2014

  • cf_Clavulina_cinerea_2014-09-24_1Junge und helle Fruchtkörper
  • cf_Clavulina_cinerea_2014-09-24_2...mit Falscher Rentierflechte
  • cf_Clavulina_cinerea_2014-09-24_3Ausgewachsenes Exemplar
  • cf_Clavulina_cinerea_2014-09-24_4Astenden mit dunklen Spitzen
  • cf_Clavulina_cinerea_2014-09-24_5Frk. seitlich und von oben
  • cf_Clavulina_cinerea_2014-09-24_6Habitat Trockenrasen auf Kalk

Funddaten

Kollektion: einige Fruchtkörper   Bestimmung: Clavulina cinerea (Bulliard 1791 : Fries 1821) J. Schröter 1889   Funddatum: 24.9.2014   Fundort: D − BY − Schwaben − Augsburg-Firnhaberau − Firnhaberauheide, nördlicher Teil   Messtischblatt: 7531/3.4.1   Höhe über NN: 463 m   Ökologie: Kalkhalbtrockenrasen mit Übergang zum Trockenrasen, sonnig exponierter Standort; im Windschatten einer Berberitze (Berberis vulgaris) in der niederen Krautschicht aus Falscher Rentierflechte (Cladonia rangiformis), Wilder Möhre (Daucus carota subsp. carota), Echtem Labkraut (Galium verum), Gelbem Sonnenröschen (Helianthemum nummularium), Gewöhnlichem Hufeisenklee (Hippocrepis comosa) und einem Fingerkraut (Potentilla sp.)

Merkmale

Fruchtkörper: 3−5 cm hoch, 1,5−5 cm breit, häufig ohne ausgeprägten Strunk, falls vorhanden bis zu 2 cm lang und 1,3 cm breit, Äste bis zu 1 cm dick, zylindrisch bis etwas abgeflacht, leicht gewellt bis stark geschlängelt, teils ineinander verschraubt, glatt, im Alter bisweilen mit Längsrillen und allenfalls schwach ausgeprägten Runzeln, Enden mit vielen kurzen und spitzen Fortsätzen (cristat), Basis schmutzig weißlich, stärkere Äste grau mit violettem Reflex und fein weiß bereift (Sporenpulver?), dünnere Äste schmutzig fleischrosa, Spitzen oft kontrastierend dunkelbraun eingetrocknet

Sporenpulver: kein Abwurfpräparat angefertigt

Fleisch: relativ biegsam, nicht so starr und brüchig wie bei Korallen (Ramaria sp.), wässrig weißlich

Geruch: unspezifisch, im Schnitt unangenehm chemisch

Literatur

  • Jülich, W. (1984): Die Nichtblätterpilze, Gallertpilze und Bauchpilze. Kleine Kryptogamenflora, Bd. IIb/1. Basidiomyceten, 1. Teil. Gustav Fischer, Stuttgart/New York: 93.
  • Krieglsteiner, G. J. et al. (2000): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 2. Ständerpilze: Leisten-, Keulen-, Korallen- und Stoppelpilze, Bauchpilze, Röhrlings- und Täublingsartige. Eugen Ulmer, Stuttgart: 53−54.
  • Michael, E., B. Hennig & H. Kreisel (1986): Handbuch für Pilzfreunde, Bd. 2. Nichtblätterpilze (Basidiomyzeten ohne Blätter, Askomyzeten) 3. Aufl. VEB Gustav Fischer, Jena: 308.
  • Tremellodendropsis_tuberosa_2014-08-23_1Fruchtkörper korallenartig
  • Tremellodendropsis_tuberosa_2014-08-23_2...mit abgeplatteten Spitzen
  • Tremellodendropsis_tuberosa_2014-09-24_1Jüngere, bräunliche Exemplare
  • Tremellodendropsis_tuberosa_2014-09-24_2Habitat Kalkhalbtrockenrasen

Funddaten

Kollektion: 4 Fruchtkörper   Bestimmung: cf. Tremellodendropsis tuberosa (Greville 1825 : Fries 1828) D.A. Crawford 1954   Funddatum: 23.8.2014   Fundort: D − BY − Schwaben − Augsburg-Firnhaberau − Firnhaberauheide, südlicher Teil, nahe der Lärmschutzwand an der Autobahn   Messtischblatt: 7531/3.4.1   Höhe über NN: 463 m   Ökologie: initialer Trockenrasen auf Kalkschotter mit lückiger, kurzer Vegetation, in einem Kissen aus Echtem Tannen-Thujamoos (Abietinella abietina); sonnig exponierter Standort, vergesellschaftet mit dem Exzentrischen oder Marmorierten Rötling (Entoloma excentricum)

Merkmale

Habitus: korallenartig

Fruchtkörper: 3 cm hoch, Strunk 6−10 mm lang, 1−4 mm dick, dichotom verzweigt, Enden selten zugespitzt sondern überwiegend abgeplattet und bis zu 4 mm breit, schmutzig weißlich

Fleisch: dünn, weißlich

Geruch: unspezifisch, ebenso im Anschnitt

Anmerkungen

Erstnachweis in Bayern

Den Erstnachweis von Tremellodendropsis tuberosa in Bayern hatte Dr. Lothar Krieglsteiner in seiner Dissertation (1999) publiziert – an dieser Stelle besten Dank an den Autor für die Übersendung eines Literaturauszugs mit detailierten Hinweisen zu den Pflanzengesellschaften.

Namen

L. Krieglsteiner verwendet in der Überschrift seines Artporträts prominent das Epitheton tuberosum, im Fließtext gebraucht er hingegen tuberosa. Laut Eric Strittmatter (E-Mail vom 10.12.2012) ist das Suffix -opsis immer feminin, weshalb der zweite Bestandteil des wissenschaftlichen Namens tuberosa lauten muss. Es könnte sich demnach schlicht um einen Verschreiber handeln, der dann in Krieglsteiner & Kaiser 2000 in dem Hinweis gipfelte, bei tuberosa würde es sich um eine inkorrekte Schreibweise handeln.

