Gerne erinnere ich mich an den September 2009 zurück, als eine Gruppe begeisterter Pilzfotografen unter der Führung von Peter Widmann (Bruckmühl) im Rosenheimer Umland auf Motivjagd unterwegs war. Es war ein denkwürdiger Moment als wir am Straßenrand vier unversehrte Exemplare eines Klumpfußes mit freudig violetter Färbung entdeckten. Der Pilz sah aus, als stammte er aus einem Märchenbuch. Seinerzeit wussten wir nicht, welche Art wir gefunden hatten, weshalb wir ein paar Fruchtkörper zur Münchner Pilzausstellung mitnahmen. Dort wurde uns der Fund als Cortinarius terpsichores, der Schönviolette Klumpfuß, vorgestellt.
Erinnerungen
Anfang der Woche tauschten Tobias Luschner (Friedberg) und ich uns zu einem vorjährigen Fund aus dem Naturpark Altmühltal aus. Dabei geriet auch C. terpsichores in den Fokus. An den vermeintlichen Fund im bayerischen Voralpenland vor gut 15 Jahren konnte ich mich nur noch wage erinnern, weshalb ich in meinem Bildarchiv nachforschte:
Ich war gleichermaßen überrascht und verwirrt, denn die abgelichteten Fruchtkörper ähneln stark C. sodagnitus, dem Rosavioletten Klumpfuß. Dieses attraktive Phlegmacium hatte mir Tobias erst letztes Jahr im Altmühltal gezeigt und erläutert. Als er die Fotos sah, bestätigte er meine Einschätzung.
Merkmale
Typisch für jene Art ist der oft dunkler getropfte Hutrand, der Tobias an eine Mondkraterlandschaft erinnert. Außerdem blassen die rosa-violetten Farben gerne freudig ocker aus, zunächst stellenweise wie hier gut zu erkennen ist und zuletzt vollständig.
Hätten wir Kalilauge dabei gehabt, hätten wir auf der Huthaut und und dem Basalpilz eine sofortige pink-rote Farbreaktion beobachten können, wohingegen das Fleisch keine oder allenfalls eine schwach rosa Verfärbung gezeigt hätte. (Ludwig 2017)
Gefährdung
Nach wie vor ein Wahnsinns-Schwammerl und keineswegs häufig: C. sodagnites wird in der Roten Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands (Dämmrich et al. 2016) als „gefährdet“ (Kategorie 3) und in der Roten Liste gefährdeter Großpilze Bayerns (Karasch & Hahn 2009) sogar als „stark gefährdet“ (Kat. 2) eingestuft.
Was zählt
Es spielt keine Rolle, wer den Fund damals fehlbestimmt hatte – das kann jedem passieren. Entscheidend ist, dass der Rosaviolette Klumpfuß nach all den Jahren seinen richtigen Namen erhalten hat. Es lohnt sich zuweilen, frühere Funde nochmals anzuschauen!
Literatur und Weblinks
- Dämmrich F, Lotz-Winter H, Schmidt M, Pätzold W, Otto P, Schmitt JA, Scholler M, Schurig B, Winterhoff W, Gminder A, Hardtke HJ, Hirsch G, Karasch P, Lüderitz M, Schmidt-Stohn G, Siepe K, Täglich U, Wöldecke K (2016) Rote Liste der Großpilze und vorläufige Gesamtartenliste der Ständer- und Schlauchpilze (Basidiomycota und Ascomycota) Deutschlands mit Ausnahme der Flechten und der phytoparasitischen Kleinpilze. In: Matzke-Hajek G, Hofbauer N, Ludwig G (Red.): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands, Bd. 8: Pilze (Teil 1) – Großpilze. Naturschutz und Biologische Vielfalt 70(8), Landwirtschaftsverlag Münster. 444 S. (Infos beim Rote-Liste-Zentrum)
- Karasch P, Hahn C (2009) Rote Liste gefährdeter Großpilze Bayerns. LfU – Bayer. Landesamt für Umwelt (Hrsg.). Druck- & Medienservice Schulz, Oberkotzau. 108 S. (Infos beim LfU)
- Kibby G, Tortelli M (2022) The Genus Cortinarius in Britain. Eigenverlag. 168 S.
- Ludwig E (2017) Pilzkompendium (Beschreibungen), Bd. 4. Cortinariaceae (Galerina, Hebeloma, Inocybe, Phaeogalera, Cortinarius Teil I mit den Untergattungen Cortinarius, Dermocybe, Leprocybe, Phlegmacium). Fungicon, Berlin. 793 S.
- Zíbarová L (2013) Cortinarius (Phleg.) sodagnitus (Pavučinec lilákový). mykologie.net. 28.1.2023, abgerufen am 12.7.2025 (Bildersammlung; tschechisch).