2015

  • cf_Cortinarius_acutus_2015-10-06_1Gesamte Kollektion
  • cf_Cortinarius_acutus_2015-10-06_2Ausschnittsvergrößerung

Funddaten

Kollektion: 9 Fruchtkörper   Bestimmung: Cortinarius acutus (Pers. 1801) Fries 1838   Funddatum: 6.10.2015   Fundort: D − BY − Schwaben − Lkr. Donau-Ries − Mertingen − Mertinger Forst   Messtischblatt: 7330/4.2.3   Höhe über NN: 443 m   Ökologie: Fichtenforst auf sandigem, saurem Boden; Randbereich einer Torfmoosinsel mit Schwarz-Erlen (Alnus glutinosa), Moor-Birken (Betula pubescens) und Fichten (Picea abies) durchsetzt, im Randbereich mit einigen Espen (Populus tremula) gesäumt   Begleitfunga: Trompetenpfifferling (Craterellus tubaeformis)

Merkmale

Hut: 5−20 mm breit, 2−10 mm hoch, jung kegelig bis halbkugelig gebuckelt, dann gewölbt bis flach ausgepreitet und überwiegend mit spitzem Buckel, rundlich, Rand bis zu 2/3 r deutlich gerieft, fuchsig- bis orange-braun, im Zentrum wie die kompletten Hüte junger Exemplare mit dunklen Brauntönen, hygrophan, ockerfarben ausblassend, Hutrand lange mit weißlichen Velumresten behangen

Lamellen: breit bis schwach ausgebuchtet angewachsen, bauchig, Abstand normal, mit Lameletten untermischt, am Grund queraderig verbunden, Schneiden feinschartig-gesägt und wie die Lamellenfläche braun gefärbt, hygrophan, ocker ausblassend

Sporenpulver: kein Abwurdpräparat angefertigt

Stiel: 20−40 mm lang, 1−3,5 mm dick, zylindrisch, geschwungen, seltener s-förmig verbogen oder gekniet, ocker- bis rot-bräunlich, etwas glasig, mit weißlichem Velum überfasert

Fleisch: im Hut kaum vorhanden, selten bis zu 3 mm dick, glasig braun, hygrophan, ocker ausblassend; im Stiel längsfaserig, voll, wie Hutfleisch gefärbt

Geruch: rettichartig

Literatur

  • Niskanen, T. & I. Kytövuori (2012): Key K: Subgen. Telamonia sects Obtusi Melot and Acetosi (Moënne-Locc. & Reumaux) Niskanen, Liimat. & Kytöv. In: Knudsen, H. & J. Vesterholt (2012): Funga Nordica, 2nd ed. Agaricoid, boletoid, clavarioid, cyphelloid and gastroid genera. Nordsvamp, Kopenhagen (DK): 864−866.
  • Krieglsteiner, G. J. & A. Gminder [Hrsg.] (2010): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 5. Ständerpilze: Blätterpilze III (Dunkelblättler). Eugen Ulmer, Stuttgart: 196−198.

  • Cortinarius_varius_2015-11-02_1Gesamte Kollektion
  • Cortinarius_varius_2015-11-02_2Ein Pärchen im Moosbett
  • Cortinarius_varius_2015-11-02_3Blick auf die Hutunterseite
  • Cortinarius_varius_2015-11-02_4...mit den violetten Lamellen
  • Cortinarius_varius_2015-11-02_5Älteres vs. jüngeres Exemplar
  • Cortinarius_varius_2015-11-02_6Zwei jüngere Fruchtkörper

Funddaten

Kollektion: 6 von 9 Fruchtkörpern   Bestimmung: Cortinarius varius (Schaeffer 1774 : Fries 1821) Fries 1838   Funddatum: 2.11.2015   Fundort: D − BY − Schwaben − Lkr. Donau-Ries − Mertingen − Mertinger Forst   Messtischblatt: 7330/4.2.3   Höhe über NN: 443 m   Ökologie: Fichtenforst auf sandigem, saurem Boden am Rand eines durch einen kleinen Graben getrennten, geschotterten Waldwegs   Begleitfunga: Flatterige Fichten-Koralle (Ramaria flaccida)

