2013

  • Kiefer_beim_Entasten_2013-10-26Entasten einer gefällten Kiefer
  • Koenigsbrunner_Heide_Auslichtung_2013-10-26_1Auslichtung, Blick zur Kernheide
  • Koenigsbrunner_Heide_Auslichtung_2013-10-26_2Bereich nahe der Hasenheide
  • Entoloma_sp_2013-10-26_1Ein dünnstieliger Rötling mit...
  • Entoloma_sp_2013-10-26_2...braunen Farben ohne Blautöne
  • Entoloma_subg_Pouzarella_sp_2013-10-26_1Einer der Haar-Rötlinge aus...
  • Entoloma_subg_Pouzarella_sp_2013-10-26_2...der Untergattung Pouzarella
  • cf_Ramariopsis_crocea_2013-10-26Safrangelbe Wiesenkoralle?
  • Equus_ferus_przewalskii_2013-10-26Przewalski-Pferde beim Grasen

Zur Mittagszeit erreichte ich am Samstag die Königsbrunner Heide. Die sonnige Witterung bei Temperaturen um die 25 Grad Celsius kam vor allem den freiwilligen Helferinnen und Helfern zugute, die dort unter der Anleitung von Nicolas Liebig, den Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands Stadt Augsburg e. V., und Norbert Pantel, den hiesigen Gebietsbetreuer, die Heide pflegten. Sie hatten bei meinem Eintreffen bereits eine beachtliche Fläche gemäht, auf dem der Wiesenknopf vorkommt – die Futterpflanze der Raupen des Wiesenknopf-Ameisenbläulings. Laut Auskunft des LPV wird die Stelle bei der Heidemahd im August immer ausgespart, damit sich die Raupen des Schmetterlings entwickeln können.

Pflegemaßnahmen in der Kernheide
Nach einer Brotzeit wechselten die engagierten Naturfreunde zum Ostrand der Heide. Auf dem Weg dorthin wurde ich noch zu einem imposanten Hexenring des Violetten Rötelritterlings (Lepista nuda) geführt, der rings um eine Solitärkiefer wuchs. Am Zielort angelangt, schufen die Landschaftspflegerinnen und -pfleger noch ein Durchbruch zum Rothirschgehege, indem sie Faulbäume und andere Sträucher entfernten. Zum Schluss der Pflegemaßnahmen fällte Herr Liebig noch fachmännisch eine Kiefer. An einem der Äste konnte ich ein paar eingetrocknete Fruchtkörper des Kiefern-Zystidenrindenpilzes (Peniphora pini) ausmachen, mehr aber auch nicht.

Einzelner, unbekannter Zärtling
Deshalb verlagerte ich meinen Standort in die Auslichtung zwischen Kern- und Hasenheide, um auf dem westlich gelegenen Teilstück der gemähten Magerwiese Pilze aufzuspüren. Den Anfang machte ein einzelner dünnstieliger Rötling mit tristen, braun-grauen Farben und deutlich durchscheinend gerieftem Hut. Ob er zur Untergattung der Zärtlinge (Entoloma subg. Leptonia sp.) oder Glöcklinge (E. subg. Nolanea sp.) zählt, wird eine mikroskopische Untersuchung ergeben. Erstere Gruppe ist durch lichtbrechende Körnchen (brillant granules) in den Pilzfäden gekennzeichnet.

Neu fürs Kartierungsgebiet: ein Haar-Rötling
Der zweite Rötling war ebenfalls ein Einzelexemplar, ließ sich aber bereits im Feld den Haar-Rötlingen (E. subg. Pouzarella) zuordnen. Zur Artabgrenzung ist auch hier das Lichtmikroskop erforderlich. Entscheidend neben den Sporenmaßen sind vor allem die Haare auf dem Hut und dem Stiel: septiert oder ohne Querwände, braun pigmentiert oder nicht. (Gröger 2006, Ludwig 2007) Unabhängig von der Bestimmung handelt es sich um einen Erstfund fürs Kartierungsgebiet.

Gelbe, geruchlose Mini-Koralle – ebenso neu
Unmittelbar in der Nähe versteckte sich noch unter einer Blattrosette ein kleiner, gelber und korallenartiger Fruchtkörper, dessen Enden gegabelt waren. Meine erste Idee war die Geweihförmige Wiesenkoralle (Clavulinopsis corniculata), die ich bereits in der benachbarten Hasenheide nachweisen konnte. Das Fleisch roch aber nicht nach Mehl bzw. Salatgurke, weshalb auch die Safrangelbe Wiesenkoralle (Ramariopsis crocea) infrage käme. Letztlich ist auch in diesem Fall zur Differenzierung eine mikroskopische Untersuchung erforderlich: C. corniculata hat glatte und R. crocea fein-stachelige Sporen. (Jülich 1984)

Alle Funde wurden getrocknet und eingetütet – es bleibt spannend. Abschließend schaute ich noch zur Hasenheide, um die Przewalski-Pferde zu fotografieren. Seit dem Herbst 2012 wird das Areal während des Winters von den Wildpferden beweidet. Schließlich schwang ich mich aufs Rad und machte mich zufrieden auf den Heimweg.

