2016

  • Hemileccinum_depilatum_2016-06-18_1Hut typisch grubig-eingedellt
  • Hemileccinum_depilatum_2016-06-18_2Stiel rissig (Trockenschaden)
  • Hemileccinum_depilatum_2016-06-18_3Fraßstellen teils rötlich gefärbt
  • Hemileccinum_depilatum_2016-06-18_4Stielspitze rötlich überlaufen
  • Hemileccinum_depilatum_2016-06-18_5...und mit Schüppchen besetzt
  • Hemileccinum_depilatum_2016-06-18_6Röhren am Stiel ausgebuchtet
  • Hemileccinum_depilatum_2016-06-18_7Fleisch mit gelben Streifen
  • Hemileccinum_depilatum_2016-06-18_8...durchzogen bzw. marmoriert

Funddaten

Kollektion: 1 Fruchtkörper (Fotos nicht vom Fundort)   Bestimmung: Hemileccinum depilatum (Redeuilh 1986 ['1985']) Šutara 2008   Funddatum: 17.6.2016 (Wiederfund aus dem Vorjahr, Finderin: G. Feistle)   Fundort: D − BY − Schwaben − Lkr. Donau-Ries − Donauwörth, Sallinger Straße, Parkplatz nordwestlich des Friedhofs und östlich des Tennisheims   Messtischblatt: 7230/4.3.1   Höhe über NN: 410 m   Ökologie: Grünstreifen mit Hecke und einzelnen Bäumen aus Hainbuche (Carpinus betulus) zwischen dem Bürgersteig und den Stellplätzen

Merkmale

Hut: 6,5 cm breit, 3 cm hoch, polsterförmig, Oberfläche gedellt-grubig, wie mit der spitzen Seite eines Hammers bearbeitet, Huthaut matt, weder schmierig noch schleimig oder klebrig, am Rand leicht überstehend, braun auf ockerfarbenem Grund gefleckt, an Schneckenfraßstellen teils rötlich überlaufen

Röhren: ausgebuchtet angeheftet, bauchig, bis zu 9 mm lang, intensiv gelb, auf Druck und im Anschnitt unverändert/nicht blauend

Poren/Röhrenmündungen:  klein, 3−4 pro mm, rundlich bis schwach eckig, wie die Röhren intensiv gelb gefärbt

Sporenpulverfarbe: kein Abdruck angefertigt; laut Literatur oliv-braun (Ladurner & Simonini 2003)

Stiel: 8 cm lang, oben 1,5 cm und unten 4 cm breit, invers und asymetrisch keulig, unteres Stielende mit schwach wurzelndem Fortsatz, aufgerissen (Trockenschaden), schmutzig gelblich bis blass ockerlich, in der Basis weißlich, obere Stielhälfte teils rosa-rötlich überlaufen und vor allem nahe des Hutansatzes mit feinen, gleichfarbigen Schüppchen besetzt

Fleisch: im Hut fest, bis zu 13 mm dick, blass gelblich, im Anschnitt unverändert, unterhalb von Fraßstellen rötlich; im Stiel etwas weicher als im Hut, an der Basis hingegen hart, voll, weißlich bis blass gelblich, vor allem am oberen Stielende nahe der Stielrinde gelb längs gestreift bis marmoriert, im Anschnitt unverändert bis allenfalls schwach bläulich angehaucht; Hut- nahtlos ins Stielfleisch übergehend

Geruch: säuerlich und insbesondere an der Stielbasis unangenehm nach Jodoform bzw. „Medizinschrank“

Anmerkungen

Artabgrenzung

Sehr ähnlich sieht der Fahle Röhrling (Hemileccinum impolitum) aus. Er hat jedoch eine etwas filzigere und weitgehend ebene Hutoberfläche ohne Dellen. Außerdem ist er blasser und ± gleichmäßig gefärbt. Die Merkmale sind jedoch sehr variabel. Am sichersten lassen sich die beiden Arten mikroskopisch anhand der Hutdeckschicht differenzieren: Während H. depilatum vor allem in der Hutmitte kurzelliptische Elemente aufweist, ist die Hutdeckschicht bei H. impolitum fädig-hyphig strukturiert.

