2016

  • Russula_carpini_2016-06-04_01Hüte wechselfarbig rot, braun,
  • Russula_carpini_2016-06-04_02...violett, grünlich, ocker usw.
  • Russula_carpini_2016-06-04_03Hutrand oft höckerig-gerieft
  • Russula_carpini_2016-06-04_04Lamellen bisweilen gegabelt
  • Russula_carpini_2016-06-04_05...und queraderig verbunden
  • Russula_carpini_2016-06-04_06Sporenpulver dottergelb
  • Russula_carpini_2016-06-04_07Verschieden alte Exemplare
  • Russula_carpini_2016-06-04_08...aus anderer Perspektive
  • Russula_carpini_2016-06-04_09Ein Trupp in der Krautschicht
  • Russula_carpini_2016-06-04_10Frk. im Alter stark gilbend
  • Russula_carpini_2016-06-04_11Wuchs rings um eine Hainbuche

Funddaten

Kollektion: 7 Fruchtkörper von ca. 2 Dutzend Exemplaren  Bestimmung: Russula carpini Heinemann & R. Girard 1956   Funddatum: Beobachtungszeitraum vom 2.6. bis 9.6.2016, aufgesammelt am 4.6.2016   Fundort: D − BY − Schwaben − Lkr. Donau-Ries − Donauwörth-Neudegger Siedlung, Stauferpark   Messtischblatt: 7230/4.3.1   Höhe über NN: 401 m   Ökologie: Grünanlage nördlich und außerhalb des Stadions, südlich eines unbefestigten Weges und unweit eines kleinen Holzstegs, rings um eine Hainbuche (Carpinus betulus) auf spärlich bewachsenem und mit Laub bedecktem Boden, zwei weitere Hainbuchen im Einzugsbereich − dort jedoch nur vereinzelte Fruchtkörper; Krautschicht aus Hartriegel (Cornus sp.), Weißdorn (Crataegus sp.), Ruprechtskraut (Geranium robertianum), Echte Nelkenwurz (Geum urbanum), Gundermann (Glechoma hederacea), Gewöhnlichem Liguster (Ligustrum vulgare), außerdem Naturverjüngung aus Feld-Ahorn (Acer campestre), Spitz-Ahorn (Acer platanoides), Hainbuche, Eiche (Quercus sp.) und Weide (Salix sp.); im Randbereich der Fruktifikationsfläche Giersch (Aegopodium podagraria), Wiesen-Fuchsschwanz (Alopecurus pratensis), Gewöhnliches Knäuelgras (Dactylis glomerata), Wald-Erdbeere (Fragaria vesca), Hain-Rispengras (Poa nemoralis)Stumpfblättriger Ampfer (Rumex obtusifolius) und Löwenzahn (Taraxacum sp.); vergesellschaftet mit dem Gebänderten Hainbuchen-Milchling (Lactarius circellatus) [erstmals nachgewiesen am 9.6.2016]

Merkmale

Hut: 3−9,5 × 3,5−10,5 cm breit, 0,5−2,5 cm hoch, jung halbkugelig, dann gewölbt und mittig niedergedrückt, später flach gewölbt und im Zentrum etwas eingesenkt sowie unregelmäßig verbogen, selten kreisrund, scharfrandig und dort meist schon jung höckerig-gerieft, Huthaut glänzend, feucht schmierig und trocken klebrig, teils mit Blättern und Erdpartikeln behaftet und bis zur Hälfte des Hutradius´ abziehbar, scheckig-wechselfarbig mit weinrötlichen, bräunlichen und oliv-grünlichen Tönen, gerne mit ockerfarbener Mitte und ebenso gefärbten Flecken, jung auch mit freudigeren, fast orangen Bereichen

Lamellen: spröde, ausgebuchtet angewachsen, jung schwach und im Alter ausgeprägt bauchig, dicht gedrängt, bisweilen gegabelt und queraderig verbunden, Schneiden gerade, glatt und wie die Lamellenfläche gefärbt, jung blass ocker, später orange-ockerlich

Sporenpulver: dottergelb (IVe nach Romagnesi)

Stiel: 4−8,5 cm lang, unregelmäßig zylindrisch, basal entweder leicht keulig verdickt oder verjüngt, apikal etwas erweitert, (apikal 1−3,5 cm und basal 1,5−2,5 cm dick), gerade bis geschwungen, längsfaserig, weiß und mit braunen vereinzelten Punkten, im Alter gilbend