 

Literatur

  • Gröger, F. (2006): Bestimmungsschlüssel für Blätterpilze und Röhrlinge in Europa. Teil I. Regensb. Mykol. Schr. 13.
  • Jülich, W. (1984): Die Nichtblätterpilze, Gallertpilze und Bauchpilze. Kleine Kryptogamenflora, Bd. II b/1. Gustav Fischer, Jena.
  • Ludwig, E. (2007): Pilzkompendium, Bd. 2. Beschreibungen. Fungicon, Berlin.

 

  • Firnhaberauheide_Nord_2013-10-23Herbst im Norden der Heide
  • Melanoleuca_1_sp_2013-10-23Weichritterling #1
  • Melanoleuca_2_sp_2013-10-23Weichritterling #2
  • Cuphophyllus_fuscescens_2013-10-23_1Bräunlicher Ellerling
  • Cuphophyllus_fuscescens_2013-10-23_2Herablaufende Lamellen
  • Cuphophyllus_ochraceopallidus_2013-10-23Ockerblasser Ellerling
  • cf_Pseudoclitocybe_expallens_2013-10-23Ausblassender Scheintrichterling?
  • Arrhenia_baeospora_2013-10-23_1Kleinsporiger Adermoosling
  • Arrhenia_baeospora_2013-10-23_2Zweites Gruppenfoto

Der goldene Oktober bescherte mir am Dienstag, den 22.10.2013, wunderbares Herbstwetter mit Sonnenschein, blauem Himmel und ein paar Schleierwolken. Zunächst steuerte ich den Teil der Firnhaberauheide an, der nördlich der A 8 liegt. Als erstes stieß ich auf ein Trio Weichritterlinge (Melanoleuca sp.) mit braunem Hut und braunem Stielfleisch. Ein paar Meter sammelte ich noch zwei weitere Fruchtkörper auf, deren Hüte dunkler gefärbt und noch nicht voll aufgeschirmt waren. Die Gattung ist durch die geraden Stiele, flach ausgebreiteten Hüte und dicht gedrängt stehenden, zur Hutfarbe meist kontrastierenden Lamellen relativ leicht zu erkennen. Um welche Art es sich handelt und ob die zweite Kollektion ein und dieselbe Art ist, wird im Winterhalbjahr eine mikroskopische Untersuchung zeigen.

Ein paar Ellerlinge
Als nächstes erspähte ich einen Ellerling mit brauner Hutmitte: der Bräunliche Ellerling (Cuphophyllus fuscescens). Die Art wird genau wie der Ockerblasse Ellerling (C. ochraceopallida) – eine Gruppe Frk. fand ich später noch im Südteil der Heide – von Boertmann (2010) nur als Varietät des Jungfern-Ellerlings (C. virgineus) angesehen.

Anschließend stattete ich dem südlichen Teil einen Besuch ab. Dort stieß ich mehrfach auf einen geruchlosen, braunen Blätterpilz mit Trichterlingshabitus, dessen Hüte überwiegend weißlich ausgeblasst waren. Auch er wurde für eine Nachuntersuchung eingesackt. Im Verdacht steht der Ausblassende oder Heide-Scheintrichterling (Pseudoclitocybe expallens). [Ludwig 2001]

Winziger Nabeling mit Mehlgeruch
Das Highlight war jedoch ein fragiler Blätterpilz mit ungegabelten Lamellen und auffallendem Geruch nach Mehl bzw. Salatgurke. Die Sporen maßen im Schnitt statistisch ausgewertet 7 ±1,05 x 3,3 ±0,52 µm, weshalb es sich um den seltenen Kleinsporigen Adermoosling (Arrhenia cf. baeospora) handeln dürfte. (Ludwig 2001, Gröger 2006) Im Gröger-Teilschlüssel f, der graue oder braune Nabelinge mit stärker länglichen Sporen [Quotient = 1,5–2 oder mehr], aber mit Schnallen an den Hyphen umfasst, findet sich bei dem Taxon noch ein Hinweis auf den ähnlich aussehenden Mehlgeruch-Nabeling (Omphalina farinolens), der jedoch größere Sporen hat. Klasse Fund – der Ausflug hat sich gelohnt!

 

Literatur

  • Boertmann, D. (2010): The genus Hygrocybe, 2nd rev. ed. Fungi of Northern Europe, Vol. I: 60–61.
  • Gröger, F. (2006): Bestimmungsschlüssel für Blätterpilze und Röhrlinge in Europa. Teil I. Regensb. Mykol. Schr. 13: 411.
  • Ludwig, E. (2001): Pilzkompendium, Bd. 1, Beschreibungen. IHW-Verlag, Eching: 467.