Die Beschreibung bezieht sich auf die Bilder 1–2. Das dritte Foto stammt von einer anderen Kollektion (24.9.2014) vom selben Fundort und soll die Variabilität dieser Art verdeutlichen.

Literatur

  • Schild, E. (1970/71): Tremellodendropsis tuberosa (Grev.) Crawford var. helvetica var. nov. In: Jahn, H. (Hrsg.): Westf. Pilzbr. 8: 191–194.
  • Wells, K. et al. (2004): Observations on some species of Myxarium and reconsideration of the Auriculariaceae and Hyaloriaceae (Auriculariales). In: Agerer, R. et al. (Hrsg.): Frontiers in Basidiomycote Mycology. IHW-Verlag, Eching: 237–248.

  • Jülich, W. (1984): Die Nichtblätterpilze, Gallertpilze und Bauchpilze. Basidiomyceten 1. Teil: Aphyllophorales, Heterobasidiomycetes, Gastromycetes. Kleine Kryptogamenflora, Bd. IIb/1. Gustav Fischer, Stuttgart/New York: 626.

  • Krieglsteiner, G. J. & A. Kaiser (2000): Allgemeiner Teil. Ständerpilze: Gallert-, Rinden-, Stachel und Porenpilze. In: G. J. Krieglsteiner (Hrsg.): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 1. Eugen Ulmer, Stuttgart: 127–128.

  • Krieglsteiner, L. (1999): T. tuberosum. Pilze im Naturraum Mainfränkische Platten und ihre Einbindung in die Vegetation. Regensb. Mykol. Schr. 9.
  • Davis, R. M. (2012): Field Guide to Mushrooms of Western North America. University of California Press, Berkeley and Los Angeles: 302–303.

  • Craterellus_melanoxeros_2014-09-26_1Fruchtkörper oliv-gelblich
  • Craterellus_melanoxeros_2014-09-26_2Leisten im Alter deutlich genetzt
  • Craterellus_melanoxeros_2014-09-26_3Hutunterseite grau-violettlich
  • Craterellus_melanoxeros_2014-09-26_4Stielbasen gerne büschelig
  • Craterellus_melanoxeros_2014-09-26_5Fleisch im Anschnitt grauend
  • Craterellus_melanoxeros_2014-10-08Ältere Exemplare
  • Craterellus_melanoxeros_2014-09-26_6Fundstelle bei Eiche, Hainbuche
  • Craterellus_melanoxeros_2014-09-26_7Habitat: lichter Laubmischwald

Funddaten

Kollektion: 15 Fruchtkörper   Bestimmung: Craterellus melanoxeros (Desmazières 1830) Pérez-de-Gregorio 2000   Funddatum: 26.9. + 8.10.2014   Fundort: D − BY − Schwaben − Lkr. Donau-Ries − Donauwörth-Riedlingen − Riedlinger Holz   Messtischblatt: 7230/3.4.3   Höhe über NN: 503 m   Ökologie: lichter Buchen-Eichen-Hainbuchenwald auf Kalkboden   Begleitfunga: Grüngelbes Gallertkäppchen (Leotia lubrica), Gemeiner Schwefelritterling (Tricholoma sulphureum)

Merkmale

Hut: 9−52 x 8−42 mm breit, 2−33 mm hoch, unförmig, nie kreisrund, Rand herabgebogen und bisweilen eingeschnitten, auch geschlitzt, bald gewellt, im Alter niedergedrückt bis trichterartig vertieft mit flatterigem Rand, Hutdeckschicht faser-filzig, gerne mit runzeligen und teils mit Leisten bedeckten Verwachsungen, Hüte zweier Exemplare miteinander verwachsen, ocker, später ocker-braun

Leisten: bei jungen Exemplaren schwach ausgeprägt, fein aderig-runzelig, im Alter deutlich erhaben, mit vielen kleineren Queradern netzartig verbunden, nach unten feinmaschiger und allmählich in die glatte Stieloberfläche übergehend, Hymenium grau ohne freudige Violetttöne

Sporenpulver: kein Abwurfpräparat angefertigt

Stiel: 14−51 mm lang, 4−18 x 3−10 mm dick, basal oft etwas verdickt und mit bis zu fünf weiteren Exemplaren verwachsen, nicht zylindrisch sondern unförmig und gerne abgerundet-kantig, teils gewunden, geschwungen bis s-förmig gewellt, glatt, matt, ocker bis zitronengelb, Basis weißlich ausblassend

Fleisch: nahtlos vom Stiel in den Hut übergehend, weiß, basal schmutzig weißlich, Schnittflächen nach einigen Minuten grauend, Druckstellen nach einigen Stunden schwärzend, mit bis zu 0,5 mm dicker und ockerfarbener Wandung

Geruch: fruchtig mirabellenartig mit säuerlich-unangenehmer Komponente

Anmerkungen

Artabgrenzung

Die Schwärzende Kraterelle (C. melanoxeros) unterscheidet sich von der ähnlich aussehenden Violettgelben Kraterelle (C. ianthinoxanthus) durch düsterere Farben mit oliven und grauen Beitönen, das Schwärzen der Fruchtkörper im Alter sowie das grauende Fleisch bei Luftkontakt. Darüber hinaus beschreiben Neville & Alpago-Novello (1998) in ihrem Aufsatz über beide Taxa unterschiedliche Farbreaktionen bei Kontakt des Fleischs mit 2-prozentigem Phenol: Während C. melanoxeros rasch grau und dann allmählich rußschwarz verfärbt, beobachteten die Mykologen bei C. ianthinoxantus zunächst eine rosa-braune Verfärbung, die in weniger als einer Stunde schokoladenbraun umschlägt. Mangels Phenol konnte ich die Farbreaktion leider nicht verifizieren.