Fleisch: im Hut 5−10 mm dick, nur jung fest, dann schwammig-weich, weiß; im Stiel ohne Faserrichtung (brüchig wie Käse), zunächst fest und voll, bald schon schwammig-weich und beinahe wattig ausgefüllt, abgesehen von der bis zu 3 mm dicken Stielrinde, weiß; Fruchtkörper brüchig und im Alter stark gilbend

Geruch: im Anschnitt obstartig, an den Stachelbeer-Täubling (R. queletii) erinnernd

Geschmack: in allen Teilen mild, auch nach längerem Kauen

Anmerkungen

Bestimmung und Artabgrenzung

Mein erster Verdacht war der Weißstielige Leder-Täubling (Russula romellii). Doch bei meinem zweiten Besuch des Fundorts entpuppten sich die vermeintlichen Linden (Tilia sp.) als Hainbuchen (Carpinus betulus), was mich auf die Spur des Hainbuchen-Täublings (R. carpini) brachte. Der versierte Täublingskenner Robin Dost (besten Dank an dieser Stelle) bekräftigte meinen Verdacht in der Facebook-Gruppe „Pilze und Schwammerln“ und wies auf den Untergrund mit dem kargen Bewuchs hin: Während R. carpini an derberen Spezialstellen vorkomme, kenne er R. romellii als Bewohner des normalen Buchenwalds in der Laubstreu. Beide Arten würden basische Böden besiedeln. Sie besäßen zudem ähnliche Spektren aus kühlen Farben (violett, rosalich, weinrötlich, grünlich und gelblich). R. carpini soll jedoch eine matte Huthaut besitzen, R. romellii dagegen eine glänzende. Dass junge Fruchtkörper leicht scharf schmecken können, kann ich aber nicht bestätigen.

Zur mikroskopischen Abgrenzung macht Karin Montag (2016) auf die netzig ornamentierten Sporen von R. romellii – dort unter dem Namen „Wechselfarbiger Leder-Täubling“ – aufmerksam, wohingegen die Sporen von R. carpini isolierte, grobe Stacheln besitzen. Ansonsten basiert die Bestimmung meines Funds auf den scheckig-wechselfarbigen Hüten, dem orange-ockerlichen Sporenpulver, dem milden Geschmack und dem Standort unter Hainbuche. Außerdem gilben die Fruchtkörper von Russula carpini im Alter stark, weshalb Frieder Gröger (2014) die Art in seinem Schlüsselwerk auf den Namen „Gilbender Hainbuchen-Täubling“ getauft hat.

Vielen Dank für die Bestimmungshilfe der Vegetation des Fundorts an die Benutzer „Arthur“ und „jake001“ im Forum auf Pflanzenbestimmung.de.

Literatur

  • Einhellinger, A. (1994): Die Gattung Russula in Bayern. Bibliotheca Mycologica, Bd. 112. Cramer, Berlin-Stuttgart: 42–44.
  • Gröger, F. (2014): Bestimmungsschlüssel für Blätterpilze und Röhrlinge in Europa, Teil II. Regensb. Mykol. Schr. 17: 596.
  • Knudsen, H., J. Ruotsalainen & J. Vauras (2012): Key K: Sect. Polychromae Maire subsect. Integriforminae Bon and Melliolentinae Singer. In: Knudsen, H. & J. Vesterholt (2012): Funga Nordica, 2nd ed. Agaricoid, boletoid, clavarioid, cyphelloid and gastroid genera. Nordsvamp, Kopenhagen (DK): 182.
  • Krieglsteiner, G.J. [Hrsg.] (2000): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 2. Leisten-, Keulen-, Korallen- und Stoppelpilze, Bauchpilze, Röhrlings- und Täublingsartige. Eugen Ulmer, Stuttgart: 500−501.
  • Montag, K. (2016): Täublinge Folge 10: Milde Gelbsporer. Teil 3: Ledertäublinge s.l. Der Tintling 4/2016. Nr. 101: 35−47
  • Sarnari, M. (2005): Monografia illustrata del Genere Russula in Europa, Tomo Secondo. AMB, Centro Studi Micologici, Trento: 972−976.
  • Russula_aurea_2016-06-23_1Stiele lebhaft gelb überhaucht
  • Russula_aurea_2016-06-23_2Hüte freudig orange-gelb
  • Russula_aurea_2016-06-23_3Lamellen blass gelblich
  • Russula_aurea_2016-06-23_4Lamellenschneiden chromgelb
  • Russula_aurea_2016-06-23_5Fruchtkörper verschieden alt