 

  • Kissinger Bahngruben_2013-09-22Blick nach Kissing im Norden
  • Lycaenidae_sp_2013-09-22Altersschwacher Bläuling
  • Campanula_glomerata_2013-09-22Knäuel-Glockenblume
  • Clematis_vitalba_2013-09-22Gewöhnliche Waldrebe
  • Crataegus_sp_2013-09-22Rote Weißdornfrüchte
  • Gentiana_cruciata_2013-09-22Samenstand des Kreuz-Enzians
  • Gentianella_germanica_2013-09-22Deutscher Fransenenzian
  • Hygrocybe_acutoconica_2013-09-22_1Safrangelber Saftling
  • Hygrocybe_acutoconica_2013-09-22_2Beengte Platzverhältnisse
  • Hygrocybe_conica_2013-09-22_1Rote Farbtupfer im Gras
  • Hygrocybe_conica_2013-09-22_2Schwärzender Saftling
  • Inocybe_cf_lacera_2013-09-22_1Neben einer Silberdistel...
  • Inocybe_cf_lacera_2013-09-22_2...der Olivgelbe Risspilz?
  • Kurzfuehlerschrecke_mit_Milbenbefall_2013-09-22Kurzfühlerschrecke mit Milben
  • Macrothylacia_rubi_2013-09-22Raupe des Brombeerspinners
  • Tofieldia_calyculata_2013-09-22Gewöhnliche Simsenlilie
  • Gaense_in_V-Formation_2013-09-22_1Gänse in V-Formation...
  • Gaense_in_V-Formation_2013-09-22_2...auf Schlafplatzsuche

Der Altweibersommer bescherte mir am 22. September 2013 bei der Begehung der Kissinger Bahngruben eine sonnige und warme Witterung. Die kugeligen, roten Früchte des Weißdorns (Crategus sp.) leuchteten mir bereits von weitem entgegen. Zu den markanten Spätblühern des initialen Magerrasenbiotops (siehe Kunze & Kruse 2013) zählte vor allem der Deutsche Fransenenzian (Gentianella germanica), dessen violetten Blütensterne auf der gesamten Fläche zerstreut zu finden waren. Vom blau blühenden Kreuz-Enzian (Gentiana cruciata) waren dagegen nur noch die gelbgrün abwelkenden Pflanzen mit ihren Samenständen und den namensgebenden kreuzgegenständig angeordneten Blättern zu sehen. Dazu gesellten sich ein paar vereinzelte Nachzügler der Knäuel-Glockenblume (Campanula glomerata), deren Blüten sich vor allem am oberen Stängelende als Büschel konzentrieren. Bemerkenswert finde ich nach wie vor die buschartige Insel aus Gewöhnlicher Waldrebe (Climatis vitalba) inmitten der Schotterfläche. Die zu den Lianen zählende, teils verholzende Kletterpflanze entfaltete an einigen Stellen sogar frische Blüten.

Saftling und Risspilz
Das Pilzvorkommen war überschaubar, insbesondere Rötlinge ließen auf sich warten. Vermutlich waren die regnerischen Tage zuvor zu kühl. Dafür fruktifizierte an mehreren Stellen der Safrangelbe Saftling (Hygrocybe acutoconica) – in den Kalkschotterheiden um Augsburg und München wohl der häufigste Gattungsvertreter. An zwei Stellen stieß ich noch auf einige Exemplare des Schwärzenden Saftlings (H. conica agg.) Letzterer besitzt wie H. acutoconica einen kegeligen Hut, kann farblich durchaus ähnlich aussehen, schwärzt aber rasch an Druckstellen. Im Alter verfärben sich sogar die gesamten Fruchtkörper schwarz. Am Rand des Trampelpfads nahe der nördlichen Bahngrube wurde es nochmals spannend: Neben Silberdisteln (Carlina acaulis) lugten die rostbraune Hüte eines bislang unbestimmten Risspilzes durchs Grün. An potenziellen Symbiosepartnern standen Birken (Betula pendula), Weiden (Salix sp.) und Gelbe Sonnenröschen (Helianthemum nummularium) im Umkreis. Mein Verdacht geht in Richtung Olivgelber Risspilz (Inocybe cf. dulcamara).

Unscheinbare Simsenlilie
Auf dem Rückweg fiel mir noch ein blühendes „Grasbüschel” ins Auge, das im Forum von pflanzenbestimmung.de durch den österreichischen Pflanzenfreund Christian Keusch als Gewöhnliche oder Kelch-Simsenlilie (Tofieldia calyculata) identifiziert werden konnte. Trotz des an Simsen erinnernden Aussehens – eine Gattung der Sauergrasgewächse – ist die Art nicht näher mit ihnen verwandt, sondern zählt zur kleinen Familie der Simsenliliengewächse (Tofieldiaceae) innerhalb der Ordnung der Froschlöffelartigen (Alismatales).

Haarige Raupe mit Kupferglanz
An Insekten spürte ich noch die schwarz-rotbraune, lang behaarte Raupe des Brombeerspinners (Macrothylacia rubi) auf, die sich an den letzten Blättern labte. Die Raupen leben als Einzelgänger und überwintern unter Steinen und anderen geschützten Stellen, ehe sie sich im nächsten Frühjahr verpuppen und ab Mitte Mai als Falter schlüpfen. Auf dem braunen Überrest eines Korbblüters ruhte das Männchen eines Bläulings, dasr einen mitgenommenen Eindruck machte und dort vermutlich die letzten Sonnenstrahlen seines Lebens genoss. Ansonsten waren noch diverse Grashüpfer unterwegs, darunter ein unbestimmtes braunes Exemplar, das beim näheren Hinsehen von kleinen, roten Milben befallen war.

