigment in der Huthaut inkrustierend.

Literatur

  • Gröger, F. (2006): Bestimmungsschlüssel für Blätterpilze und Röhrlinge in Europa, Teil I. Regensb. Mykol. Schr. 13: 406−407.
  • Knudsen, H. & J. Vesterholt (2012): Funga Nordica, 2nd ed. Agaricoid, boletoid, clavarioid, cyphelloid and gastroid genera. Nordsvamp, Kopenhagen (DK): 257−258.
  • Krieglsteiner, G. J. et al. (2001): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 3. Ständerpilze: Blätterpilze I (Hellblättler). Ulmer, Stuttgart: 487−488.
  • Ludwig, E. (2001): Pilzkompendium (Beschreibungen), Bd. 1. Die kleineren Gattungen der Makromyzeten mit lamelligem Hymenophor aus den Ordnungen Agaricales, Boletales und Polyporales. IHW-Verlag, Eching: 455.

Stattlicher Rotporer

Blaufleckender Kaiserröhrling (Imperator rhodopurpureus agg.)

Im Eichelgarten, eine ehemalige Huteweide, wächst der Gelbhütige Purpur-Röhrling. Er blaut intensiv auf Druck oder bei Verletzung, hat einen rot genetzten Stiel und ebenso gefärbte Röhrenmündungen.

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Trockenkünstler

Steppen-Trichterling (Infundibulicybe glareosa)

Im Sommer erscheint auf den kurzgrasigen Flächen der Fröttmaninger Heide der Steppen-Trichterling. Der Pilz gilt als Indikator für nährstoffarme und wärmebegünstigte Trockenrasen auf Kalkböden.

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Schotterpionier

Gefalteter Adermoosling oder Geröllnabeling (Arrhenia rickenii)

Der Gefaltete Adermoosling besiedelt auf der Fröttmaninger Heide kiesige, teils moosige Ruderalstellen, sekundär auch Mauerreste. Markant ist der gerieft-faltige Hut mit ausgeprägt querverbundenen Lamellen.

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Gold-Nuggets

Conocybe aurea - Gold-Samthäubchen

Das Gold-Samthäubchen leistet dem Oleander meiner Mutter seit 2011 Gesellschaft. Der freudig gefärbte Pilz fruktifiziert vorwiegend bei sommerlichen Temperaturen, sofern die Erde feucht gehalten wird.

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Rezension: Pareys Buch der Pilze

Pareys Buch der Pilze 2005 vs. 2016Das „Pareys Buch der Pilze“ wird auch heute noch in Kursen zur Pilzbestimmung eingesetzt. Seine Stärke sind die Bestimmungsschlüssel und insbesondere die gezeichneten Fruchtkörper. Anders als bei Fotos, die Pilze nicht immer typisch zeigen, lassen sich so alle arttypischen Merkmale herausarbeiten. Im Jahr 2016 hat der Kosmos Verlag eine Neuauflage des Klassikers herausgebracht. In der Rezension erfahrt ihr, ob sich der Kauf im Vergleich zur vorherigen Ausgabe lohnt.

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Besucherlenkung: Pilzaufsteller aus Holz

Anleitung: Pilzmotive aus Holz selbst gemachtAufstellbare Pilztafeln aus Holz sind ideal, um Pilzausstellungen, Beratungsstellen und mykologische Tagungen zu promoten. Zunächst wird eine Schablone erstellt – hierzu stehen mehrere Vorlagen kostenlos als Download parat. Nach dem Übertragen auf eine Holzplatte wird das Motiv mit einer Stichsäge ausgesägt. Danach werden die scharfen Kanten mit einer Oberfräse gebrochen. Es folgt das Grundieren und Bemalen der Tafeln. Dann werden sie mit Ständern aus Holzleisten verschraubt und aufgestellt.

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