• Firnhaberauheide_Habitat_2013-05-25Trockenrasen südl. der Autobahn
  • Euphorbia_cyparissias_2013-05-27Zypressen-Wolfsmilch
  • Briza_media_2013-05-27Rispe des Mittleren Zittergrases
  • Hygrocybe_acutoconica_2013-05-27Safrangelber Saftling
  • Marasmius_cf_anomalus_2013-05-27_1Weiße Tupfen im Rasen
  • Marasmius_cf_anomalus_2013-05-27_2Trockenrasen-Schwindling
  • Marasmius_cf_anomalus_2013-05-27_3Entfernt stehende Lamellen
  • Entoloma_sericeoides_2013-05-27Trichter-Glöckling
  • Cladonia_cf_rangiformis_2013-05-27Falsche Rentierflechte
  • Peltigera_cf_rufescens_2013-05-27Bereifte/Rötliche Schildflechte?
  • Abenddaemmerung_2013-05-27Abenddämmerung

Bei Temperaturen um die 20 Grad Celsius und nach einigen Regenschauern die Tage zuvor radelte ich in die Firnhaberauheide im Norden Augsburgs in der Hoffnung, ein paar Pilze zu finden. Mein Ziel war ein Teilbereich mit lückiger Vegetation und kiesigen Ruderalbereichen, das an die Schallschutzwand vor der Autobahn Stuttgart – München angrenzt.

Markant waren die gelbgrünen bis rötlichen Blütenstände der auf den Heideflächen häufigen Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias). Der Name leitet sich von den nichtblühenden Trieben ab, die durch ihr tannenwedelartiges Aussehen an Zypressen (Cupressus sp.) erinnern. Die Pflanze ist giftig, der Hautkontakt mit dem bei Verletzung austretenden weißen Milchsaft sollte unbedingt vermieden werden, weil sich sonst schmerzhafte Blasen bilden können. Im Auge verursacht er Verätzungen, die fachärztlich behandelt werden müssen. (Aichele & Schwegler 2004)

Weniger auffällig ist das Mittlere Zittergras (Briza media) mit seinen locker ausgebreiteten, pyramidenförmigen Rispen und langen, dünnen Rispenästen. Die hängenden, rundlichen bis herzförmigen Ährchen sind häufig rot-violett überlaufen und bewegen sich bereits beim leisesten Lufthauch. Das Süßgras ist eine typische Pflanzenart auf mageren Wiesen und Weiden. (Aichele & Schwegler 2004)

Ein Saftling zum Auftakt
Gleich eingangs wurde ich von einem einzelnen Safrangelben Saftling (Hygrocybe acutoconica) begrüßt. Der farbenprächtige Pilz steht wie alle seine Gattungsvertreter in Deutschland unter Naturschutz. Die kalkliebende Art ist auf den Schotterheiden um Augsburg und München zusammen mit dem Schwärzenden Saftling (H. conica) die am häufigste vorkommende Spezies ihrer Gattung. Das fotografierte Exemplar zeigt auf der Hutunterseite aber nur noch ansatzweise Lamellen, weil sie vermutlich von Schnecken abgefressen wurden.

Invasion des Trockenrasen-Schwindlings
Das Untersuchungsgebiet wird im Westen durch einen Saum überwiegend aus Lavendel-Weiden (Salix eleagnos) begrenzt, wo mir im halbschattigen Rasen mehrere weiße Punkte auffielen. Es handelte sich dabei wahrscheinlich um die kleinen Hütchen des Trockenrasen-Schwindlings (Marasmius cf. anomalus). Der Pilz ist ein Saprobiont an alten Gras- und Krautstängeln sowie -blättern, wächst seltener auch an Holzresten. Wie der Name vermuten lässt, besiedelt er vor allem Trockenrasen, soll aber auch in Parks und auf Viehweiden vorkommen. Er ähnelt dem recht häufigen Halsband-Schwindling (Marasmius rotula), allerdings sind die Lamellen vor dem Stiel nicht ringartig in einem Kollar miteinander verwachsen sondern direkt am Stiel angeheftet. Sie standen entfernt zueinander, waren am Grund aderig verbunden und nicht mit kürzeren Lameletten untermischt. Der weißliche und im Zentrum bisweilen etwas ocker getönte Hut war bis zur Mitte mehr oder weniger deutlich faltig gefurcht. Die rotbraunen, glänzenden Stiele blassten zum Hutansatz hin weißlich aus, laut Ludwig (2001) verfärben sie sich bald von unten her schwärzlich. Auch wenn die mit bloßem Auge sichtbaren Merkmale der Fruchtkörper auf M. anomalus deuten: Eine mikroskopische Bestätigung steht noch aus. Das Augenmerk ist dabei auf die Zystiden der Lamellenfläche zu richten, die jeweils 1–3 plasmatische und mit Kongorot intensiv anfärbbare Einschlüsse beinhalten.