In der Dämmerung zogen ein paar Gänse in V-Formation auf der Suche nach einem Schlafplatz am Weitmannsee über den Himmel. Sie schienen sich uneins, wo sie die Nacht verbringen sollten, da sie mehrmals über die nahe liegenden Lechauen und die Kissinger Bahngruben kreisten und dabei lautstark miteinander kommunizierten. Zufrieden ob der gesammelten Eindrücke trabte ich schließlich in der hereinbrechenden Nacht zur Haltestelle Kissing und fuhr mit dem Zug nach Hause.

 

  • Firnhaberauheide_Sued_2013-09-17Südteil der Firnhaberauheide
  • Gymnopus_dryophilus_2013-09-17_1Waldfreund-Rübling
  • Gymnopus_dryophilus_2013-09-17_2Lamellen weiß bis cremefarben
  • Helvella_lacunosa_2013-09-17_1Gruben-Lorchel
  • Helvella_lacunosa_2013-09-17_2Frk. grau, Stiele gerippt
  • Hygrocybe_acutoconica_2013-09-17Safrangelber Saftling
  • Inocybe_sp_2013-09-17_1Risspilz bei Sonnenröschen
  • Inocybe_sp_2013-09-17_2Hüte teils verbogen-deformiert
  • Inocybe_sp_2013-09-17_3Jung mit weißen Velumresten
  • Stropharia_coronilla_2013-09-17_1Krönchen-Träuschling
  • Stropharia_coronilla_2013-09-17_2Lam. blass grau bis purpurbraun

Am Abend des 17. September 2013 nutzte ich eine Regenpause in den ansonsten verregneten, windigen Tagen und radelte in den Südteil der Firnhaberauheide (Augsburg). Bereits am Monatsanfang waren dort einige Pilze zu finden, darunter die Gruben-Lorchel (Helvella lacunosa). Der Schlauchpilz fruktifizierte bei Gelbem Sonnenröschen (Helianthemum nummularium) und Dorniger Hauhechel (Ononis spinosa) im Halbschatten von Lavendel-Weiden (Salix eleagnos) und einer Hänge-Birke (Betula pendula). Die Fruchtkörper haben grauschwarze Farbtöne, einen 2-3-zipfeligen oder unregelmäßig faltigen, krausen oder grubigen Hut und einen längsgerippten Stiel. Die Art stellt keine besonderen Bodenansprüche und kann auch im Wald gefunden werden. In Laub- und Mischwäldern wächst die Herbst-Lorchel (H. crispa) mit vergleichbarem Habitus, die jedoch grau- bis ockerweißlich gefärbte Frk. aufweist. (Gerhardt 2002, Michael et al. Kreisel 1986)

Farbenprächtiger Saftling
Unmittelbar in der Nähe fruktifizierte noch der Safrangelbe Saftling (Hygrocybe acutoconica). Allerdings erinnerte das ältere, ausgeblasste Exemplar mit dem eingerissenen Hut nur noch wenig an die orange-gelbe Farbenpracht, wie sie beim jungen Exemplar zu sehen ist. Die Art zeigt kalkhaltige Böden an. Der Schwärzende Saftling (H. conica agg.) kann manchmal ähnlich aussehen, schwärzt aber bald an Druckstellen, während das Fleisch des Safrangelben Saftlings allenfalls nach längerer Liegezeit etwas graut. (Ludwig 2012)

Ein Pilz mit Stielkrönchen
Dann fiel mir noch ein Einzelexemplar des Krönchen-Träuschlings (Stropharia coronilla) ins Auge. Der Pilz trägt einen gelblich-weißlichen, klebrigen Hut und einen weißlichen Stiel mit einer oberseits gerieften Manschette. Die Lamellen auf der Hutunterseite sind jung blass grau, bei Sporenreife purpurbraun gefärbt. Der seltenere Doppelgänger ist der Schwarzblättrige Träuschling (S. melanosperma), der sich nur mikroskopisch anhand den größeren Sporen sicher abgrenzen lässt. Die typische und namensgebende Schwarzfärbung der Lamellen ist leider erst bei Sporenreife ausgeprägt. (Ludwig 2001)

Risspilz-Nachzügler bei Sonnenröschen
Highlight war jedoch eine Massenfruktifikation eines Risspilzes (Inocybe sp.) mit rotbraunen, schuppigen Hüten und weißem Velum. Die Art fand ich erstmals Mitte Juni, allerdings in deutlich geringerer Fruchtkörperzahl. Die Art könnte mit dem Sonnenröschen eine Mykorrhiza bilden, allerdings wuchs mehrere Meter entfernt auch eine Lavendel-Weide, die als Symbiosepartner infrage käme. Langsam aber sicher wird es Zeit, dass ich den Pilz vollständig mikroskopiere, um zu einer Bestimmung zu gelangen. Einstweilen trägt er den Arbeitstitel Fuchsiger oder Sandgruben-Risspilz (Inocybe cf. vulpinella). [Gminder et al. 2010, Knudsen & Vesterholt 2008, Stangl 1989]

Den Abschluss machte ein kleines Büschel des Waldfreund-Rüblings (Gymnopus dryophilus), der auch außerhalb von Wäldern in Wiesen wächst. In diesem Fall waren es blasse Exemplare, normalerweise zeigen die Fruchtkörper mehr ocker- bis fleischrötliche Farben. (Ludwig 2012) Nachdem die Dämmerung nicht mehr zu leugnen war und die Belichtungszeiten eine Minute überschritten, packte ich die Ausrüstung ein, radelte im Dunkeln nach Hause und kam dort zum Glück trocken an.