Literatur

  • Bon, M. (2005): Pareys Buch der Pilze. 1. Aufl. Kosmos, Stuttgart: 306.
  • Jülich, W. (1984): Die Nichtblätterpilze, Gallertpilze und Bauchpilze. Kleine Kryptogamenflora, Bd. IIb/1. Basidiomyceten, 1. Teil. Gustav Fischer, Stuttgart/New York: 62−63.
  • Krieglsteiner, G. J. et al. (2000): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 2. Ständerpilze: Leisten-, Keulen-, Korallen- und Stoppelpilze, Bauchpilze, Röhrlings- und Täublingsartige. Eugen Ulmer, Stuttgart: 15−17.
  • Neville, P. & L. Alpago-Novello (1998): Two often and wrongly confused taxa, Cantharellus melanoxeros and C. ianthinoxanthus. Bull. Soc. mycol. Fr. 114(4): 1−28.
  • Entoloma_excentricum_2014-08-23_01Fünf Exemplare der Kollektion
  • Entoloma_excentricum_2014-08-23_02Hüte teils mit Wasserflecken
  • Entoloma_excentricum_2014-08-23_03Lamellen dünn und bauchig

Funddaten

Kollektion: 9 Fruchtkörper   Bestimmung: Entoloma excentricum Bresadola 1881   Funddatum: 23.8.2014   Fundort: D − BY − Schwaben − Augsburg-Firnhaberau − Firnhaberauheide, südlicher Teil, nahe der Lärmschutzwand an der Autobahn   Messtischblatt: 7531/3.4.1   Höhe über NN: 463 m   Ökologie: initialer Trockenrasen auf Kalkschotter mit lückiger, kurzer Vegetation, in einem Kissen aus Echtem Tannen-Thujamoos (Abietinella abietina); sonnig exponierter Standort, vergesellschaftet mit dem Weißlichen Keulengallertpilz (Tremellodendropsis tuberosa)

Merkmale

Habitus: ritterlingsartig (tricholomatoid)

Hut: 17−42 mm breit, gewölbt, gerne stumpf gebuckelt, selten abgeflacht, Rand lange umgebogen und ungerieft, Huthaut die Lamellen überragend, Oberfläche matt glänzend, schmutzig hellgrau, bisweilen mit konzentrisch angeordneten und bis zu 3 mm großen Wasserflecken

Lamellen: gerade bis überwiegend angewachsen, bauchig, dünn, mit Lameletten untermischt, hellgrau, bei Sporenreife rosa getönt, Schneiden glatt und wie die Flächen gefärbt

Sporenpulver: kein Abwurfpräparat angefertigt

Stiel: 30−45 mm lang, 4−7 mm dick, basal bis zu 8 mm knollig verdickt, gerade bis geschwungen, schmutzig hellgrau, matt

Fleisch: Hut- nahtlos ins Stielfleisch übergehend; im Hut bis zu 6 mm dick, weiß; im Stiel längsfaserig, im Alter apikal oder komplett hohl, weiß, bisweilen etwas hellgrau

Geruch: unspezifisch, auch im Anschnitt

Anmerkungen

Artabgrenzung

Der ähnlich aussehende Wurzelnde Rötling (E. pallideradicatum) aus der Nolanea-Claudopus-Klade (Noordeloos 2009) besitzt vergleichbar lange (~300 µm) Trama-Elemente, aber im Gegensatz zum Exzentrischen Rötling aus der Inocephalus-Cyanula-Klade ungeschnäbelte Cheilo-Zystiden. (Gröger 2006) Außerdem führt Ludwig (2007) in seinem Pilzkompendium noch E. eximium als kaum unterscheidbaren Doppelgänger an, das weder Zystiden noch Schnallen im Hymenium aufweist. Andere Arten mit ähnlichen Fruchtkörpern aus der Untergattung Entoloma haben kürzere Tramahyphen.

Zu den Kaulo-Zystiden von E. excentricum schreiben Senn-Irlet & Woltsche (2002), dass diese nicht nur bei der dunkelhütigen Varietät porphyrocephalum sondern auch bei anderen Farbausprägungen der Art vorkommen. Die Autoren weisen darauf hin, dass die dünnwandigen Elemente beim Trocknen leicht kollabieren und dann nur noch schwer zu erkennen sind.

Literatur

  • Entoloma-serrulatum_2014-09-02_1Gruppenfoto der Kollektion
  • Entoloma-serrulatum_2014-09-02_2Lamellen mit gefärbten Schneiden

Funddaten

Kollektion: 10 Fruchtkörper   Bestimmung: Entoloma serrulatum (Fries 1818 : Fries 1821) Hesler 1967   Finderin: Waltraud Kunze   Funddatum: 2.9.2014   Fundort: D − BY − Schwaben − Augsburg-Firnhaberau − Firnhaberauheide, nördlicher Teil   Messtischblatt: 7531/3.4.1   Höhe über NN: 463 m   Ökologie: Kalkhalbtrockenrasen, sonnig exponierter Standort; in der niederen Krautschicht, vergesellschaftet u. a. mit Gelbem Sonnenröschen (Helianthemum nummularium), Wilder Möhre (Daucus carota subsp. carota) und Hopfenklee (Medicago lupulina)   Begleitfunga: Tiefgenabelter Glöckling (Entoloma cf. fridolfingense)

Merkmale

Habitus: nabelingsartig (omphalinoid)

Hut: 10−30 mm breit, 3−8 mm hoch, gewölbt, zentral abgeflacht, bald leicht vertieft, zuletzt genabelt, Rand ungerieft und nach unten gebogen, im Alter nach oben gewölbt, teils mit Knick aufgefaltet und scharfrandig, Huthaut fein faser-filzig, schwarz-blau