Ansonsten kann die Art noch mit einigen der gelb pigmentierten Raustielröhrlingen aus der Gattung Leccinellum verwechselt werden wie z. B. der Gelbporige Raufuß (L. crocipodium) und der Hainbuchen-Raufuß (L. griseum). Deren Fleisch verfärbt sich jedoch im Anschnitt bei Kontakt mit Luftsauerstoff auffallend rasch rötlich, violettlich oder lilafarben und schließlich grau bis schwärzlich.

Andere Röhrlinge mit der Statur eines Steinpilzes und einem vergleichbaren Farbspektrum haben einen genetzten Stiel und/oder blauen im Anschnitt.

Ökologie und Verbreitung

Andreas Gminder (Krieglsteiner 2000) berichtet, dass die Fundstellen in Baden-Württemberg in ausgesprochen wärmebegünstigten Gebieten liegen. Er vermutet, dass die Art lehmige und neutrale bis basische Böden bevorzugt. In drei Fällen konnte eine Mykorrhizabindung mit Hainbuche bestätigt werden, bei fünf weiteren Nachweisen ist lediglich bekannt, dass sie bei Laubbäumen wuchsen. Ladurner & Simonini (2003) geben neben Hainbuche die Europäische Hopfenbuche (Ostrya carpinifolia) als hauptsächlichen Symbiosepartner an und berichten darüber hinaus von Funden unter Eichen (Quercus sp.), immer auf kalkhaltigem Boden. In Pilzkartierung 2000 Online (Schilling & Dobbitsch 2004-2006) existieren zudem Meldungen von Funden bei Linden (Tilia sp.). Laut Ladurner & Simonini ist der Gefleckthütige Röhrling in Mittel- und Nordeuropa in den mittleren Höhenlagen weit verbreitet, scheint aber im Vergleich zum Fahlen Röhrling häufiger in mediterranen Gebieten und/oder in tieferen Lagen vorzukommen.

Namen und Verwandtschaft

Hemileccinum ist eine Gattung aus der Familie der Dickröhrlingsverwandten (Boletaceae) und wird darin der Filzröhrlingsverwandtschaft/Unterfamilie Xerocomoidae zugerechnet. Sie wurde im Jahr 2008 durch den tschechischen Mykologen Josef Šutara basierend auf morphologischen Merkmalen aufgestellt und umfasste zunächst zwei Arten, die zuvor zur Gattung der Dickröhrlinge (Boletus) zählten: den Fahlen Röhrling (H. impolitum) − die Typusart − und den hier vorgestellten Gefleckhütigen Röhrling (H. depilatum). Aufgrund des markanten Jodgeruchs empfehle ich den von Peter Specht vorgeschlagenen, aussagekräftigen deutschen Namen „Jodoformröhrlinge“.

Im Jahr 2014 bestätigten Wu und Kollegen die Abgrenzung der Hemileccinum-Arten von anderen Röhrlingsgattungen und stellten zudem fest, dass die Gattung am nächsten mit Corneroboletus verwandt ist. Letztgenannte Gattung beinhaltet mit C. indecorus lediglich eine einzige in Südostasien verbreitete Art. Ein Jahr später wurde die nordamerikanische Art Hemileccinum subglabripes aufgrund eines DNA-Beweises von den Dickröhrlingen zu den Jodoformröhrlingen transferiert (Halling et al. 2015).