 

Literatur

  • Gerhardt, E. (2002): BLV Handbuch Pilze. 3. Aufl. BLV, München: 602.
  • Gminder, G. et al. (2010): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 5. Ständerpilze: Blätterpilze III (Dunkelblättler). Eugen Ulmer, Stuttgart: 445−446.
  • Knudsen, H. & J. Vesterholt (2008): Funga Nordica, 1. Aufl. Agaricoid, boletoid and cyphelloid genera. Nordsvamp, Kopenhagen (DK): 890.
  • Ludwig, E. (2001): Pilzkompendium (Beschreibungen), Bd. 1. Die kleineren Gattungen der Makromyzeten mit lamelligem Hymenophor aus den Ordnungen Agaricales, Boletales und Polyporales. IHW-Verlag, Eching: 672−675.
  • Ludwig, E. (2012): Pilzkompendium (Beschreibungen), Bd. 3. Die übrigen Gattungen der Agaricales mit weißem Sporenpulver. Fungicon, Berlin: 214−216, 281−283.
  • Michael, E., B. Hennig & H. Kreisel (1986): Handbuch für Pilzfreunde, Bd. 2. Nichtblätterpilze (Basidiomyzeten ohne Blätter, Askomyzeten) 3. Aufl. VEB Gustav Fischer, Jena: 380−381.
  • Stangl, J. (1989): Die Gattung Inocybe in Bayern. Hoppea. Denkschr. Regensb. Bot. Ges. 46: 234−236.

 

  • Firnhaberauheide_Nord_Muellberg_2013-05-30Nordteil der Firnhaberauheide
  • Firnhaberauheide_Nord_Autobahnbruecke_2013-05-30Autobahnbrücke über dem Lech
  • Entoloma_sericeoides_2013-05-30_1Trichter-Glöckling
  • Entoloma_sericeoides_2013-05-30_2Typisch: Hutmitte vertieft
  • Entoloma_sericeoides_2013-05-30_3Stiel gefurcht, basal weißfilzig
  • Entoloma_sericeoides_2013-05-30_4Lamellen breit angewachsen
  • Geocrypta_galii_2013-05-30Wucherungen: Gallmückenlarven
  • Polyommatus_icarus_2013-05-30_1Häufig: der Hauhechel-Bläuling
  • Polyommatus_icarus_2013-05-30_2Blick auf die Flügelunterseiten
  • Agrocybe_pediades_2013-05-30_1Winzling unter Natternkopf
  • Agrocybe_pediades_2013-05-30_2Raustieliger Ackerling
  • Agrocybe_pediades_2013-05-30_3Lamellen breit angewachsen
  • Entoloma_cf_ochreoprunuloides_2013-05-30_1Mehl-Rötling?
  • Entoloma_cf_ochreoprunuloides_2013-05-30_2Huthaut überhäutet wirkend
  • Entoloma_cf_ochreoprunuloides_2013-05-30_3Lam. angeheftet, Hut rissig
  • Orchis_militaris_2013-05-30Helm-Knabenkraut
  • Orchis_militaris_var_alba_2013-05-30Weißblütige Varietät
  • Anacamptis_morio_2013-05-30Kleines Knabenkraut

Graue Wolken wölbten sich am Himmel, ließen gelegentlich warme Schauer niederregnen und lockten so ein paar Schwammerln aus dem Boden. Der erste erspähte Fruchtkörper war in der Hutmitte trichterförmig vertieft, allenfalls zum Hutrand hin undeutlich durchscheinend gerieft und unauffällig braun gefärbt. Es handelt sich um den Trichter-Glöckling (Entoloma sericeoides), eine Rötlingsart aus der Sektion Sericeoidea in der Untergattung Clitopiloides. Den Blätterpilz mit dem brüchigen, ranzig-mehlartig oder spermatisch riechenden Fleisch konnte ich drei Tage zuvor bereits im südlichen Teil der Heide nachweisen, allerdings mit mehreren Exemplaren. Laut Pilzkompendium (Ludwig 2007) handelt es sich bei dem Kalkhalbtrockenrasen um ein typisches Habitat. Der Trichter-Glöckling ist in Deutschland weit verbreitet, aber selten – in Bayern wird er als extrem selten eingestuft (Karasch & Hahn 2011).

Gallen an Labkraut
Beim Fotografieren fielen mir in der Umgebung an einem Labkraut knotige, rosa Wucherungen auf. Dank der Unterstützung im Forum auf pflanzenbestimmung.de konnten die Gebilde als Gallen der Gallmücke (Geocrypta galii) identifiziert werden. Sie entstehen am Stängel überhalb den Blattstielen und sind oft zu mehreren ringartig miteinander verwachsen. Eine Wucherung kann bis zu einem Zentimeter groß werden. Im Inneren befindet sich in jeder Anschwellung eine gelbe bis orangefarbene Larve, die sich schließlich im Boden verpuppt. Bei günstiger Witterung entwickeln sich zwei Generationen im Jahr.