Lamellen: jung breit und später ausgebuchtet am Stiel angewachsen, zunächst ± gerade, bald schon ausgeprägt bauchig, ungegabelt, mit Lameletten untermischt, dünn, gedrängt, Lamellenfläche blass bläulich und bei Sporenreife zunehmend rosa-bräunlich gefärbt, Schneiden unregelmäßig fein gekerbt und zumindest nahe des Hutrands dunkelblau pigmentiert

Sporenpulver: rosa-bräunlich

Stiel: 25−55 mm lang, 2−3 mm dick, gerade bis geschwungen, zylindrisch, apikal und basal etwas erweitert, Oberfläche matt und nicht poliert, bläulich-grau, unteres Stielende etwas blasser und weißfilzig bekleidet

Fleisch: weiß; im Hut bis zu 1 mm dick, zum Rand hin ausdünnend; im Stiel längsfaserig, hohl

Geruch: unspezifisch

Literatur und Weblinks

  • Entoloma_cf_fridolfingense_2014-09-02_01Fund vom 2.9.2014
  • Entoloma_cf_fridolfingense_2014-09-02_02Wuchs bei einem Weidenbusch

Funddaten

Kollektion: 4 Fruchtkörper   Finderin: Waltraud Kunze   Bestimmung: Entoloma cf. fridolfingense Noordeloos & Lohmeyer 1995   Funddatum: 2.9.2014   Fundort: D − BY − Schwaben − Augsburg-Firnhaberau − Firnhaberauheide, nördlicher Teil   Messtischblatt: 7531/3.4.1   Höhe über NN: 463 m   Ökologie: Kalkhalbtrockenrasen, sonnig exponierter Standort; nahe einer solitär stehenden Hänge-Birke (Betula pendula) in der niederen Krautschicht, vergesellschaftet u. a. mit Gelbem Sonnenröschen (Helianthemum nummularium), Wilder Möhre (Daucus carota subsp. carota) und Hopfenklee (Medicago lupulina)   Begleitfunga: Gesägtblättriger Zärtling (Entoloma serrulatum)

Merkmale

Habitus: nabelingsartig (omphalinoid)

Hut: 25−35 mm breit, 3−4 mm hoch, genabelt, 1/2 des Radius' durchscheinend gerieft, Oberfläche augenscheinlich glatt, unter der 10x-Lupe fein radialrunzelig, matt glänzend, Huthaut am Rand im Alter kurz eingerissen und im Zentrum bisweilen rissig

Lamellen: ausgebuchtet angewachsen, bauchig, dünn, teils gewellt, mit Lameletten untermischt, ungegabelt, blass rosa-bräunlich, Schneiden glatt und wie die Flächen gefärbt

Sporenpulver: kein Abwurfpräparat angefertigt

Stiel: 15−20 mm lang, 2−2,5 x 6 mm dick, zylindrisch, bisweilen mit Mittelfurche, basal knollig verdickt und weißfilzig bekleidet, glatt, matt, grau-braun, zum Hutansatz und unteren Stielende blasser

Fleisch: Hut- nahtlos ins Stielfleisch übergehend; im Hut bis zu 1 mm dick, wässrig-grau; im Stiel längsfaserig, hohl, ebenso wässrig-grau gefärbt, basal schmutzig weißlich ausblassend

Geruch: unspezifisch, im Anschnitt deutlich mehlartig bzw. nach angeschnittener Salatgurke

Literatur

  • Entoloma_cf_ochreoprunuloides_2013-05-30_01Fund aus 5/2013
  • Entoloma_cf_ochreoprunuloides_2013-05-30_02Huthaut überhäutet wirkend
  • Entoloma_cf_ochreoprunuloides_2013-05-30_03Lam. angeheftet, Hut rissig
  • Entoloma_cf_ochreoprunuloides_2014-09-02_01Fund aus 9/2014
  • Entoloma_cf_ochreoprunuloides_2014-09-02_02Blick auf die Hutunterseite

Funddaten

Kollektion: 1 Fruchtkörper   Bestimmung: Entoloma cf. ochreoprunuloides Morgado & Noordeloos 2013   Finderin: Waltraud Kunze   Funddatum: 2.9.2014 (Wiederfund vom 30.5.2013)   Fundort: D − BY − Schwaben − Augsburg-FirnhaberauFirnhaberauheide, nördlicher Teil   Messtischblatt: 7531/3.4.1   Höhe über NN: 463 m   Ökologie: Kalkhalbtrockenrasen, in der hohen Krautschicht unmittelbar neben einem Strauch, unweit großer Schwarz-Pappeln (Populus nigra bzw. Populus x. canadensis)

Merkmale

Habitus: ritterlingsartig (tricholomatoid)

Hut: 7,5 cm breit, 1 cm hoch, flach gewölbt, nicht kreisrund, etwas eingedellt und dadurch lappig aussehend, Huthaut eingewachsen radialfaserig, glatt, silbergrau mit bräunlichem Reflex, im Zentrum dunkler

Lamellen: ausgebuchtet angewachsen, bauchig, ungegabelt, mit Lameletten untermischt, dünn, mit feinen aderigen Runzeln, gedrängt, Schneiden glatt und unregelmäßig schwach gekerbt, Schneiden wie die Lamellenfläche blass rosa gefärbt

Stiel: 8 cm lang, 13 mm dick, leicht gekniet, eingewachsen längsfaserig, seidig glänzend, grau, an der Basis schmutzig weißlich ausblassend

Fleisch: im Hut 5 mm dick, zum Rand bis auf 1 mm ausdünnend, weiß, stellenweise gräulich-durchnässt; im Stiel längsfaserig, weißlich, ebenfalls durchnässt gräulich