Literatur und Weblinks

  • Morchella_esculenta_agg_2016-04-22_1Kopfteil braun-ocker meliert
  • Morchella_esculenta_agg_2016-04-22_2Leisten marginal heller
  • Morchella_esculenta_agg_2016-04-22_3Stiel längs gefurcht
  • Morchella_esculenta_agg_2016-04-22_4Stielbasen teils gestelzt
  • Morchella_esculenta_agg_2010-05-01Stielbasis ähnlich Mangroven
  • Morchella_esculenta_agg_2009-05-02Alveolen/Mulden jung recht groß

Funddaten

Kollektion: 3 Frk.   Bestimmung: Morchella cf. esculenta s. str. (Linnaeus 1753 : Fries 1822) Persoon 1801   Finder: Elfriede Appelt et al.   Funddatum: 22.4.2016   Fundort: D − BY − Schwaben − Kaufbeuren − auwaldartige Uferböschung   Messtischblatt: 8129/2.1.2   Höhe über NN: 665 m   Ökologie: auwaldartiger Uferbereich auf mäßig feuchtem und kalkhaltigem Boden; Baumbestand aus Rot-Buche (Fagus sylvatica) und Gemeiner Esche (Fraxinus excelsior); Bodenbewuchs aus Giersch (Aegopodium podagraria) und Busch-Windröschen (Anemone nemorosa)

Merkmale

Kopfteil: 50–60 mm lang, 40–55 × 45–70 cm im Durchmesser, unten meist breit ausladend und nach oben etwas verjüngt, aber runder als bei der Grauen Speise-Morchel (Morchella vulgaris), mit überwiegend gleich großen und lediglich jung bzw. im Alter am Stielansatz etwas längsgezogenen Alveolen, im Durchmesser bis zu 2,5 cm groß, am Stiel leicht ausgebuchtet angewachsen und dort mit schmaleren Alveolen, jung zunächst grau-braun mit marginal helleren Leisten, später fleckig-meliert braun und beige, matt

Stiel: 45–60 mm lang, apikal 11–18 × 17–28 mm und basal 30–35 × 20–35 mm breit, nach unten erweitert und dadurch in der Silhouette an einen Baumstumpf erinnernd, zur Basis hin gefurcht, eingedellt und bisweilen mangrovenartig gestelzt, schmutzig weißlich bis blass cremefarben, matt

Fleisch: im Kopfteil hohl mit bis zu 2 mm dicker Wandung und bis zu 17 mm breiter Alveolenschicht; im Stiel hohl mit bis zu 3 mm dicker Wandung, basal längs gefaltet und dadurch fast vollständig ausgefüllt, schmutzig weißlich bis blass cremefarben, teils etwas glasig; Innenflächen des Kopfteils und des Stiels kleiig-feinkörnig besetzt

Geruch: fein säuerlich, im Anschnitt spermatisch

Anmerkungen

Verwandtschaft und Arteingrenzung

Bei der Kollektion handelt es sich um eine der Speise-Morcheln, also eine Art aus der Sektion Morchella bzw. der Esculenta-Klade. Die Artengruppe wird im englischen Sprachraum auch als „yellow morels“ bezeichnet. Die genaue Art ist indes unklar: Morphologisch ähneln die Fruchtkörper am ehesten denen auf dem Farbfoto des Epitypus' von Morchella esculenta in Richard et al. 2015. Aber ohne DNA-Untersuchungen endet die Arteingrenzung des Funds in der Sektion Morchella.

Literatur

  • Richard, F. et al. (2015): True morels (Morchella, Pezizales) of Europe and North America: evolutionary relationships inferred from multilocus data and a unified taxonomy. Mycologia 107(2): 359–382. (zuerst online veröffentlicht im Dezember 2014)
  • Verpa_bohemica_1_2016-04-07Kurzstielig mit glockigem Hut
  • Verpa_bohemica_2_2016-04-07Dickster Frk. der Kollektion
  • Verpa_bohemica_3_2016-04-07Gestrecktstieliges Exemplar
  • Verpa_bohemica_4_2016-04-07Kurzhütiger Fruchtkörper
  • Verpa_bohemica_5_2016-04-07Variante mit gelapptem Hut
  • Verpa_bohemica_6_2016-04-07Stiel innen weiß-wattig bis hohl
  • Verpa_bohemica_7_2016-04-07Gut getarnt in der Laubstreu:
  • Verpa_bohemica_8_2016-04-07ein runzeliger, gefleckter Hut
  • Verpa_bohemica_9_2016-04-07Giersch, Busch-Windröschen...