Merkmale

Hut: 6,5−7,5(−12,5) cm breit, 1−2 cm hoch, gewölbt bis flach gewölbt, mit bis zu 8 mm breiter und nach unten gebogener sowie ungeriefter Randzone, mittig abgeflacht bis leicht eingedellt, rundlich bis nahezu kreisrund, bisweilen auch etwas gewellt, im Alter flach ausgebreitet, Oberfläche trocken matt, gummiert anfühlend, feucht schmierig-klebrig, semmelgelb (Name!), fuchsig gelb-braun, im Zentrum mit mehr Brauntönen, nicht hygrophan, in der Randzone bisweilen mit weißlichen Velumresten bedeckt

Lamellen: ausgebuchtet angewachsen, bauchig bis s-förmig (zum Rand hin bogig und zum Stiel hin bauchig), 7−11(−15) mm breit, dünn, mäßig gedrängt, mit Lameletten untermischt, Schneiden glatt und wie die Lamellenfläche gefärbt, zunächst zart amethystfarben, dann intensiver lila bis blau-violett und lange so bleibend, zuletzt durch das ausfallende Sporenpulver zimtbraun gefärbt

Sporenpulver: rostbraun

Stiel: 6−9 cm lang, apikal 14−18(−27) × 12−14(−23) mm dick, selten völlig zylindrisch, überwiegend invers schlank keulig bis basal zwiebelartig bis zu 28 mm verdickt, gerade bis geschwungen, ein Exemplar zum oberen Drittel geknickt, weiß bis schmutzig weißlich, etwas seidig glänzend, im oberen Drittel mit ringartiger und durch das ausfallende Sporenpulver rostbraun gefärbter Schleierzone

Fleisch: weiß bis schmutzig weißlich; im Hut bis zu 14(−20) mm dick; im Stiel längsfaserig, voll oder bisweilen mittig bis zu 3 mm ausgehöhlt

Geruch: unspezifisch mit schwacher Honigkomponente

Anmerkungen

Artabgrenzung

Der Semmelgelbe Schleimkopf ist unter den Schleierlingen eine leicht kenntliche Art und darüber hinaus ein Speisepilz. Allerdings sei das Sammeln nur fortgeschrittenen Pilzsammlern geraten, da etliche für ungeübte Pilzfreundinnen und Pilzfreunde kaum unterscheidbare Arten existieren, teils mit unbekanntem Speisewert, aber auch giftige Spezies. Andreas Gminder (2008) schreibt hierzu in seinem „Handbuch für Pilzsammler“:

Häufig wird er (Anm.: der Semmelgelbe Schleimkopf) mit dem Amethystblättrigen Klumpfuß (Anm.: C. calochrous) vermengt, der oft gleichzeitig an denselben Standorten vorkommt. Besonders gefährlich wären Verwechslungen mit einigen der gelbfleischigen Arten, wie dem Leuchtendgelben Klumpfuß (Anm.: C. splendens).

Habitat

Obwohl der Semmelgelbe Schleimkopf als Kalkzeiger gilt, wuchs die hier vorgestellte Kollektion in einem bodensauren Fichtenforst – allerdings nahe eines geschotterten Waldwegs und von diesem lediglich durch einen schmalen Graben getrennt. Es ist anzunehmen, dass der Waldboden durch das Auswaschen des Kalkschotters bei Niederschlag mit Basen versorgt wird.

