• Hemileccinum_depilatum_2016-06-18_1Hut typisch grubig-eingedellt
  • Hemileccinum_depilatum_2016-06-18_2Stiel rissig (Trockenschaden)
  • Hemileccinum_depilatum_2016-06-18_3Fraßstellen teils rötlich gefärbt
  • Hemileccinum_depilatum_2016-06-18_4Stielspitze rötlich überlaufen
  • Hemileccinum_depilatum_2016-06-18_5...und mit Schüppchen besetzt
  • Hemileccinum_depilatum_2016-06-18_6Röhren am Stiel ausgebuchtet
  • Hemileccinum_depilatum_2016-06-18_7Fleisch mit gelben Streifen
  • Hemileccinum_depilatum_2016-06-18_8...durchzogen bzw. marmoriert

Funddaten

Kollektion: 1 Fruchtkörper (Fotos nicht vom Fundort)   Bestimmung: Hemileccinum depilatum (Redeuilh 1986 ['1985']) Šutara 2008   Funddatum: 17.6.2016 (Wiederfund aus dem Vorjahr, Finderin: G. Feistle)   Fundort: D − BY − Schwaben − Lkr. Donau-Ries − Donauwörth, Sallinger Straße, Parkplatz nordwestlich des Friedhofs und östlich des Tennisheims   Messtischblatt: 7230/4.3.1   Höhe über NN: 410 m   Ökologie: Grünstreifen mit Hecke und einzelnen Bäumen aus Hainbuche (Carpinus betulus) zwischen dem Bürgersteig und den Stellplätzen

Merkmale

Hut: 6,5 cm breit, 3 cm hoch, polsterförmig, Oberfläche gedellt-grubig, wie mit der spitzen Seite eines Hammers bearbeitet, Huthaut matt, weder schmierig noch schleimig oder klebrig, am Rand leicht überstehend, braun auf ockerfarbenem Grund gefleckt, an Schneckenfraßstellen teils rötlich überlaufen

Röhren: ausgebuchtet angeheftet, bauchig, bis zu 9 mm lang, intensiv gelb, auf Druck und im Anschnitt unverändert/nicht blauend

Poren/Röhrenmündungen:  klein, 3−4 pro mm, rundlich bis schwach eckig, wie die Röhren intensiv gelb gefärbt

Sporenpulverfarbe: kein Abdruck angefertigt; laut Literatur oliv-braun (Ladurner & Simonini 2003)

Stiel: 8 cm lang, oben 1,5 cm und unten 4 cm breit, invers und asymetrisch keulig, unteres Stielende mit schwach wurzelndem Fortsatz, aufgerissen (Trockenschaden), schmutzig gelblich bis blass ockerlich, in der Basis weißlich, obere Stielhälfte teils rosa-rötlich überlaufen und vor allem nahe des Hutansatzes mit feinen, gleichfarbigen Schüppchen besetzt

Fleisch: im Hut fest, bis zu 13 mm dick, blass gelblich, im Anschnitt unverändert, unterhalb von Fraßstellen rötlich; im Stiel etwas weicher als im Hut, an der Basis hingegen hart, voll, weißlich bis blass gelblich, vor allem am oberen Stielende nahe der Stielrinde gelb längs gestreift bis marmoriert, im Anschnitt unverändert bis allenfalls schwach bläulich angehaucht; Hut- nahtlos ins Stielfleisch übergehend

Geruch: säuerlich und insbesondere an der Stielbasis unangenehm nach Jodoform bzw. „Medizinschrank“

Anmerkungen

Artabgrenzung

Sehr ähnlich sieht der Fahle Röhrling (Hemileccinum impolitum) aus. Er hat jedoch eine etwas filzigere und weitgehend ebene Hutoberfläche ohne Dellen. Außerdem ist er blasser und ± gleichmäßig gefärbt. Die Merkmale sind jedoch sehr variabel. Am sichersten lassen sich die beiden Arten mikroskopisch anhand der Hutdeckschicht differenzieren: Während H. depilatum vor allem in der Hutmitte kurzelliptische Elemente aufweist, ist die Hutdeckschicht bei H. impolitum fädig-hyphig strukturiert.

Ansonsten kann die Art noch mit einigen der gelb pigmentierten Raustielröhrlingen aus der Gattung Leccinellum verwechselt werden wie z. B. der Gelbporige Raufuß (L. crocipodium) und der Hainbuchen-Raufuß (L. griseum). Deren Fleisch verfärbt sich jedoch im Anschnitt bei Kontakt mit Luftsauerstoff auffallend rasch rötlich, violettlich oder lilafarben und schließlich grau bis schwärzlich.

Andere Röhrlinge mit der Statur eines Steinpilzes und einem vergleichbaren Farbspektrum haben einen genetzten Stiel und/oder blauen im Anschnitt.