Funddaten

Kollektion: 5 von 11 Frk.   Bestimmung: Verpa bohemica (Krombholz 1828) J. Schröter 1893   Funddatum: 7.4.2016   Fundort: D − BY − Schwaben − Meitingen − Auwald am Lech   Messtischblatt: 7431/1   Höhe über NN: ca. 430 m   Ökologie: auwaldartiger Uferstreifen auf frischem, kalkhaltigem Boden; Baumschicht hauptsächlich bestehend aus Gemeiner Esche (Fraxinus excelsior) und Schwarz-Pappeln (Populus nigra oder Bastard-Pappel (P. ×canadensis) mit eingestreuten Linden (Tilia sp.); Strauchschicht vornehmlich aus Weißdorn (Crataegus sp.) und Schwarzem Holunder (Sambucus nigra); Bodenbewuchs überwiegend aus Giersch (Aegopodium podagraria) und Busch-Windröschen (Anemone nemorosa), außerdem Trupps der Gewöhnlichen Schuppenwurz (Lathraea squamaria)

Merkmale

Kopfteil: 2,5–9 cm lang, 2,2–4,5 cm im Durchmesser, an der Spitze 1,5–3,5 cm breit, glockig bis walzenförmig, nur an der Stielspitze angewachsen, sonst frei hängend und den Stiel scheidenartig umgebend, mit ausgeprägt wulstigen sowie teils gegabelten Längsrippen und schwächeren, verschlungenen Querrippen, gelb-bräunlich bis dunkelbraun, seltener hell und dunkel gefleckt und dadurch auf dem Boden nur schwer auszumachen, im Alter mit dunkelbraun bis schwarz-braun und strichartig eintrocknenden Rippen, dem Stiel zugewandte Innenseite glatt bis kleiig, weißlich bis blass ockerfarben

Sporenpulver: ocker-gelb

Stiel: 7,5–14,5 cm lang, unregelmäßig zylindrisch, im unteren Stielbereich bisweilen längs gefurcht, 11–19 mm breit, zum Hutansatz hin marginal verjüngt, zunächst weißlich, dann hellocker mit schnutzig rosa Farbtönen, Oberfläche quer feinschuppig gebändert bis flockig genattert

Fleisch: Rippung/Runzeln des Huts bis zu 8 mm dick; im Stiel wattig-weiß ausgefüllt, im Alter hohl gekammert, Stielwand bis zu 2 mm dick, weißlich bis hellocker, teils glasig, sowohl im Hut als auch Stiel wachsartig-brüchig

Geruch: schwach und im Anschnitt intensiv spermatisch

Anmerkungen

Artabgrenzung

Die Böhmische Verpel zählt zur Morchelverwandtschaft (Morchellaceae). Anders als bei den Morcheln (Morchella sp.) ist der Hut bei den Verpeln (Verpa sp.) jedoch nur an der Stielspitze angewachsen. Typisch ist zudem der wattig ausgefüllte, im Alter auch hohl gekammerte Stiel, wohingegen der Stiel bei Morcheln von Beginn an vollständig hohl ist.

Von der zur selben Zeit fruktifizierenden Fingerhut-Verpel (Verpa conica) unterscheidet sich die Böhmische Verpel durch die größeren Fruchtkörper und die stark längs-runzelige Hutoberfläche, weshalb sie auch Runzel-Verpel genannt wird. Dagegen ist der Hut des schmächtigeren Doppelgängers meist glatt und erinnert in der Form an einen Fingerhut oder eine Glocke, was der Art die Namen Fingerhut- und Glocken-Verpel eingebracht hat. Mikroskopisch können die beiden Arten leicht unterschieden werden: Während die Schläuche der Fingerhut-Verpel acht Sporen beinhalten, reifen in den Schläuchen der Böhmischen Verpel nur zwei große Sporen heran.