Anmerkungen

Artabgrenzung

Gerhard Wölfel erinnerten die Bilder der Kollektion aus 2013 an einen Vertreter aus der Gruppe um den Lilablauen Rötling (Entoloma bloxamii). Im Zuge meiner Recherchen stieß ich u.a. auf eine Bildersammlung auf MycoDB.fr, deren abgebildete Fruchtkörper des Mehl-Rötlings (E. prunuloides) meinem Fund ähnlich sehen. Die Typusart der Rötlinge gehört in die gleiche Untersektion wie der Lilablaue Rötling. Machiel E. Noordeloos kann sich vorstellen, dass es sich bei dem Pilz möglicherweise um den Düsteren Mehl-Rötling (E. ochreoprunuloides [= E. prunuloides var. obscurum]) handelt. (Morgado et al. 2013). Dank des Wiederfunds durch meine Mutter konnte der Fund jetzt mikroskopisch abgesichert werden.

Untersuchte Kollektion

Die Beschreibung bezieht sich auf den lädierten Fruchtkörper vom 2.9.2014. Das Exemplar vom 30.5.2013 wurde lediglich ein paar Meter von der Fundstelle entfernt aufgenommen und soll die Variabilität der Art veranschaulichen.

Literatur

  • Entoloma_cf_phaeocyathus_2014-08-23_1Hutrand durchscheinend gerieft
  • Entoloma_cf_phaeocyathus_2014-08-23_2Lamellen mit rosa Sporenpulver
  • Entoloma_cf_phaeocyathus_2014-08-23_3Ruderaler Halbtrockenrasen

Funddaten

Kollektion: 2 Fruchtkörper   Bestimmung: Entoloma cf. phaeocyathus Noordeloos 1985    Funddatum: 23.8.2014   Fundort: D − BY − Schwaben − Augsburg-Firnhaberau − Firnhaberauheide, südlicher Teil, nahe der Lärmschutzwand an der Autobahn   Messtischblatt: 7531/3.4.1   Höhe über NN: 463 m   Ökologie: initialer Trockenrasen auf Kalkschotter mit lückiger, kurzer Vegetation, auf einer lediglich mit Geneigtem Spiralzahnmoos (Tortella inclinata) bedeckten Stelle; sonnig exponierter Standort, nahe des Fundorts des Kleinsporigen Adermooslings (Arrhenia baeospora), vergesellschaftet mit dem Safrangelben Saftling (Hygrocybe acutoconica)

Merkmale

Habitus: nabelingsartig (omphalinoid)

Hut: 11−14 mm breit, flach gewölbt, genabelt, ungerieft, Oberfläche feinfilzig, Hutrand die Lamellen überragend und dort gewellt aussehend, grau-braun, in der Mitte dunkler

Lamellen: breit angewachsen, bei einem Exemplar leicht herablaufend, bauchig, dünn, fein aderig-runzelig, zum Rand hin gerne gegabelt, mit Lameletten untermischt, Schneiden wie die Flächen braun und bei Sporenreife rosa-braun gefärbt

Sporenpulver: kein Abwurfpräparat angefertigt

Stiel: 11 mm lang, 1−1,5 mm dick, basal bis zu 2 mm knollig verdickt, gerade bis geschwungen, glatt, matt, grau-braun

Fleisch: dünn, weißlich, im Hut teils durchfeuchtet und dadurch etwas dunkler, im Stiel längsfaserig

Geruch: unspezifisch, auch im Anschnitt

Literatur

  • Entoloma_cf_sericeoides_2014-05-11_1Fruchtkörper am Standort
  • Entoloma_cf_sericeoides_2014-05-11_2Lamellen und Stieloberfläche
  • Entoloma_cf_sericeoides_2014-05-11_3Magerwiese auf Kalkboden...
  • Entoloma_cf_sericeoides_2014-05-11_4...nahe eines alten Steinbruchs

Funddaten

Kollektion: (1+)2 Fruchtkörper   Bestimmung: Entoloma cf. sericeoides (J.E. Lange 1940) Noordeloos 1980   Funddatum: 12.5.2014   Fundort: D − BY − Schwaben − Lkr. Donau-Ries − Donauwörth-Rambergsiedlung − ehem. Steinbruch nördlich der Tannenbergstraße   Messtischblatt: 7230/3.4.2   Höhe über NN: 433 m   Ökologie: Wiese auf kalkreichem Boden am Fuß eines Kalkfelsens, weit eingefasst von alten, knorrigen Eichen (Quercus sp.), nahe eines Trampelpfads unmittelbar neben Gelbem Sonnenröschen (Helianthemum nummularium)

Merkmale

Habitus: nabelingsartig (omphalinoid)

Hut: (3–)14–21 mm breit, (1–)4–10mm hoch, zentral abgeflacht und deutlich genabelt, Rand eingerollt, nicht oder nur kaum durchscheinend gerieft, hygrophan, feucht braun, fettig glänzend, trocken von der Mitte zum Rand radialstreifig hell grau-bräunlich ausblassend, matt, Huthaut glatt, allenfalls fein eingewachsen radialfaserig (40x-Lupe) und die Lamellen überragend

Lamellen: breit angewachsen und mit Zahn herablaufend, leicht bauchig, gestaucht und wellig verbogen, hellgrau, mit zunehmender Sporenreife mit rosa Tönen, Schneiden glatt und wie Lamellenfläche gefärbt

Stiel: (10–)48–52mm lang, (1–) apikal 2,5–3 x 3–4 mm und basal 4 x 4,5–6 mm dick, eingewachsen längsfaserig, etwas verdreht, zylindrisch, untere Hälfte mit Längsrille, oben vor dem Lamellenansatz fein flockig besetzt

Fleisch: im Hut weißlich, zentral bis 2 mm, sonst 1 mm dick und weniger; im Stiel hellgrau, seidig, längsfaserig, hohl, Wandung max. 1 mm stark