Funddaten

Kollektion: 3 Fruchtkörper (Rest aufgrund von Schimmelbefall entsorgt)   Bestimmung: Russula aurea Persoon 1796   Funddatum: 23.6.2016   Fundort: D − BY − Schwaben − Lkr. Donau-Ries − Donauwörth-Parkstadt, Grünanlage an der Ecke Schlesier- und Andreas-Mayr-Straße   Messtischblatt: 7230/4.2.3   Höhe über NN: 505 m   Ökologie: Hainbuche (Carpinus betulus), Rot-Buche (Fagus sylvatica) und Eiche (Quercus sp.) auf spärlich bewachsenem Boden

Merkmale

Hut: 2,5−8 cm breit, 1,5−2,5 cm hoch, jung annähernd kugelig, dann gewölbt und mittig abgeflacht bis eingesenkt, später am Rand nach oben gewölbt und etwas gewellt, scharfrandig, Rand jung ungerieft, doch bald schon höckerig-gerieft, Oberfläche matt, schwach klebrig, teils mit Erdpartikeln behaftet, Huthaut bis zur Hälfte des Hutradius´ abziehbar und erreicht bisweilen nicht den Rand, ungleichmäßig blutrot, marsrot, orange und gelb-orange gefleckt, am Hutrand mit mehr Gelbtönen, jung auch mit dunkelrotem Randbereich

Lamellen: spröde, ausgebuchtet angewachsen, jung schwach und im Alter ausgeprägt bauchig, dicht gedrängt, vereinzelt mit Lamelletten untermisch, ungegabelt, am Grund queraderig verbunden, jung weiß, bald gelblich, Schneiden gerade, glatt und zur Lamellenfläche kontrastierend chromgelb gefärbt

Sporenpulver: ocker

Stiel: 2,5−5 cm lang, zylindrisch, zur Basis hin verjüngt, am oberen Ende etwas erweitert, (oberes Stielende 11−22 cm und unteres Stielende 10−20 × 22 mm dick), selten umgekehrt keulig, gerade bis etwas geschwungen, Stielrinde schwach längs gefasert und bisweilen längs gefurcht, weiß, gelb überlaufen

Fleisch: im Hut 6−11 mm dick, nur jung fest, dann weich, weiß, unter der Huthaut bis zu 2 mm tief gelblich gefärbt; im Stiel ohne Faserrichtung (brüchig wie Käse), zunächst fest und voll, bald schon schwammig-weich bis beinahe wattig ausgefüllt, abgesehen von der bis zu 3 mm dicken Stielrinde, weiß

Geruch: unspezifisch, im Anschnitt mit fruchtiger Komponente

Geschmack: in allen Teilen mild, auch nach längerem Kauen

Anmerkungen

Artabgrenzung

Typische Formen des Gold-Täublings, wie hier vorgestellt, lassen sich durch das gelb gefärbte Fleisch unter der der Huthaut, die zitronen- bis chromgelben Lamellenschneiden und den von der Basis aus zitronengelb überlaufenen Stiel leicht erkennen. Seltene völlig dunkelrote Exemplare zeigen meist chromgelbe Flecken. Daneben existiert noch die Form axantha gänzlich ohne gelbe Pigmentierung, deren Abgrenzung von anderen rothütigen Täublingen eine mikroskopische Untersuchung erfordert: R. aurea hat ein Sporenornament aus gratig bis netzig verbundenen Warzen und die Huthaut weist weder Dermatozystiden noch inkrustierte Hyphen auf (Bon 2016).

Namen

Viele Jahre wurde der Gold-Täubling unter dem wissenschaftlichen Namen Russula aurata geführt. Das Taxon wurde von dem englischen Naturforscher William Withering als Agaricus auratus erstbeschrieben und von Elias Magnus Fries im Jahr 1838 in die Gattung Russula gestellt. Die Art wurde aber bereits 1796 von Christian Hendrik Persoon als Russula aurea beschrieben: Der Name ist älter und hat deshalb Priorität.