Ökologie und Verbreitung

Andreas Gminder (Krieglsteiner 2000) berichtet, dass die Fundstellen in Baden-Württemberg in ausgesprochen wärmebegünstigten Gebieten liegen. Er vermutet, dass die Art lehmige und neutrale bis basische Böden bevorzugt. In drei Fällen konnte eine Mykorrhizabindung mit Hainbuche bestätigt werden, bei fünf weiteren Nachweisen ist lediglich bekannt, dass sie bei Laubbäumen wuchsen. Ladurner & Simonini (2003) geben neben Hainbuche die Europäische Hopfenbuche (Ostrya carpinifolia) als hauptsächlichen Symbiosepartner an und berichten darüber hinaus von Funden unter Eichen (Quercus sp.), immer auf kalkhaltigem Boden. In Pilzkartierung 2000 Online (Schilling & Dobbitsch 2004-2006) existieren zudem Meldungen von Funden bei Linden (Tilia sp.). Laut Ladurner & Simonini ist der Gefleckthütige Röhrling in Mittel- und Nordeuropa in den mittleren Höhenlagen weit verbreitet, scheint aber im Vergleich zum Fahlen Röhrling häufiger in mediterranen Gebieten und/oder in tieferen Lagen vorzukommen.

Namen und Verwandtschaft

Hemileccinum ist eine Gattung aus der Familie der Dickröhrlingsverwandten (Boletaceae) und wird darin der Filzröhrlingsverwandtschaft/Unterfamilie Xerocomoidae zugerechnet. Sie wurde im Jahr 2008 durch den tschechischen Mykologen Josef Šutara basierend auf morphologischen Merkmalen aufgestellt und umfasste zunächst zwei Arten, die zuvor zur Gattung der Dickröhrlinge (Boletus) zählten: den Fahlen Röhrling (H. impolitum) − die Typusart − und den hier vorgestellten Gefleckhütigen Röhrling (H. depilatum). Aufgrund des markanten Jodgeruchs empfehle ich den von Peter Specht vorgeschlagenen, aussagekräftigen deutschen Namen „Jodoformröhrlinge“.

Im Jahr 2014 bestätigten Wu und Kollegen die Abgrenzung der Hemileccinum-Arten von anderen Röhrlingsgattungen und stellten zudem fest, dass die Gattung am nächsten mit Corneroboletus verwandt ist. Letztgenannte Gattung beinhaltet mit C. indecorus lediglich eine einzige in Südostasien verbreitete Art. Ein Jahr später wurde die nordamerikanische Art Hemileccinum subglabripes aufgrund eines DNA-Beweises von den Dickröhrlingen zu den Jodoformröhrlingen transferiert (Halling et al. 2015).

Literatur und Weblinks

Stattlicher Rotporer

Blaufleckender Kaiserröhrling (Imperator rhodopurpureus agg.)

Im Eichelgarten, eine ehemalige Huteweide, wächst der Gelbhütige Purpur-Röhrling. Er blaut intensiv auf Druck oder bei Verletzung, hat einen rot genetzten Stiel und ebenso gefärbte Röhrenmündungen.

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Trockenkünstler

Steppen-Trichterling (Infundibulicybe glareosa)

Im Sommer erscheint auf den kurzgrasigen Flächen der Fröttmaninger Heide der Steppen-Trichterling. Der Pilz gilt als Indikator für nährstoffarme und wärmebegünstigte Trockenrasen auf Kalkböden.

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Schotterpionier

Gefalteter Adermoosling oder Geröllnabeling (Arrhenia rickenii)

Der Gefaltete Adermoosling besiedelt auf der Fröttmaninger Heide kiesige, teils moosige Ruderalstellen, sekundär auch Mauerreste. Markant ist der gerieft-faltige Hut mit ausgeprägt querverbundenen Lamellen.

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Gold-Nuggets

Conocybe aurea - Gold-Samthäubchen

Das Gold-Samthäubchen leistet dem Oleander meiner Mutter seit 2011 Gesellschaft. Der freudig gefärbte Pilz fruktifiziert vorwiegend bei sommerlichen Temperaturen, sofern die Erde feucht gehalten wird.

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Rezension: Pareys Buch der Pilze

Pareys Buch der Pilze 2005 vs. 2016Das „Pareys Buch der Pilze“ wird auch heute noch in Kursen zur Pilzbestimmung eingesetzt. Seine Stärke sind die Bestimmungsschlüssel und insbesondere die gezeichneten Fruchtkörper. Anders als bei Fotos, die Pilze nicht immer typisch zeigen, lassen sich so alle arttypischen Merkmale herausarbeiten. Im Jahr 2016 hat der Kosmos Verlag eine Neuauflage des Klassikers herausgebracht. In der Rezension erfahrt ihr, ob sich der Kauf im Vergleich zur vorherigen Ausgabe lohnt.

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Besucherlenkung: Pilzaufsteller aus Holz

Anleitung: Pilzmotive aus Holz selbst gemachtAufstellbare Pilztafeln aus Holz sind ideal, um Pilzausstellungen, Beratungsstellen und mykologische Tagungen zu promoten. Zunächst wird eine Schablone erstellt – hierzu stehen mehrere Vorlagen kostenlos als Download parat. Nach dem Übertragen auf eine Holzplatte wird das Motiv mit einer Stichsäge ausgesägt. Danach werden die scharfen Kanten mit einer Oberfräse gebrochen. Es folgt das Grundieren und Bemalen der Tafeln. Dann werden sie mit Ständern aus Holzleisten verschraubt und aufgestellt.

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