Geruch: unspezifisch, im Schnitt jedoch deutlich spermatisch mit adstringierender Komponente

Literatur

  • Gröger, F. (2006): Bestimmungsschlüssel für Blätterpilze und Röhrlinge in Europa, Teil I. Regensb. Mykol. Schr. 13: 525.
  • Knudsen, H. & J. Vesterholt (2012): Funga Nordica, 2nd ed. Agaricoid, boletoid, clavarioid, cyphelloid and gastroid genera. Nordsvamp, Kopenhagen (DK): 542.
  • Krieglsteiner, G. J. et al. (2003): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd 4. Eugen Ulmer, Stuttgart: 218−219.
  • Ludwig, E. (2007): Pilzkompendium (Beschreibungen), Bd. 2. Die größeren Gattungen der Agaricales mit farbigem Sporenpulver (ausgenommen Cortinariaceae). Fungicon, Berlin: 382−383.
  • Noordeloos, M. E. (1992): Entoloma s. l. Fungi Europaei, Vol. 5. Candusso, Alassio (I): 259−260
  • Entoloma_cf_undatum_2014-09-17_01Wuchs an morschem Holz
  • Entoloma_cf_undatum_2014-09-17_02Hüte genabelt und gezont
  • Entoloma_cf_undatum_2014-09-17_03Lamellen +/- herablaufend

Funddaten

Kollektion: 13 Fruchtkörper   Bestimmung: Entoloma cf. undatum (Gillet 1876) M.M. Moser 1978   Funddatum: 17.9.2014   Fundort: D − BY − Schwaben − Lkr. Donau-Ries − Donauwörth-Riedlingen, Riedlinger Holz   Messtischblatt: 7230/3.4.3   Höhe über NN: 503 m   Ökologie: Senke am südöstlich exponierten Waldrand mit hauptsächlich Hainbuche (Carpinus betulus), Gemeiner Hasel (Corylus avellana) und Rot-Buche (Fagus sylvatica), hangaufwärts an eine Ahorn- und eine Fichtenparzelle mit relativ jungem Baumbestand angrenzend, teils mit dicker Laubschicht; am Erdboden und auf einem liegenden, in der Finalphase der Vermorschung befindlichen Stamm eines Laubbaums   Begleitfunga: Weißes Spitz-Keulchen (Clavaria falcata), Gruben-Lorchel (Helvella lacunosa), Grünscheiteliger oder Grüngebuckelter Risspilz (Inocybe cf. corydalina), eine unbestimmte Koralle (Ramaria sp.), Weiße Wiesenkoralle (Ramariopsis kunzei)

Merkmale

Habitus: nabelingsartig (omphalinoid)

Hut: 10−52 x 8−40 mm breit, 3−9 mm hoch, jung bereits flach ausgebreitet und deutlich genabelt, später gewellt bis flatterig und teils eingerissen, meist deutlich dunkel zoniert, Oberfläche eingewachsen radial faser-filzig, aber nicht schuppig, bräunlich-grau, einheitlich bräunlich ausblassend, Huthaut am Rand nach unten gebördelt, schwach gerippt und die Lamellen überragend

Lamellen: herablaufend, dünn, bogig bis gerade, untermischt, Lameletten gerne wellig, am Grund queraderig verbunden, düstergrau, bei Sporenreife zunehmend rosa-bräunlich getönt, Schneiden bisweilen leicht gekerbt und wie die Flächen gefärbt

Sporenpulver: rosa-bräunlich

Stiel: 10−34 mm lang, 2−7 x 3 mm dick, basal 3−10 mm keulig verdickt und weißfilzig bekleidet, sonst bräunlich-grau, aber blasser als der Hut, fein längsfaserig, seidig glänzend, zur Basis hin heller, einzeln oder mit bis zu 5 Fruchtkörpern büschelig verwachsen

Fleisch: im Stiel längsfaserig, hellgrau, jung bereits hohl, kaum wattig ausgefüllt, mit bis zu 1 mm dicker Wandung; im Hut oben hellgrau, darunter weiß, sehr dünn/nahezu fehlend

Geruch: dumpf rettichartig mit schwach stechender Komponente

Anmerkungen

Artabgrenzung

Ludwig (2007) schreibt in seinem Pilzkompendium, dass sich E. undatum lediglich durch dickfleischigere Fruchtkörper, etwas größere Sporen und den zonierten Hut vom Wolligen Nabel-Rötling (E. lanicum) unterschieden werden kann. Habituell und farblich ähnlich soll zudem E. subpusillum aussehen, das im Gegensatz zu E. undatum keine Schnallen, aber dafür sehr unterschiedlich geformte Sporen aufweist: normal-eckig, vieleckig-subnudulös bis fast kubisch-kreuzförmig. Als dritten Doppelgänger führt Ludwig den Glänzenden Tellerling (Clitopilus hirneolus, Syn. Rhodocybe hirneola) an, der ebenfalls schnallenlos ist und an seinen knotig-köckerigen Sporen identifiziert werden kann.