Beide Namensbestandteile „auratus“ bzw. „aurata“ und „aurea“ leiten sich vom lateinischen Adjektiv „aureus“ (= vergoldet, vergolden) ab, zu lat. „aurum“ (= Gold), und beziehen sich auf das goldgelbe Fleisch unter der Huthaut. (Genaust 2005)

Literatur

  • Bon, M. (2016): Pareys Buch der Pilze. Kosmos, Stuttgart: 68.
  • Einhellinger, A. (1994): Die Gattung Russula in Bayern. Bibliotheca Mycologica, Bd. 112. Cramer, Berlin-Stuttgart: 34–36. (geführt als R. aurata)
  • Genaust, H. (2005): Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3. Aufl. Nikol, Hamburg: 87.
  • Gröger, F. (2014): Bestimmungsschlüssel für Blätterpilze und Röhrlinge in Europa, Teil II. Regensb. Mykol. Schr. 17: 514.
  • Knudsen, H., J. Ruotsalainen & J. Vauras (2012): Key L: Sect. Polychromae Maire subsect. Polychromae (incl. subsect. Auratinae Bon). In: Knudsen, H. & J. Vesterholt (2012): Funga Nordica, 2nd ed. Agaricoid, boletoid, clavarioid, cyphelloid and gastroid genera. Nordsvamp, Kopenhagen (DK): 182–183.
  • Krieglsteiner, G.J. [Hrsg.] (2000): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 2. Leisten-, Keulen-, Korallen- und Stoppelpilze, Bauchpilze, Röhrlings- und Täublingsartige. Eugen Ulmer, Stuttgart: 497−498.
  • Laux, H. E. (2015): Der große Kosmos Pilzführer. Kosmos, Stuttgart: 412.
  • Sarnari, M. (2005): Monografia illustrata del Genere Russula in Europa, Tomo Secondo. AMB, Centro Studi Micologici, Trento: 1072−1078.
  • Schaeffer, J. (1933): Russula-Monographie. Annales Mycologici 31(3): 305–516. (geführt als R. aurata)
  • Leccinellum_crocipodium_2016-08-20_1Stiel schräg, Hut waagrecht
  • Leccinellum_crocipodium_2016-08-20_2Huthaut mit dem Alter rissig
  • Leccinellum_crocipodium_2016-08-20_3Poren/Röhrenmündungen gelb
  • Leccinellum_crocipodium_2016-08-20_4Standortaufnahme
  • Leccinellum_crocipodium_2016-08-22_1Exemplar mit Schneckenfraß
  • Leccinellum_crocipodium_2016-08-22_2Hutrand die Röhren überragend
  • Leccinellum_crocipodium_2016-08-22_3Stielschüppchen braun
  • Leccinellum_crocipodium_2016-08-22_4Fleisch langsam schwärzend

Funddaten

Kollektionen: 1 Fruchtkörper, 1 weiteres Exemplar am 22.8.2016 ostsüdöstlich vom Fundpunkt in ca. 130 m Luftlinie nachgesammelt   Bestimmung: Leccinellum crocipodium (Letellier 1838) Della Maggiora & Trassinelli 2014   Funddatum: 20.8.2016   Fundort: D − BY − Schwaben − Lkr. Donau-Ries − Donauwörth-Riedlingen, Riedlinger Holz   Messtischblatt: 7230/3.4.3   Höhe über NN: 508 m   Ökologie: am Fuß einer Stiel-Eiche (Quercus robur), außerdem Hainbuche (Carpinus betulus) und Rot-Buche (Fagus sylvatica) in der Umgebung

Merkmale

Hut: 22–74 mm breit, 15–35 mm hoch, polsterförmig bis fast halbkugelig, Oberfläche leicht uneben, aber keine Runzeln und Gruben wie beim Hainbuchen-Raufuß oder Gefleckthütigen Röhrling, Huthaut matt, jung filzig, dann verkahlend, die Röhren überlappend, gerne eingerissen, ocker-bräunlich, beim großen Exemplar kleinfelderig aufgerissen, dort gelbliches Hutfleisch sichtbar, einige Stellen leicht schwärzlich, wie etwas angekokelt wirkend

Röhren: tief ausgebuchtet angeheftet, bauchig, bis zu 10–15 mm lang, gelb, mit zunehmendem Alter oliv gefärbt