Blauer Flattermann im gelben Blütenmeer
Anschließend verfolgte ich entlang eines Trampelpfads ein hektisch umherflatterndes Männchen des Hauhechel-Bläulings (Polyommatus icarus), der häufigste und am weitesten verbreitete Vertreter seiner Familie. Zum Glück legte der Tagfalter auf einer gelben Hufeisenkleeblüte (Hippocrepis comosa) eine kurze Rast ein und ließ sich während des Nektarsaugens bereitwillig ablichten. Zu den Futterpflanzen der Raupen kommen im Einzugsgebiet der Gewöhnliche Hornklee (Lotus corniculatus), der Hufeisenklee, die Bunte Beilwicke (Securigera varia) und die Dornige Hauhechel (Ononis spinosa) infrage. In der Augsburger Gegend sind klimatisch maximal zwei Generationen im Jahr möglich. Danke an Georg Stiegel auf lepiforum.de für die Bestimmung.

Banaler Winzling unterm Natternkopf
Einige Meter weiter begannen sich mehrere mit Knospen besetzte Blütenstände des Gewöhnlichen Natternkopfs (Echium vulgare) aufzurichten. Zwischen den borstigen Blättern am Grund spitzelte ein kleiner, ockerfarbener Lamellenpilz hervor: der Raustielige Ackerling (Agrocybe pediades). Namensgebend ist der teils abstehend-faserig bekleidete Stiel. Die Lamellen verfärben sich mit zunehmendem Alter durch das ausfallende Sporenpulver braun. Der Raustielige Ackerling besiedelt Grünland auf kalkhaltigen wie auch sauren Böden, bevorzugt aber eutrophierte Stellen. Er ist hierzulande häufig und weit verbreit. (Krieglsteiner 2003)

Unbestimmter Rötling mit Ritterlingshabitus
Tragisches Highlight dieser Begehung war ein einzelner Blätterpilz mit ritterlingsartigem Habitus nahe einer Pappel, den ich leider im Kühlschrank mit dem abendlichen Einkauf verdeckte und schließlich vergaß, ihn detailliert zu beschreiben und für eine mikroskopische Untersuchung zu trocknen. Markant fand ich die velumartig überhäutet wirkende Hutoberfläche. Meine Vermutung ist ein Rötling – den Experten Gerhard Wölfel erinnern die Bilder an einen Vertreter aus der Gruppe um den Lilablauen Rötling (Entoloma bloxamii). Im Zuge meiner Recherchen stieß ich schließlich im Netz auf ein Foto von Jean-Jacques Wuilbaut und eine Bildersammlung auf MycoDB.fr, deren abgebildete Fruchtkörper des Mehl-Rötlings (E. prunuloides) meinem Fund ähnlich sehen. Die Typusart der Rötlinge gehört in die gleiche Untersektion wie der Lilablaue Rötling. Laut Michael, Hennig & Kreisel (1977) fruktifiziert die Art von August bis Oktober, Ludwig (2007) gibt Juli bis November an. Im Pilzkompendium steht zwar explizit, die Art würde nicht im Frühjahr erscheinen, aber Krieglsteiner (2003) skizziert die Phänologie in Baden-Württemberg von „September bis Anfang November, in manchen Jahren schon ab Ende Mai.“ Der Mehl-Rötling kommt in Europa vom Mittelmeerraum bis Nordskandinavien vor, gilt aber überall als ziemlich selten – in Deutschland ist der Pilz im Süden verbreitet und im Bestand gefährdet. (Ludwig 2007, Karasch & Hahn 2009) Ich werde die Fundstelle im Auge behalten. Mit etwas Glück lässt sich der Pilz nächstes Jahr nochmals blicken und dann mikroskopisch absichern.
Nachtrag am 10.12.2013: Der Gattungsspezialist Machiel E. Noordeloos kann sich vorstellen, dass es sich bei dem Fund möglicherweise um E. ochreoprunuloides (= E. prunuloides var. obscurum), den Dunklen Mehl-Rötling, handelt. (Morgado et al. 2013).

Orchideen und Diebe im Naturschutzgebiet
Vor dem Heimweg knipste ich noch ein paar heimische Orchideen: Das Kleine Knabenkraut (Anacamptis morio) und das stattliche Helm-Knabenkraut.(Orchis militaris). Ihre Blütezeit neigte sich zwar schon gen Ende, trotzdem waren einige Exemplare noch prächtig anzuschauen.
Unfassbar, dass im Sommer Naturfrevler im Stadtwald Augsburg illegal Orchideen im großen Stil ausgegraben hatten. Offenbar scheint dafür ein Schwarzmarkt zu existieren. Als Naturfreund blutet einem bei solchen Berichten das Herz. Ich appelliere an alle, die solche Aktivitäten beobachten, umgehend die Polizei zu verständigen. Lassen Sie es nicht zu, dass Naturschätze durch profitgierige Menschen geraubt und zerstört werden! Denken Sie aber zuerst an Ihre Eigensicherung.