Literatur

  • Gröger, F. (2006): Bestimmungsschlüssel für Blätterpilze und Röhrlinge in Europa, Teil I. Regensb. Mykol. Schr. 13: 594.
  • Knudsen, H. & J. Vesterholt (2012): Funga Nordica, 2nd ed. Agaricoid, boletoid, clavarioid, cyphelloid and gastroid genera. Nordsvamp, Kopenhagen (DK): 545−546.
  • Krieglsteiner, G. J. et al. (2003): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 4. Ständerpilze: Blätterpilze II (Hell- und Dunkelblättler). Eugen Ulmer, Stuttgart: 178−179.
  • Ludwig, E. (2007): Pilzkompendium (Beschreibungen), Bd. 2. Die größeren Gattungen der Agaricales mit farbigem Sporenpulver (ausgenommen Cortinariaceae). Fungicon, Berlin: 296−297.
  • Noordeloos, M. E. (1992): Entoloma s. l. Fungi Europaei, Vol. 5. Edizioni Candusso, Alassio: 613−615.
  • Hygrocybe_quieta_2014-09-27_01Stielbasen meist ausspitzend
  • Hygrocybe_quieta_2014-09-27_02Lamellen gelb, später orange
  • Hygrocybe_quieta_2014-09-27_03Fundstelle im Mischwald

Funddaten

Kollektion: 12 Fruchtkörper   Bestimmung: Hygrocybe quieta (Kühner 1947) Singer 1951 ('1949')   Funddatum: 27.9.2014   Fundort: D − BY − Schwaben − Lkr. Donau-Ries − Donauwörth-Riedlingen − Riedlinger Holz   Messtischblatt: 7230/3.4.3   Höhe über NN: 498 m   Ökologie: Mischwald aus Stiel-Eiche (Quercus robur), Hainbuche (Carpinus betulus) und Weiß-Tanne (Abies alba) mit eingestreutem Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) auf kalkhaltigem Boden   Begleitfunga: Zweifarbiger Scheidenstreifling (Amanita battarrae), Violetter Lacktrichterling (Laccaria amethystina), Lachs-Reizker (Lactarius salmonicolor)

Merkmale

Hut: 17−41 x 19−33 mm breit, 12−18 mm hoch, polsterförmig, überwiegend halbkugelig bis stumpf gebuckelt, orange, Rand schwach durchscheinend gerieft, hygrophan, vom Scheitel aus gelb ausblassend und dadurch ähnlich dem Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis) zweifarbig erscheinend, trocken ungerieft, am Rand gerne eingerissen, Oberfläche matt glänzend und klebrig, trocken glanzlos und gummiert anfühlend

Lamellen: ausgebuchtet angewachsen, fast frei, bauchig, weit stehend, schwach runzelig, am Grund leicht querverbunden, mit Lameletten untermischt, Schneiden glatt und wie die Lamellenfläche orange oder bisweilen gelb gefärbt

Sporenpulver: kein Abwurfpräparat angefertigt

Stiel: 25−60 mm lang, 7−10 x 4−6 mm dick, nur an der Spitze zylindrisch, sonst irregulär, selten gerade, meist gekniet, vor allem in der unteren Hälfte gerne längs gerillt und rissig, Basis asymetrisch ausspitzend und weiß ausblassend, bisweilen mit bis zu vier Exemplaren büschelig verwachsen

Fleisch: brüchig, zitronengelb; im Hut bis zu 4 mm dick; im Stiel längsfaserig mit orangefarbener Rinde, innen hohl

Geruch: unspezifisch, im Anschnitt nach Blattwanzen

Anmerkungen

Artabgrenzung

Bei dieser Kollektion hatte ich aufgrund des hygrophanen, zweifarbigen Huts zunächst den Glänzenden Orange-Saftling (Hygrocybe aurantiosplendens) in Verdacht. Karl Wehr – besten Dank an dieser Stelle – führte mich schließlich auf die richtige Spur: H. quieta. Charakteristisch für die Art ist der unangenehme Geruch nach Blattwanzen, wie er auch für den Eichen-Milchling (Lactarius quietus) typisch ist. Der Duft war jedoch erst im Anschnitt der Fruchtkörper wahrnehmbar, dafür aber deutlich. Zusammen mit den orangen, meist dunkler als der Hut gefärbten Lamellen und den asymetrisch ausspitzenden Stielbasen besteht für mich kein Zweifel an der Bestimmung.

Mikroskopisch ist die Art durch ein hohes Maß an mittig verengten/eingeschnürten Sporen gekennzeichnet, was ihr auch den Namen „Schnürsporiger Saftling“ eingebracht hat. Boertmann spezifiziert den Anteil auf „gewöhnlich mehr als 75 %“ (Boertmann 2010, Knudsen & Vesterholt 2012). Ludwig (2012) merkt in seinem Pilzkompendium an, dass der maximale Anteil an eingeschnürten Sporen je nach Autor zwischen 70 und 95 % liegt – bei seiner Aufsammlung hatte er hingegen gar keine normal elliptische Spore finden können.

Literatur

  • Boertmann, D. (2010): The genus Hygrocybe, 2. Aufl. Fungi of Northern Europe, Vol. 1. Svampetryk, Tilst (DK): 108−109.
  • Candusso, M. (1997): Hygrophorus s. l. Fungi Europae, Vol. 6. Edizioni Candusso, Alassio: 529−534.
  • Gröger, F. (2006): Bestimmungsschlüssel für Blätterpilze und Röhrlinge in Europa, Teil I. Regensb. Mykol. Schr. 13: 136.
  • Knudsen, H. & J. Vesterholt (2012): Funga Nordica, 2nd ed. Agaricoid, boletoid, clavarioid, cyphelloid and gastroid genera. Nordsvamp, Kopenhagen (DK): 273−274.
  • Krieglsteiner, G. J. et al. (2001): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 3. Ständerpilze: Blätterpilze I (Hellblättler). Eugen Ulmer, Stuttgart: 69−71.
  • Ludwig, E. (2012): Pilzkompendium (Beschreibungen), Bd. 3. Die übrigen Gattungen der Agaricales mit weißem Sporenpulver. Fungicon, Berlin: 332−333.
  • Lentinus_tigrinus_01_2014-07-14Hüte verbogen, Oberfläche
  • Lentinus_tigrinus_02_2014-07-14...mit dunklen Faserschüppchen
  • Lentinus_tigrinus_03_2014-07-14Lamellen dicht gedrängt
  • Lentinus_tigrinus_04_2014-07-14Lamellenschneiden fein gesägt
  • Lentinus_tigrinus_05_2014-07-14Längs halbierter Fruchtkörper
  • Lentinus_tigrinus_06_2014-07-14Verschieden alte Exemplare
  • Lentinus_tigrinus_07_2014-07-14Radialfaserige Hutränder
  • Lentinus_tigrinus_08_2014-07-14...und Hutoberflächen
  • Lentinus_tigrinus_09_2014-07-14Fundstelle auf Rasen