Poren/Röhrenmündungen: klein, 2−3(−5) pro mm, rund, oval bis etwas längs gezogen, wie die Röhren gelb und später oliv gefärbt, auf Druck bräunend

Sporenpulverfarbe: kein Abdruck angefertigt; laut Literatur oliv-braun (Muñoz 2005)

Stiel: 60−105 mm lang, zylindrisch, dickste Stelle 19−22 mm breit, am oberen Stielende bis zu 8 mm verjüngt, jung etwas bauchig, später umgekehrt schlank keulig, Oberfläche matt, blass gelblich mit feinen bräunlich-schwarzen Schüppchen, im oberen Stielbereich gröber geschuppt

Fleisch: im Hut zunächst fest, bald schon schwammig weich, 10−15 mm dick, weiß; im Stiel fester als im Hut, im Alter holzig-hart, voll, längsfaserig; Hut- nahtlos ins Stielfleisch übergehend, schmutzig weißlich bis blass gelblich, sowohl im Hut als auch im Stiel bei Luftkontakt in wenigen Minuten bräunend, in der Stielbasis bläulich getönt

Geruch: angenehm säuerlich

Anmerkungen

Typische Merkmale

Der Gelbporige Raufuß kann hierzulande leicht durch die bei Trockenheit felderig-rissige Huthaut, die gelbporige Röhrenschicht, die zunächst dem Stiel gleichfarbigen und dann braunen Stielschüppchen sowie das rasch rötende und mit der Zeit schwärzlich verfärbende Fleisch identifiziert werden.
 

Artabgrenzung

Der wärmeliebende Röhrling ist eine Charakterart temperierter Eichen-Hainbuchen-Wälder mit schweren Lehmböden, wohingegen potenzielle Doppelgänger wie der Grüneichen-Raufuß (Symbiose mit Stein-/Grün-Eiche [Quercus ilex] und Kork-Eiche [Q. suber]) und der Zistrosen-Raufuß (Symbiose mit Zistrosen [Cystus sp.]und Sonnenröschen [Helianthemum sp.]) mediterrane Regionen besiedeln, in denen L. crocipodium kaum bekannt ist.

Gefährdung

Frank Dämmrich und Mitautoren (2016) weisen den Gelbporigen Raufuß in der Roten Liste der Großpilze Deutschlands als „Gefährdet“ (Kategorie 3) aus. Sie erachten die aktuelle Bestandssituation als „mäßig häufig“. Den kurzfristigen Bestandstrend bewerten sie mit „starke Abnahme“, den langfristigen Bestandstrend mit „Rückgang, Ausmaß unbekannt“.

Karasch & Hahn (2009) weisen die Art In der „Roten Liste der Großpilze Bayerns“ ebenfalls als „Gefährdet“ (Kategorie 3) aus und merken zur Gefährdungskategorie an:

Diese Arten haben deutliche Bestandsverluste in großen Teilen des Bezugsraumes zu verzeichnen. Wenn Gefährdungsfaktoren und -ursachen weiterhin einwirken und Schutz- und Hilfsmaßnahmen nicht unternommen werden bzw. wegfallen, kann dies das lokale Erlöschen der Art zur Folge haben.

Gminder (2000) schreibt zum Bestand und zur Gefährdung von L. crocipodium in Baden-Württemberg:

Der Gelbporige Raufuß geht aufgrund seiner Vorliebe für wärmeliebende, natürliche Eichenwaldgesellschaften sowohl durch die äußeren Umwelteinflüsse als auch durch die forstlichen Maßnahmen immer weiter zurück. Die Fähigkeit zur Ansiedelung an sekundären Standorten ist eher mäßig.

Schutz

In der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) wird der Gelbporige Raufuß klassisch zur Gattung Leccinum mit den Birkenpilzen und Rotkappen gezählt. Gemäß Anlage 1 zählt er zwar zu den „besonders geschützten Arten zu § 1 Satz 1“, allerdings werden alle heimischen Birkenpilze und Rotkappen (Leccinum spp.) unter § 2 Ausnahmen aufgeführt und dürfen demnach in geringen Mengen für den eigenen Bedarf der Natur entnommen werden.