Mit bloßem Auge sieht noch die Käppchen- oder Halbfreie Morchel (Morchella semilibera) ähnlich aus. Deren Hut ist jedoch ± zur Hälfte mit dem Stiel verwachsen. Auffallend ist zudem die körnig-kleiige Stieloberfläche, während die Böhmische Verpel eine quer feinschuppig gebänderte bis flockig genatterte Oberfläche besitzt.

Untersuchte Kollektion

Aufgrund der 5-tägigen Lagerung der Kollektion im Kühlschrank, um die Farbe des Sporenpulvers zu ermitteln, weichen die Stiellängen durch den erfolgten Streckungsprozess der Fruchtkörper von den am Funddatum aufgesammelten Exemplaren ab.

Literatur und Weblinks

  • Russula_carpini_2016-06-04_01Hüte wechselfarbig rot, braun,
  • Russula_carpini_2016-06-04_02...violett, grünlich, ocker usw.
  • Russula_carpini_2016-06-04_03Hutrand oft höckerig-gerieft
  • Russula_carpini_2016-06-04_04Lamellen bisweilen gegabelt
  • Russula_carpini_2016-06-04_05...und queraderig verbunden
  • Russula_carpini_2016-06-04_06Sporenpulver dottergelb
  • Russula_carpini_2016-06-04_07Verschieden alte Exemplare
  • Russula_carpini_2016-06-04_08...aus anderer Perspektive
  • Russula_carpini_2016-06-04_09Ein Trupp in der Krautschicht
  • Russula_carpini_2016-06-04_10Frk. im Alter stark gilbend
  • Russula_carpini_2016-06-04_11Wuchs rings um eine Hainbuche

Funddaten

Kollektion: 7 Fruchtkörper von ca. 2 Dutzend Exemplaren  Bestimmung: Russula carpini Heinemann & R. Girard 1956   Funddatum: Beobachtungszeitraum vom 2.6. bis 9.6.2016, aufgesammelt am 4.6.2016   Fundort: D − BY − Schwaben − Lkr. Donau-Ries − Donauwörth-Neudegger Siedlung, Stauferpark   Messtischblatt: 7230/4.3.1   Höhe über NN: 401 m   Ökologie: Grünanlage nördlich und außerhalb des Stadions, südlich eines unbefestigten Weges und unweit eines kleinen Holzstegs, rings um eine Hainbuche (Carpinus betulus) auf spärlich bewachsenem und mit Laub bedecktem Boden, zwei weitere Hainbuchen im Einzugsbereich − dort jedoch nur vereinzelte Fruchtkörper; Krautschicht aus Hartriegel (Cornus sp.), Weißdorn (Crataegus sp.), Ruprechtskraut (Geranium robertianum), Echte Nelkenwurz (Geum urbanum), Gundermann (Glechoma hederacea), Gewöhnlichem Liguster (Ligustrum vulgare), außerdem Naturverjüngung aus Feld-Ahorn (Acer campestre), Spitz-Ahorn (Acer platanoides), Hainbuche, Eiche (Quercus sp.) und Weide (Salix sp.); im Randbereich der Fruktifikationsfläche Giersch (Aegopodium podagraria), Wiesen-Fuchsschwanz (Alopecurus pratensis), Gewöhnliches Knäuelgras (Dactylis glomerata), Wald-Erdbeere (Fragaria vesca), Hain-Rispengras (Poa nemoralis)Stumpfblättriger Ampfer (Rumex obtusifolius) und Löwenzahn (Taraxacum sp.); vergesellschaftet mit dem Gebänderten Hainbuchen-Milchling (Lactarius circellatus) [erstmals nachgewiesen am 9.6.2016]

Merkmale

Hut: 3−9,5 × 3,5−10,5 cm breit, 0,5−2,5 cm hoch, jung halbkugelig, dann gewölbt und mittig niedergedrückt, später flach gewölbt und im Zentrum etwas eingesenkt sowie unregelmäßig verbogen, selten kreisrund, scharfrandig und dort meist schon jung höckerig-gerieft, Huthaut glänzend, feucht schmierig und trocken klebrig, teils mit Blättern und Erdpartikeln behaftet und bis zur Hälfte des Hutradius´ abziehbar, scheckig-wechselfarbig mit weinrötlichen, bräunlichen und oliv-grünlichen Tönen, gerne mit ockerfarbener Mitte und ebenso gefärbten Flecken, jung auch mit freudigeren, fast orangen Bereichen