Trichter-Glöckling mit markantem Odeur
In der Gegenrichtung, nahe des östlichen Gebüschsaums, stieß ich zu meiner Freude auf einen Rötling. Es handelt sich um einen Vertreter aus der Untergattung Inocephalus: der Trichter-Glöckling (E. sericeoides). Die Art hatte ich erst ein paar Tage zuvor in Donauwörth im Garten meiner Schwester aufgespürt. Dort wuchs der Pilz im Rasen unter einer Sauerkirsche (Prunus cerasus). Er ist durch brüchige Fruchtkörper mit braunen bis grau-braunen Farben und bereits jung trichterartig vertieften Hüten gekennzeichnet. Das Fleisch riecht im Anschnitt entweder nach Salatgurke oder spermatisch. Der Trichter-Glöckling besiedelt vorwiegend relativ trockene, sonnige und grasige Standorte, haupsächlich auf basenreichen Böden über Kalk und gerne in Gesellschaft von Prunus-Arten. E. sericeoides ist laut Ludwig (2007) zwar weit verbreitet, aber selten. Das vollständige Porträt des Blätterpilzes steht unter „Pilzfunde“ parat.

Zwei kalkliebende Flechten
In der Nähe des Trichterglöcklings entdeckte ich noch eine Schildflechte. Die einzige Spezies ihrer Gattung, die die Arbeitsgemeinschaft „Flechtenflora Augsburg“ der Bayerischen Botanischen Gesellschaft (1996) auf Kalktrockenrasen wie z. B. in der Schießplatzheide nachweisen konnte, ist die Bereifte oder Rötliche Schildflechte (Peltigera rufescens). Womöglich handelt es sich in meinem Fall um die gleiche Art. Leider sind meine Kenntnisse in der Flechtenkunde nur rudimentär, sodass ich mich außerstande sehe, den Fund auf Artniveau zu bestimmen.

An einer anderen, vegetationsarmen Stelle entdeckte ich eine weitere Flechtenart, die ich den Rentier- und Becherflechten aus der Gattung Cladonia zuordnen konnte. Über einen Bildabgleich mit der Abbildung in Wirth & Dill 2000 benannte ich den Fund vorläufig als Falsche Rentierflechte (Cladonia cf. rangiformis). Sie bevorzugt Kalkböden und kann an besonnten und warmen Stellen in Halbtrockenrasen rasig auftreten. Die Strauchflechte besitzt fein gescheckte Stämmchen mit einzelnen, abstehenden Blättchen und geraden, gebräunten Spitzen. Echte Rentierflechten haben dagegen fast nur gekrümmte Astenden und nie Blättchen an den Stämmchen.
Auf Nachfrage per E-Mail wies der Flechtenkundler Mike Guwak auf die ähnlich aussehende Cladonia subrangiformis hin. Mangels eines makrochemischen Reagenzes konnte ich den Doppelgänger jedoch nicht ausschließen: Während C. rangiformis bei Kontakt mit Para-Phenylendiamin verfärbt, zeigt C. subrangiformis keine Farbreaktion. Inzwischen bestätigte der erfahrene Lichenologe Ulrich Kirschbaum, u. a. einer der beiden Autoren des empfehlenswerten Bestimmungsführers „Flechten einfach bestimmen“ (ISBN 978-3-494-01538-5), meine Einschätzung, dass es sich bei meinem Fund um die Falsche Rentierflechte handelt. Beiden Experten gilt mein Dank für ihre Bestimmungshilfe.

Als es nach dem Sonnenuntergang für die Makrofotografie zu dunkel wurde, versuchte ich noch, das stimmungsvolle Abendrot einzufangen. Kurz danach packte ich meine Siebensachen zsammen und schwang mich aufs Rad zur Heimfahrt.

 

Literatur

  • Aichele, D. & H.-W. Schwegler (2004a): Die Blütenpflanzen Mitteleuropas, Bd. 3. Rosenähnliche (Nachtkerzengewächse – Doldengewächse) – Dillenienähnliche – Lippenblütlerähnliche (Holundergewächse – Rötegewächse. Kosmos, Stuttgart: 155–156.
  • Aichele, D. & H.-W. Schwegler (2004a): Die Blütenpflanzen Mitteleuropas, Bd. 3. Einkeimblättrige: Froschlöffelähnliche – Lilienähnliche – Palmenähnliche. Kosmos, Stuttgart: 384–385.
  • Arbeitsgemeinschaft „Flechtenflora Augsburg“ (1996): Flechtenflora von Augsburg und Umgebung. Ber. Bay. Bot. Ges. 66/67: 97–113. (PDF; 1,53 MB)
  • Ludwig, E. (2001): Pilzkompendium (Beschreibungen), Bd. 1. Die kleineren Gattungen der Makromyzeten mit lamelligem Hymenophor aus den Ordnungen Agaricales, Boletales und Polyporales. IHW-Verlag, Eching: 374−375.
  • Ludwig, E. (2007): Pilzkompendium (Beschreibungen), Bd. 2. Die größeren Gattungen der Agaricales mit farbigem Sporenpulver (ausgenommen Cortinariaceae). Fungicon, Berlin: 382−383.
  • Wirth, V. & R. Dill (2000): Farbatlas Flechten und Moose. Eugen Ulmer, Stuttgart: 51.
  • Wirth, V. & U. Kirschbaum (2013): Flechten einfach bestimmen: Ein zuverlässiger Führer zu den häufigsten Arten Mitteleuropas. Quelle & Meyer, Wiebelsheim: 318.

 

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