Gattungsüberblick

Gegenwärtig umfasst die Gattung Leccinellum weltweit acht Arten:

Deutscher Name Wissenschaftlicher Name Autorenzitat
  Leccinellum albellum (Peck 1888) Bresinsky & Manfred Binder 2003
Hainbuchen-Raufuß Leccinellum carpini (R. Schulz 1924) Bresinsky & Manfred Binder 2003
Zistrosen-Raufuß Leccinellum corsicum (Rolland 1896) Bresinsky & Manfred Binder 2003
Gelbporiger Raufuß Leccinellum crocipodium (Letellier 1838) Della Maggiora & Trassinelli 2014
Grüneichen-Raufuß Leccinellum lepidum (H. Bouchet ex Essette 1965) Bresinsky & Manfred Binder 2003
  Leccinellum quercophilum Michael Kuo 2013
  Leccinellum rhodoporosum (Haruki Takahashi 2007) Haruki Takahashi 2016
  Leccinellum viscosum (Halling & B. Ortiz 2009) Mikšík 2016


Bresinsky und Binder definieren die Gattung Leccinellum mit dem Gelbporigen Raufuß als Typusart wie folgt:

Röhrlinge mit rund um den Stiel eingesenkter Röhrenschicht und mit rau punktierten Stielen. Fleisch an der Luft sofort und ziemlich stark rötlichviolett, violettgrau anlaufend und z.T. zunächst gelb gefärbt. HDS (Anm.: Hutdeckschicht) aus Kugelzellen oder aus Ketten kurzgliedriger Zellen. Nicht mit Birken oder Zitterpappcln assoziiert.

Die Autoren merken außerdem an, dass Leccinellum-Arten als nächstes mit den Laubtrüffeln (Octavianina) verwandt sind und ordnen die Gattung sogar der Familie der Laubtrüffelverwandten (Octavianinaceae) zu. Gegenwärtig wird die Gattung allerdings wie die Leccinum-Arten unter den Dickröhrlingsverwandten (Boletaceae) geführt. Als zweite Art stellen Bresinsky und Binder den vergleichsweise häufigen Hainbuchen-Raufuß (L. griseum) zu Leccinellum. (Bresinsky & Besl 2003)

Verwandtschaft

Die Raustielröhrlinge aus Nord- und Mittelamerika sind derzeit Gegenstand molekularbiologischer Untersuchungen. Michael Kuo und Beatriz Ortiz-Santana (2014) schreiben, ihre Ergebnisse deuten darauf hin, dass es notwendig sein wird, die Taxonomie der Raustielröhrlinge zu überarbeiten. Einige vorläufige Erkenntnisse haben die Autoren in ihrem Poster „Phylogeny and species delimitation of North American leccinoid fungi“ auf der 2014-Sitzung der Mykologischen Gesellschaft von Amerika vorgestellt. Darauf weisen sie sechs Verwandtschaftsgruppen aus:

  1. Die Leccinum-Gruppe (Arten der Leccinum-Sektionen Leccinum und Scabra),
  2. die Octaviania-Gruppe (Laubtrüffel-Arten),
  3. die Leccinum-viscosum-Gruppe (die Arten Leccinum viscosum, L. violaceotinctum und L. quercophillum),
  4. die Leccinellum-Gruppe (Leccinellum- und Rossbeevera-Arten),
  5. die Boletus-longicurvipes-Gruppe (Dickröhrlinge der Sektion Pseudoleccinum ss. Smith & Thiers) und
  6. die Chamonixia-Gruppe (Blauende Bergtrüffel/Blaunuss [Chamonixia caespitosa])

Die Leccinum-viscosum- und die Leccinellum-Gruppen werden den Autoren zufolge statistisch nicht gestützt.

Orihara, T. et al. (2016) gliedern die „leccinoid clade“ basierend auf den molekularbiologischen Untersuchungen dreier nuklearer (ITS, nLSU, EF-1α) und zwei mitochondrialer DNA-Regionen (ATP6 und mtSSU) in die vier Gattungen Chamonixia, Octaviania, Turmalinea sowie Rossbeevera mit trüffelartigen Fruchtkörpern und die beiden Gattungen Leccinum sowie Leccinellum mit in Hut und Stiel gegliederten Fruchtkörpern.

Namen und Wortherkunft

Die von Bresinsky und Besl (2003) vorgenommene Umkombination des Taxons von Leccinum in Leccinellum ist ungültig, weil das falsche Basionym angegeben wurde (siehe Artikel 33.3 des St. Louis Code [Greuter et al. 2000)]). Die Korrektur erfolgte durch Della Maggiora in 2014.

