• Kiefer_beim_Entasten_2013-10-26Entasten einer gefällten Kiefer
  • Koenigsbrunner_Heide_Auslichtung_2013-10-26_1Auslichtung, Blick zur Kernheide
  • Koenigsbrunner_Heide_Auslichtung_2013-10-26_2Bereich nahe der Hasenheide
  • Entoloma_sp_2013-10-26_1Ein dünnstieliger Rötling mit...
  • Entoloma_sp_2013-10-26_2...braunen Farben ohne Blautöne
  • Entoloma_subg_Pouzarella_sp_2013-10-26_1Einer der Haar-Rötlinge aus...
  • Entoloma_subg_Pouzarella_sp_2013-10-26_2...der Untergattung Pouzarella
  • cf_Ramariopsis_crocea_2013-10-26Safrangelbe Wiesenkoralle?
  • Equus_ferus_przewalskii_2013-10-26Przewalski-Pferde beim Grasen

Zur Mittagszeit erreichte ich am Samstag die Königsbrunner Heide. Die sonnige Witterung bei Temperaturen um die 25 Grad Celsius kam vor allem den freiwilligen Helferinnen und Helfern zugute, die dort unter der Anleitung von Nicolas Liebig, den Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands Stadt Augsburg e. V., und Norbert Pantel, den hiesigen Gebietsbetreuer, die Heide pflegten. Sie hatten bei meinem Eintreffen bereits eine beachtliche Fläche gemäht, auf dem der Wiesenknopf vorkommt – die Futterpflanze der Raupen des Wiesenknopf-Ameisenbläulings. Laut Auskunft des LPV wird die Stelle bei der Heidemahd im August immer ausgespart, damit sich die Raupen des Schmetterlings entwickeln können.

Pflegemaßnahmen in der Kernheide
Nach einer Brotzeit wechselten die engagierten Naturfreunde zum Ostrand der Heide. Auf dem Weg dorthin wurde ich noch zu einem imposanten Hexenring des Violetten Rötelritterlings (Lepista nuda) geführt, der rings um eine Solitärkiefer wuchs. Am Zielort angelangt, schufen die Landschaftspflegerinnen und -pfleger noch ein Durchbruch zum Rothirschgehege, indem sie Faulbäume und andere Sträucher entfernten. Zum Schluss der Pflegemaßnahmen fällte Herr Liebig noch fachmännisch eine Kiefer. An einem der Äste konnte ich ein paar eingetrocknete Fruchtkörper des Kiefern-Zystidenrindenpilzes (Peniphora pini) ausmachen, mehr aber auch nicht.

Einzelner, unbekannter Zärtling
Deshalb verlagerte ich meinen Standort in die Auslichtung zwischen Kern- und Hasenheide, um auf dem westlich gelegenen Teilstück der gemähten Magerwiese Pilze aufzuspüren. Den Anfang machte ein einzelner dünnstieliger Rötling mit tristen, braun-grauen Farben und deutlich durchscheinend gerieftem Hut. Ob er zur Untergattung der Zärtlinge (Entoloma subg. Leptonia sp.) oder Glöcklinge (E. subg. Nolanea sp.) zählt, wird eine mikroskopische Untersuchung ergeben. Erstere Gruppe ist durch lichtbrechende Körnchen (brillant granules) in den Pilzfäden gekennzeichnet.

Neu fürs Kartierungsgebiet: ein Haar-Rötling
Der zweite Rötling war ebenfalls ein Einzelexemplar, ließ sich aber bereits im Feld den Haar-Rötlingen (E. subg. Pouzarella) zuordnen. Zur Artabgrenzung ist auch hier das Lichtmikroskop erforderlich. Entscheidend neben den Sporenmaßen sind vor allem die Haare auf dem Hut und dem Stiel: septiert oder ohne Querwände, braun pigmentiert oder nicht. (Gröger 2006, Ludwig 2007) Unabhängig von der Bestimmung handelt es sich um einen Erstfund fürs Kartierungsgebiet.

Gelbe, geruchlose Mini-Koralle – ebenso neu
Unmittelbar in der Nähe versteckte sich noch unter einer Blattrosette ein kleiner, gelber und korallenartiger Fruchtkörper, dessen Enden gegabelt waren. Meine erste Idee war die Geweihförmige Wiesenkoralle (Clavulinopsis corniculata), die ich bereits in der benachbarten Hasenheide nachweisen konnte. Das Fleisch roch aber nicht nach Mehl bzw. Salatgurke, weshalb auch die Safrangelbe Wiesenkoralle (Ramariopsis crocea) infrage käme. Letztlich ist auch in diesem Fall zur Differenzierung eine mikroskopische Untersuchung erforderlich: C. corniculata hat glatte und R. crocea fein-stachelige Sporen. (Jülich 1984)

Alle Funde wurden getrocknet und eingetütet – es bleibt spannend. Abschließend schaute ich noch zur Hasenheide, um die Przewalski-Pferde zu fotografieren. Seit dem Herbst 2012 wird das Areal während des Winters von den Wildpferden beweidet. Schließlich schwang ich mich aufs Rad und machte mich zufrieden auf den Heimweg.

 

Literatur

  • Gröger, F. (2006): Bestimmungsschlüssel für Blätterpilze und Röhrlinge in Europa. Teil I. Regensb. Mykol. Schr. 13.
  • Jülich, W. (1984): Die Nichtblätterpilze, Gallertpilze und Bauchpilze. Kleine Kryptogamenflora, Bd. II b/1. Gustav Fischer, Jena.
  • Ludwig, E. (2007): Pilzkompendium, Bd. 2. Beschreibungen. Fungicon, Berlin.

 

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