Literatur

  • Gerhardt, E. (2001): Der große BLV Pilzführer für unterwegs. BLV, München: 252−253.
  • Gminder, A. (2008): Handbuch für Pilzsammler. Kosmos, Stuttgart: 249.
  • Krieglsteiner, G. J. & A. Gminder [Hrsg.] (2010): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 5. Ständerpilze: Blätterpilze III (Dunkelblättler). Ulmer, Stuttgart: 181−182.
  • Laux, H.E. (2001): Der große Kosmos Pilzführer. Kosmos, Stuttgart: 374−375.
  • Niskanen, T. & I. Kytövuori (2012): Key G: Subgen. Phlegmacium: Stem ± cylindrical; KOH on flesh yellow, sometimes as a ring. In: Knudsen, H. & J. Vesterholt (2012): Funga Nordica, 2nd ed. Agaricoid, boletoid, clavarioid, cyphelloid and gastroid genera. Nordsvamp, Kopenhagen (DK): 816.
  • Cortinarius_cf_bivelus_2015-09-26_1Komplette Kollektion
  • Cortinarius_cf_bivelus_2015-09-26_2Zwei junge Exemplare im Detail
  • Cortinarius_cf_bivelus_2015-09-26_3Blick auf Lamellen und Cortina
  • Cortinarius_cf_bivelus_2015-09-26_4Längs aufgeschnittener Frk.

Funddaten

Kollektion: 3 Fruchtkörper   Bestimmung: Cortinarius cf. bivelus (Fries 1818) Fries 1838   Funddatum: 26.9.2015   Fundort: D − BY − Schwaben − Lkr. Donau-Ries − Mertingen − Mertinger Forst   Messtischblatt: 7330/4.2.1   Höhe über NN: 421 m   Ökologie: zwischen einer Birke (Betula sp.) und einer Espe (Populus tremula), wenige Meter entfernt standen noch Rotbuchen (Fagus sylvatica) und Gemeine Fichten (Picea abies)

Merkmale

Makroskopische Merkmale

Hut: 35−45(−85) mm breit, 11−20(−40) mm hoch, jung halbkugelig, dann gewölbt, rund, im Alter gewellt und mit dem Rand stark nach oben gebogen, rostbraun, hygrophan, ockerfarben ausblassend, Randbereiche weit mit hellgrauem Velum befasert

Lamellen: ausgebuchtet angewachsen, mit Zahn marginal herablaufend, bauchig, entfernt stehend, mit Lameletten untermischt, Schneiden glatt, im Alter mit Rissen sowie vereinzelten Scharten und wie die Lamellenfläche zunächst grau, später braun bis orange-braun gefärbt, partiell mit rostfarbenen Sporenpulverablagerungen, beim überalterten Frk. teils weißlich bereift (Schimmelbefall?), hygrophan, ocker ausblassend   Cortina: deutlich ausgeprägt, hellgräulich

Sporenpulver: rostfarben

Stiel: 75−85 mm lang, 14−16 mm dick, zylindrisch, basal bis zu 21 mm keulig verdickt, gerade bis geschwungen, Oberfläche matt, grau bis schmutzig gräulich, mit hellgräulichem Velum längs überfasert

Fleisch: im Hut bis zu 7 mm dick, hellgrau mit ockerfarbener Nuance; im Stiel längsfaserig, voll, basal im Alter etwas schwammig, wie Hutfleisch gefärbt, apikal auch wässrig-dunkelgrau, basal jedoch mehr ockerfarben

Geruch: im Anschnitt deutlich nach Rettich

Mikroskopische Merkmale

Sporen [95 % • 20 • SAP • v • H2O (nat)]: 7,9−9,5−11,1(−11,7) x 4,9−5,9−6,8(−7,1) µm; mandelförmig, braun, warzig

Anmerkungen

Dokumentation

Siehe auch die Kollektion aus dem Folgejahr.

Literatur

  • Niskanen, T. & I. Kytövuori (2012): Key I: Subgen. Telamonia sects Belaustini Moënne-Locc. & Reumax, Lanigeri Melot and Niveoglobosi Kytöv., Liimat. & Niskanen. In: Knudsen, H. & J. Vesterholt (2012): Funga Nordica, 2nd ed. Agaricoid, boletoid, clavarioid, cyphelloid and gastroid genera. Nordsvamp, Kopenhagen (DK): 860−862.
  • Krieglsteiner, G. J. & A. Gminder [Hrsg.] (2010): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 5. Ständerpilze: Blätterpilze III (Dunkelblättler). Eugen Ulmer, Stuttgart: 216−217.