Der Gattungsname Leccinellum geht wie Leccinum auf das italienische Substantiv „leccio“ für „Stein-Eiche“ zurück. Jene Eichenart besitzt stachelig-gezähnte Blätter, kleine Eicheln und ist in Italien der häufigste Symbiosepartner der Eichen-Rotkappe. Der zweite Namensteil „crocipodium“ besteht aus den beiden griechischen Wortelementen: „croc-“ und „pod-“. Ersteres basiert auf dem Substantiv „croci“ für „Safran, Safranfarbe“ und zweiteres auf dem Substantiv „pódion“ für „Füßchen“. (Genaust 2005, Iannotti et al. 2016, Werner 1972)

Pigment

Für die gelbe Erscheinung der Fruchtkörper ist das orange-rote Pigment „Crocipodin“ verantwortlich. Lydia Kerschensteiner und Kollegen (2011) gelangten zu nachstehender Schlussfolgerung (übersetzt aus dem Englischen):

Die Struktur von Crocipodin wurde durch spektroskopische Nachweise aufgeklärt und durch Totalsynthese bestätigt. Das Auftreten eines Benzotropolonpigments in Leccinum ist außergewöhnlich. Andere gelbe Arten, wie die nordamerikanischen L. rugosiceps ssp. corrugis und L. rubropunctum verdanken ihre Farbe polyhydroxypulvinischen Säuren. Benzotropolone wurden bisher nicht von Röhrlingen isoliert, sind jedoch von dem Blätterpilz Tricholoma aurantium (Anm.: Orangeroter Ritterling) und dem Porling Fomes fomentarius (Anm.: Zunderschwamm) bekannt.

Untersuchte Kollektionen

Die Beschreibung bezieht sich sowohl auf den Fruchtkörper auf den Bildern 1−4 als auch auf das nachgesammelte Exemplar auf den Bildern 5−8 (siehe obige Angaben unter „Kollektionen“), um die Variabilität der Art zu verdeutlichen.

Literatur und Weblinks

  • Morchella_esculenta_agg_2016-04-22_1Kopfteil braun-ocker meliert
  • Morchella_esculenta_agg_2016-04-22_2Leisten marginal heller
  • Morchella_esculenta_agg_2016-04-22_3Stiel längs gefurcht
  • Morchella_esculenta_agg_2016-04-22_4Stielbasen teils gestelzt
  • Morchella_esculenta_agg_2010-05-01Stielbasis ähnlich Mangroven
  • Morchella_esculenta_agg_2009-05-02Alveolen/Mulden jung recht groß

Funddaten

Kollektion: 3 Frk.   Bestimmung: Morchella esculenta (Linnaeus 1753 : Fries 1822) Persoon 1801 agg.   Finder: Elfriede Appelt et al.   Funddatum: 22.4.2016   Fundort: D − BY − Schwaben − Kaufbeuren − auwaldartige Uferböschung   Messtischblatt: 8129/2.1.2   Höhe über NN: 665 m   Ökologie: auwaldartiger Uferbereich auf mäßig feuchtem und kalkhaltigem Boden; Baumbestand aus Rot-Buche (Fagus sylvatica) und Gemeiner Esche (Fraxinus excelsior); Bodenbewuchs aus Giersch (Aegopodium podagraria) und Busch-Windröschen (Anemone nemorosa)

Merkmale

Kopfteil: 50–60 mm lang, 40–55 × 45–70 cm im Durchmesser, unten meist breit ausladend und nach oben etwas verjüngt, aber runder als bei der Grauen Speise-Morchel (Morchella vulgaris), mit überwiegend gleich großen und lediglich jung bzw. im Alter am Stielansatz etwas längsgezogenen Alveolen, im Durchmesser bis zu 2,5 cm groß, am Stiel leicht ausgebuchtet angewachsen und dort mit schmaleren Alveolen, jung zunächst grau-braun mit marginal helleren Leisten, später fleckig-meliert braun und beige, matt

Stiel: 45–60 mm lang, apikal 11–18 × 17–28 mm und basal 30–35 × 20–35 mm breit, nach unten erweitert und dadurch in der Silhouette an einen Baumstumpf erinnernd, zur Basis hin gefurcht, eingedellt und bisweilen mangrovenartig gestelzt, schmutzig weißlich bis blass cremefarben, matt