 

Literatur

 

  • Firnhaberauheide_Habitat_2013-05-25Trockenrasen südl. der Autobahn
  • Euphorbia_cyparissias_2013-05-27Zypressen-Wolfsmilch
  • Briza_media_2013-05-27Rispe des Mittleren Zittergrases
  • Hygrocybe_acutoconica_2013-05-27Safrangelber Saftling
  • Marasmius_cf_anomalus_2013-05-27_1Weiße Tupfen im Rasen
  • Marasmius_cf_anomalus_2013-05-27_2Trockenrasen-Schwindling
  • Marasmius_cf_anomalus_2013-05-27_3Entfernt stehende Lamellen
  • Entoloma_sericeoides_2013-05-27Trichter-Glöckling
  • Cladonia_cf_rangiformis_2013-05-27Falsche Rentierflechte
  • Peltigera_cf_rufescens_2013-05-27Bereifte/Rötliche Schildflechte?
  • Abenddaemmerung_2013-05-27Abenddämmerung

Bei Temperaturen um die 20 Grad Celsius und nach einigen Regenschauern die Tage zuvor radelte ich in die Firnhaberauheide im Norden Augsburgs in der Hoffnung, ein paar Pilze zu finden. Mein Ziel war ein Teilbereich mit lückiger Vegetation und kiesigen Ruderalbereichen, das an die Schallschutzwand vor der Autobahn Stuttgart – München angrenzt.

Markant waren die gelbgrünen bis rötlichen Blütenstände der auf den Heideflächen häufigen Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias). Der Name leitet sich von den nichtblühenden Trieben ab, die durch ihr tannenwedelartiges Aussehen an Zypressen (Cupressus sp.) erinnern. Die Pflanze ist giftig, der Hautkontakt mit dem bei Verletzung austretenden weißen Milchsaft sollte unbedingt vermieden werden, weil sich sonst schmerzhafte Blasen bilden können. Im Auge verursacht er Verätzungen, die fachärztlich behandelt werden müssen. (Aichele & Schwegler 2004)

Weniger auffällig ist das Mittlere Zittergras (Briza media) mit seinen locker ausgebreiteten, pyramidenförmigen Rispen und langen, dünnen Rispenästen. Die hängenden, rundlichen bis herzförmigen Ährchen sind häufig rot-violett überlaufen und bewegen sich bereits beim leisesten Lufthauch. Das Süßgras ist eine typische Pflanzenart auf mageren Wiesen und Weiden. (Aichele & Schwegler 2004)

Ein Saftling zum Auftakt
Gleich eingangs wurde ich von einem einzelnen Safrangelben Saftling (Hygrocybe acutoconica) begrüßt. Der farbenprächtige Pilz steht wie alle seine Gattungsvertreter in Deutschland unter Naturschutz. Die kalkliebende Art ist auf den Schotterheiden um Augsburg und München zusammen mit dem Schwärzenden Saftling (H. conica) die am häufigste vorkommende Spezies ihrer Gattung. Das fotografierte Exemplar zeigt auf der Hutunterseite aber nur noch ansatzweise Lamellen, weil sie vermutlich von Schnecken abgefressen wurden.

Invasion des Trockenrasen-Schwindlings
Das Untersuchungsgebiet wird im Westen durch einen Saum überwiegend aus Lavendel-Weiden (Salix eleagnos) begrenzt, wo mir im halbschattigen Rasen mehrere weiße Punkte auffielen. Es handelte sich dabei wahrscheinlich um die kleinen Hütchen des Trockenrasen-Schwindlings (Marasmius cf. anomalus). Der Pilz ist ein Saprobiont an alten Gras- und Krautstängeln sowie -blättern, wächst seltener auch an Holzresten. Wie der Name vermuten lässt, besiedelt er vor allem Trockenrasen, soll aber auch in Parks und auf Viehweiden vorkommen. Er ähnelt dem recht häufigen Halsband-Schwindling (Marasmius rotula), allerdings sind die Lamellen vor dem Stiel nicht ringartig in einem Kollar miteinander verwachsen sondern direkt am Stiel angeheftet. Sie standen entfernt zueinander, waren am Grund aderig verbunden und nicht mit kürzeren Lameletten untermischt. Der weißliche und im Zentrum bisweilen etwas ocker getönte Hut war bis zur Mitte mehr oder weniger deutlich faltig gefurcht. Die rotbraunen, glänzenden Stiele blassten zum Hutansatz hin weißlich aus, laut Ludwig (2001) verfärben sie sich bald von unten her schwärzlich. Auch wenn die mit bloßem Auge sichtbaren Merkmale der Fruchtkörper auf M. anomalus deuten: Eine mikroskopische Bestätigung steht noch aus. Das Augenmerk ist dabei auf die Zystiden der Lamellenfläche zu richten, die jeweils 1–3 plasmatische und mit Kongorot intensiv anfärbbare Einschlüsse beinhalten.