Funddaten

Kollektion: 8 Fruchtkörper   Bestimmung: Lentinus tigrinus (Bulliard 1782 : Fries 1821) Fries 1825   Funddatum: 14.7.2014   Fundort: D − BY − Schwaben − Ldkr. Donau-Ries − Donauwörth-Riedlingen − Rambergstraße, Einfahrt zu den Parkplätzen des Kindergartens   Messtischblatt: 7230/3.4   Höhe über NN: 417 m   Ökologie: Rasen, sonnig exponierter Standort, an vergrabenem Holz (vermutlich Wurzelreste)

Merkmale

Wuchs: büschelig

Hut: 9−207 x 182 mm, gewölbt, bald schon zentral abgeflacht und eingedellt, im Alter trichterig vertieft und wellig verbogen, Rand lange eingerollt, im Alter rissig, Oberfläche jung einheitlich dunkel grau-braun und fein faser-schuppig bekleidet, später von den Randbereichen aus fransig-schuppig mit pinselartigen Spitzen aufreißend auf weißem Grund, wodurch die namensgebende getigerte Zeichnung entsteht, Faserschuppen im Zentrum gedrängter

Lamellen: mäßig herablaufend, dicht gedrängt, mit Lameletten untermischt, Schneiden unregelmäßig schartig gesägt und wie die Lamellenfläche gefärbt, Stielrinde fetzig die Lamellen am Stielansatz überragend, schmutzig weißlich bis blass ocker

Sporenpulver: kein Abwurfpräparat angefertigt

Stiel: 22-50 mm lang, jung 6 mm dick, basal schwach keulig bis 7 mm verdickt, alte Exemplar 15 mm dick und tütenartig nach oben bis 19 x 25 mm erweitert, oberer Atielbereich vor dem Lamellenansatz etwas angeschwollen, jung bis auf die weißliche Basis einheitlich grau-braun gefärbt, bald schon fein längs aufreißend und einr gebürsteten Oberfläche ähnelnd, dann genattert, später punktiert-genattert, angeschwollene Zone nahe den Lamellen ohne dunkle Faserschuppen

Fleisch: weiß, weich; im Hut bis zu 6 mm stark, zum Rand hin dünner und dort fast fehlend; im Stiel mit bis zu 2 mm dicker, zäher und schmutzig weißlich gefärbter Rinde

Geruch: angenehm säuerlich, wie gezüchtete Austernpilze

Anmerkungen

Artabgrenzung und Verwandtschaft

German J. Krieglsteiner klassifizierte den Getigerten Sägeblättling als „Stromtalelement“. (Krieglsteiner et al. 2001) Das trifft auch auf diesen Fund zu, der am südöstlichen Ausläufer der Schwäbischen Alb im Einzugsbereich der Donau und der Wörnitz gemacht wurde. Der büschelige Wuchs der Fruchtkörper, die trockene Hutoberfläche mit den ± schwarzen, dicht stehenden und haarigen Schüppchen sowie die dicht gedrängten, kurzen Lamellen machen die Art unverkennbar. Abgesehen von der Hutunterseite mit dem lamelligen Hymenophor ähneln ganz junge Exemplare auch dem Mai-Porling (Polyporus ciliatus) − letztere Art, der Weitlöcherige Stielporling (P. arcularius), der Winter-Stielporling (P. brumalis) und P. tricholoma werden von Seelan und Mitautoren (2015) aufgrund von molekularbiologischen Untersuchungen in der Gattung Polyporellus gruppiert. Die Hutunterseite von P. ciliatus würde durch die extrem feinen Poren jedoch glatt erscheinen.

Lentinus tigrinus (Sektion Tigrini) wurde häufig in tropischen Regionen vor allem in Südostasien nachgewiesen. Allerdings ist die Art in erster Linie in der nördlich gemäßigten Zone verbreitet. Entsprechende Funde beruhen wohl auf Verwechslungen mit Lentinus squarrosulus, eine Art aus der Sektion Rigidi, die hauptsächlich in paleotropischen und australasiatischen Regionen vorkommt. Der Hauptgrund für die Verwechslung beider Arten ist ihre ähnliche schuppige Hutoberfläche. Inzwischen wurde auch molekularbiologisch bestätigt, dass L. tigrinus nur in Eurasien und der nördlich gemäßigten Zone verbreitet ist. (Seelan et al. 2015)

Literatur

  • Knudsen, H. & J. Vesterholt (2012): Funga Nordica, 2nd ed. Agaricoid, boletoid, clavarioid, cyphelloid and gastroid genera. Nordsvamp, Kopenhagen (DK): 105.
  • Krieglsteiner, G. J. et al. (2001): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 3. Ständerpilze: Blätterpilze I (Hellblättler). Eugen Ulmer, Stuttgart: 19−20.
  • Ludwig, E. (2001): Pilzkompendium (Beschreibungen), Bd. 1. Die kleineren Gattungen der Makromyzeten mit lamelligem Hymenophor aus den Ordnungen Agaricales, Boletales und Polyporales. IHW-Verlag, Eching: 237−238.
  • Seelan, J.S., L.G. Nagy et al. (2015): Phylogenetic relationships and morphological evolution in Lentinus, Polyporellus and Neofavolus, emphasizing southeastern Asian taxa. Mycologia. 6.2.2015. DOI 10.3852/14-084.
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