Fleisch: im Kopfteil hohl mit bis zu 2 mm dicker Wandung und bis zu 17 mm breiter Alveolenschicht; im Stiel hohl mit bis zu 3 mm dicker Wandung, basal längs gefaltet und dadurch fast vollständig ausgefüllt, schmutzig weißlich bis blass cremefarben, teils etwas glasig; Innenflächen des Kopfteils und des Stiels kleiig-feinkörnig besetzt

Geruch: fein säuerlich, im Anschnitt spermatisch

Anmerkungen

Verwandtschaft und Arteingrenzung

Bei der Kollektion handelt es sich um eine der Speise-Morcheln, also eine Art aus der Sektion Morchella bzw. der Esculenta-Klade. Die Artengruppe wird im englischen Sprachraum auch als „yellow morels“ bezeichnet. Die genaue Art ist indes unklar: Morphologisch ähneln die Fruchtkörper am ehesten denen auf dem Farbfoto des Epitypus' von Morchella esculenta in Richard et al. 2015. Aber ohne DNA-Untersuchungen endet die Arteingrenzung des Funds in der Sektion Morchella.

Literatur

  • Richard, F. et al. (2015): True morels (Morchella, Pezizales) of Europe and North America: evolutionary relationships inferred from multilocus data and a unified taxonomy. Mycologia 107(2): 359–382. (zuerst online veröffentlicht im Dezember 2014)

Violetter Fächer

Violettblättriger Zwergknäueling (Panellus violaceofulvus)

Im Winterhalbjahr, gerne nach der Schneeschmelze im Frühling, fruktifiziert an den Ästen von Weiß-Tannen und anderen Nadelhölzern der Violettblättrige Zwergknäueling. Der kurze Stiel ist weiß zottig-behaart.

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Schotterpionier

Gefalteter Adermoosling oder Geröllnabeling (Arrhenia rickenii)

Der Gefaltete Adermoosling besiedelt auf der Fröttmaninger Heide kiesige, teils moosige Ruderalstellen, sekundär auch Mauerreste. Markant ist der gerieft-faltige Hut mit ausgeprägt querverbundenen Lamellen.

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Weicher Ritter

Weißblättriger Weichritterling (Melanoleuca rasilis var. leucophylloides)

In der Königsbrunner Heide am Rand eines Trampfelpfads wächst standorttreu der Weißblättrige Weichritterling. Er besitzt einen ockerfarbenen, bereits jung flach ausgebreiteten Hut mit weißen und eng stehenden Lamellen.

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Mottenkugeln im Wald

Mottenkugel-Lederrindenpilz (Scytinostroma portentosum)

Trotz des rindenpilzartigen Aussehens ist der Mottenkugel-Lederrindenpilz um ein paar Ecken mit den Täublingen verwandt. Er ist relativ bunt, bereift, oftmals großflächig und riecht penetrant nach Naphtalin.

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Rezension: Handbuch für Pilzsammler

Doppelseite mit SteinpilzartenAndreas Gminders „Handbuch für Pilzsammler“ richtet sich an ambitionierte Einsteiger, die mehr wollen, als ihre Funde mit den abgedruckten Fotos zu vergleichen. Die darin enthaltenen Bestimmungsschlüssel und Artporträts ermöglichen es den Leserinnen und Lesern rund 340 mitteleuropäische Arten anhand von Merkmalen und Lebensräumen zu bestimmen. Ist eine Art nicht enthalten, lassen sich die Funde oft für weitergehende Recherchen einer Gattung oder Artengruppe zuordnen.

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Besucherlenkung: Pilzaufsteller aus Holz

Anleitung: Pilzmotive aus Holz selbst gemachtAufstellbare Pilztafeln aus Holz sind ideal, um Pilzausstellungen, Beratungsstellen und mykologische Tagungen zu promoten. Zunächst wird eine Schablone erstellt – hierzu stehen mehrere Vorlagen kostenlos als Download parat. Nach dem Übertragen auf eine Holzplatte wird das Motiv mit einer Stichsäge ausgesägt. Danach werden die scharfen Kanten mit einer Oberfräse gebrochen. Es folgt das Grundieren und Bemalen der Tafeln. Dann werden sie mit Ständern aus Holzleisten verschraubt und aufgestellt.

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