Trichter-Glöckling mit markantem Odeur
In der Gegenrichtung, nahe des östlichen Gebüschsaums, stieß ich zu meiner Freude auf einen Rötling. Es handelt sich um einen Vertreter aus der Untergattung Inocephalus: der Trichter-Glöckling (E. sericeoides). Die Art hatte ich erst ein paar Tage zuvor in Donauwörth im Garten meiner Schwester aufgespürt. Dort wuchs der Pilz im Rasen unter einer Sauerkirsche (Prunus cerasus). Er ist durch brüchige Fruchtkörper mit braunen bis grau-braunen Farben und bereits jung trichterartig vertieften Hüten gekennzeichnet. Das Fleisch riecht im Anschnitt entweder nach Salatgurke oder spermatisch. Der Trichter-Glöckling besiedelt vorwiegend relativ trockene, sonnige und grasige Standorte, haupsächlich auf basenreichen Böden über Kalk und gerne in Gesellschaft von Prunus-Arten. E. sericeoides ist laut Ludwig (2007) zwar weit verbreitet, aber selten. Das vollständige Porträt des Blätterpilzes steht unter „Pilzfunde“ parat.

Zwei kalkliebende Flechten
In der Nähe des Trichterglöcklings entdeckte ich noch eine Schildflechte. Die einzige Spezies ihrer Gattung, die die Arbeitsgemeinschaft „Flechtenflora Augsburg“ der Bayerischen Botanischen Gesellschaft (1996) auf Kalktrockenrasen wie z. B. in der Schießplatzheide nachweisen konnte, ist die Bereifte oder Rötliche Schildflechte (Peltigera rufescens). Womöglich handelt es sich in meinem Fall um die gleiche Art. Leider sind meine Kenntnisse in der Flechtenkunde nur rudimentär, sodass ich mich außerstande sehe, den Fund auf Artniveau zu bestimmen.

An einer anderen, vegetationsarmen Stelle entdeckte ich eine weitere Flechtenart, die ich den Rentier- und Becherflechten aus der Gattung Cladonia zuordnen konnte. Über einen Bildabgleich mit der Abbildung in Wirth & Dill 2000 benannte ich den Fund vorläufig als Falsche Rentierflechte (Cladonia cf. rangiformis). Sie bevorzugt Kalkböden und kann an besonnten und warmen Stellen in Halbtrockenrasen rasig auftreten. Die Strauchflechte besitzt fein gescheckte Stämmchen mit einzelnen, abstehenden Blättchen und geraden, gebräunten Spitzen. Echte Rentierflechten haben dagegen fast nur gekrümmte Astenden und nie Blättchen an den Stämmchen.
Auf Nachfrage per E-Mail wies der Flechtenkundler Mike Guwak auf die ähnlich aussehende Cladonia subrangiformis hin. Mangels eines makrochemischen Reagenzes konnte ich den Doppelgänger jedoch nicht ausschließen: Während C. rangiformis bei Kontakt mit Para-Phenylendiamin verfärbt, zeigt C. subrangiformis keine Farbreaktion. Inzwischen bestätigte der erfahrene Lichenologe Ulrich Kirschbaum, u. a. einer der beiden Autoren des empfehlenswerten Bestimmungsführers „Flechten einfach bestimmen“ (ISBN 978-3-494-01538-5), meine Einschätzung, dass es sich bei meinem Fund um die Falsche Rentierflechte handelt. Beiden Experten gilt mein Dank für ihre Bestimmungshilfe.

Als es nach dem Sonnenuntergang für die Makrofotografie zu dunkel wurde, versuchte ich noch, das stimmungsvolle Abendrot einzufangen. Kurz danach packte ich meine Siebensachen zsammen und schwang mich aufs Rad zur Heimfahrt.

 

Literatur

  • Aichele, D. & H.-W. Schwegler (2004a): Die Blütenpflanzen Mitteleuropas, Bd. 3. Rosenähnliche (Nachtkerzengewächse – Doldengewächse) – Dillenienähnliche – Lippenblütlerähnliche (Holundergewächse – Rötegewächse. Kosmos, Stuttgart: 155–156.
  • Aichele, D. & H.-W. Schwegler (2004a): Die Blütenpflanzen Mitteleuropas, Bd. 3. Einkeimblättrige: Froschlöffelähnliche – Lilienähnliche – Palmenähnliche. Kosmos, Stuttgart: 384–385.
  • Arbeitsgemeinschaft „Flechtenflora Augsburg“ (1996): Flechtenflora von Augsburg und Umgebung. Ber. Bay. Bot. Ges. 66/67: 97–113. (PDF; 1,53 MB)
  • Ludwig, E. (2001): Pilzkompendium (Beschreibungen), Bd. 1. Die kleineren Gattungen der Makromyzeten mit lamelligem Hymenophor aus den Ordnungen Agaricales, Boletales und Polyporales. IHW-Verlag, Eching: 374−375.
  • Ludwig, E. (2007): Pilzkompendium (Beschreibungen), Bd. 2. Die größeren Gattungen der Agaricales mit farbigem Sporenpulver (ausgenommen Cortinariaceae). Fungicon, Berlin: 382−383.
  • Wirth, V. & R. Dill (2000): Farbatlas Flechten und Moose. Eugen Ulmer, Stuttgart: 51.
  • Wirth, V. & U. Kirschbaum (2013): Flechten einfach bestimmen: Ein zuverlässiger Führer zu den häufigsten Arten Mitteleuropas. Quelle & Meyer, Wiebelsheim: 318.

 

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