Lamellen: spröde, ausgebuchtet angewachsen, jung schwach und im Alter ausgeprägt bauchig, dicht gedrängt, bisweilen gegabelt und queraderig verbunden, Schneiden gerade, glatt und wie die Lamellenfläche gefärbt, jung blass ocker, später orange-ockerlich

Sporenpulver: dottergelb (IVe nach Romagnesi)

Stiel: 4−8,5 cm lang, unregelmäßig zylindrisch, basal entweder leicht keulig verdickt oder verjüngt, apikal etwas erweitert, (apikal 1−3,5 cm und basal 1,5−2,5 cm dick), gerade bis geschwungen, längsfaserig, weiß und mit braunen vereinzelten Punkten, im Alter gilbend

Fleisch: im Hut 5−10 mm dick, nur jung fest, dann schwammig-weich, weiß; im Stiel ohne Faserrichtung (brüchig wie Käse), zunächst fest und voll, bald schon schwammig-weich und beinahe wattig ausgefüllt, abgesehen von der bis zu 3 mm dicken Stielrinde, weiß; Fruchtkörper brüchig und im Alter stark gilbend

Geruch: im Anschnitt obstartig, an den Stachelbeer-Täubling (R. queletii) erinnernd

Geschmack: in allen Teilen mild, auch nach längerem Kauen

Anmerkungen

Bestimmung und Artabgrenzung

Mein erster Verdacht war der Weißstielige Leder-Täubling (Russula romellii). Doch bei meinem zweiten Besuch des Fundorts entpuppten sich die vermeintlichen Linden (Tilia sp.) als Hainbuchen (Carpinus betulus), was mich auf die Spur des Hainbuchen-Täublings (R. carpini) brachte. Der versierte Täublingskenner Robin Dost (besten Dank an dieser Stelle) bekräftigte meinen Verdacht in der Facebook-Gruppe „Pilze und Schwammerln“ und wies auf den Untergrund mit dem kargen Bewuchs hin: Während R. carpini an derberen Spezialstellen vorkomme, kenne er R. romellii als Bewohner des normalen Buchenwalds in der Laubstreu. Beide Arten würden basische Böden besiedeln. Sie besäßen zudem ähnliche Spektren aus kühlen Farben (violett, rosalich, weinrötlich, grünlich und gelblich). R. carpini soll jedoch eine matte Huthaut besitzen, R. romellii dagegen eine glänzende. Dass junge Fruchtkörper leicht scharf schmecken können, kann ich aber nicht bestätigen.

Zur mikroskopischen Abgrenzung macht Karin Montag (2016) auf die netzig ornamentierten Sporen von R. romellii – dort unter dem Namen „Wechselfarbiger Leder-Täubling“ – aufmerksam, wohingegen die Sporen von R. carpini isolierte, grobe Stacheln besitzen. Ansonsten basiert die Bestimmung meines Funds auf den scheckig-wechselfarbigen Hüten, dem orange-ockerlichen Sporenpulver, dem milden Geschmack und dem Standort unter Hainbuche. Außerdem gilben die Fruchtkörper von Russula carpini im Alter stark, weshalb Frieder Gröger (2014) die Art in seinem Schlüsselwerk auf den Namen „Gilbender Hainbuchen-Täubling“ getauft hat.

Vielen Dank für die Bestimmungshilfe der Vegetation des Fundorts an die Benutzer „Arthur“ und „jake001“ im Forum auf Pflanzenbestimmung.de.

Literatur

  • Einhellinger, A. (1994): Die Gattung Russula in Bayern. Bibliotheca Mycologica, Bd. 112. Cramer, Berlin-Stuttgart: 42–44.
  • Gröger, F. (2014): Bestimmungsschlüssel für Blätterpilze und Röhrlinge in Europa, Teil II. Regensb. Mykol. Schr. 17: 596.
  • Knudsen, H., J. Ruotsalainen & J. Vauras (2012): Key K: Sect. Polychromae Maire subsect. Integriforminae Bon and Melliolentinae Singer. In: Knudsen, H. & J. Vesterholt (2012): Funga Nordica, 2nd ed. Agaricoid, boletoid, clavarioid, cyphelloid and gastroid genera. Nordsvamp, Kopenhagen (DK): 182.
  • Krieglsteiner, G.J. [Hrsg.] (2000): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 2. Leisten-, Keulen-, Korallen- und Stoppelpilze, Bauchpilze, Röhrlings- und Täublingsartige. Eugen Ulmer, Stuttgart: 500−501.
  • Montag, K. (2016): Täublinge Folge 10: Milde Gelbsporer. Teil 3: Ledertäublinge s.l. Der Tintling 4/2016. Nr. 101: 35−47
  • Sarnari, M. (2005): Monografia illustrata del Genere Russula in Europa, Tomo Secondo. AMB, Centro Studi Micologici, Trento: 972−976.

Stattlicher Rotporer

Blaufleckender Kaiserröhrling (Imperator rhodopurpureus agg.)

Im Eichelgarten, eine ehemalige Huteweide, wächst der Gelbhütige Purpur-Röhrling. Er blaut intensiv auf Druck oder bei Verletzung, hat einen rot genetzten Stiel und ebenso gefärbte Röhrenmündungen.

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Trockenkünstler

Steppen-Trichterling (Infundibulicybe glareosa)

Im Sommer erscheint auf den kurzgrasigen Flächen der Fröttmaninger Heide der Steppen-Trichterling. Der Pilz gilt als Indikator für nährstoffarme und wärmebegünstigte Trockenrasen auf Kalkböden.

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Gefalteter Adermoosling oder Geröllnabeling (Arrhenia rickenii)

Der Gefaltete Adermoosling besiedelt auf der Fröttmaninger Heide kiesige, teils moosige Ruderalstellen, sekundär auch Mauerreste. Markant ist der gerieft-faltige Hut mit ausgeprägt querverbundenen Lamellen.

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Gold-Nuggets

Conocybe aurea - Gold-Samthäubchen

Das Gold-Samthäubchen leistet dem Oleander meiner Mutter seit 2011 Gesellschaft. Der freudig gefärbte Pilz fruktifiziert vorwiegend bei sommerlichen Temperaturen, sofern die Erde feucht gehalten wird.

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Rezension: Pareys Buch der Pilze

Pareys Buch der Pilze 2005 vs. 2016Das „Pareys Buch der Pilze“ wird auch heute noch in Kursen zur Pilzbestimmung eingesetzt. Seine Stärke sind die Bestimmungsschlüssel und insbesondere die gezeichneten Fruchtkörper. Anders als bei Fotos, die Pilze nicht immer typisch zeigen, lassen sich so alle arttypischen Merkmale herausarbeiten. Im Jahr 2016 hat der Kosmos Verlag eine Neuauflage des Klassikers herausgebracht. In der Rezension erfahrt ihr, ob sich der Kauf im Vergleich zur vorherigen Ausgabe lohnt.

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Besucherlenkung: Pilzaufsteller aus Holz

Anleitung: Pilzmotive aus Holz selbst gemachtAufstellbare Pilztafeln aus Holz sind ideal, um Pilzausstellungen, Beratungsstellen und mykologische Tagungen zu promoten. Zunächst wird eine Schablone erstellt – hierzu stehen mehrere Vorlagen kostenlos als Download parat. Nach dem Übertragen auf eine Holzplatte wird das Motiv mit einer Stichsäge ausgesägt. Danach werden die scharfen Kanten mit einer Oberfräse gebrochen. Es folgt das Grundieren und Bemalen der Tafeln. Dann werden sie mit Ständern aus Holzleisten verschraubt und aufgestellt.

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