  • Entoloma_nitidum_2015-10-13_1Älteres und jüngeres Exemplar
  • Entoloma_nitidum_2015-10-13_2Struktur der Hutoberflächen
  • Entoloma_nitidum_2015-10-13_3Hutunterseiten mit Lamellen
  • Entoloma_nitidum_2015-10-13_4Gruppenfoto der Kollektion
  • Entoloma_nitidum_2015-10-13_5...aus anderer Perspektive

Funddaten

Kollektion: 4 von 5 Fruchtkörpern   Bestimmung: Entoloma nitidum Quélet 1883   Funddatum: 13.10.2015   Fundort: D − BY − Schwaben − Lkr. Donau-Ries − Mertingen − Mertinger Forst, südlich der Waldkapelle unweit der Torfmoosinsel   Messtischblatt: 7330/4.2.3   Höhe über NN: 443 m   Ökologie: lichter Fichtenforst auf saurem, anmoorigem Boden nahe eines Bachlaufs

Merkmale

Habitus: rüblingsartig (collybioïd)

Hut: 1,8−6 × 1,1−5,5 cm im Durchmesser, 8−13 mm hoch, zunächst konisch-glockig, dann flach ausgebreitet mit gewelltem Rand und stumpfem Buckel im Zentrum, Rand stets ungerieft, Huthaut die Lamellen überragend und nach unten umgeschlagen, mittig bisweilen radialrissig, Oberfläche matt glänzend und eingewachsen radialfaserig, dunkel grau-blau bis heller grau-blau

Lamellen: ausgebuchtet angeheftet bis frei, bauchig, mit Lamelletten untermischt, jung blass gelblich, später rosa-bräunlich, Schneiden wie die Fläche gefärbt

Sporenpulver: rosa-bräunlich

Stiel: 4–6 cm lang, apikal 3–6 mm dick, zylindrisch, bisweilen etwas knotig, zum unteren Stielende hin keulig bis zu 4–11 mm verdickt, ein Exemplar gekniet, drehwüchsig, längsfaserig, Basis schmutzig weißlich und weiß überfasert

Fleisch: im Stiel, längsfaserig, unterer Stielbereich wattig ausgefüllt, im Alter auf ganzer Länge wattig ausgefüllt und etwas hohl, weiß, basal schmutzig weißlich; im Hut am Stielansatz bis zu 1–4 mm dick, nach außen dünner, weiß, am Rand praktisch fehlend

Geruch: im Anschnitt leicht süßlich bis spermatisch

Anmerkungen

Bestand und Gefährdung

Zur Bestandssituation in Deutschland schreibt Ludwig (2007) in seinem Pilzkompendium, dass der Stahlblaue Rötling vor allem im Süden noch recht häufig, aber stark rückläufig und als gefährdet eingestuft ist (Rote Liste 3 – gefährdet).

Anfang Januar 2016 berichtete der Rötlingsspezialist Gerhard Wölfel im DGfM-Forum ebenfalls, dass der Stahlblaue Rötling in Westfalen sehr stark rückläufig sei. (Wölfel 2016) Die letzten Nachweise dieser Art lägen in dieser Region mehr als 10 Jahre zurück, wohingegen die Art dort früher weit verbreitet gewesen sei (Krieglsteiner 1991). Ein Vergleich mit den Pilzen Deutschlands (DGfM 2016) zeige im Norden (Niedersachsen, Schleswig-Holstein) ähnliche Tendenzen. Als Gefährdungsursache nennen Andreas Gminder und Peter Karasch vor allem Zunahme der Stickstoffeinträge in Nadelwälder (Kuyper 2013), des weiteren die Intensivierung der Forstwirtschaft, auch in feuchten Fichtenwäldern.

Dagegen merkt Wölfel an, dass E. nitidum in Bayern und Baden-Württemberg noch häufig zu sein scheint. Peter Karasch bestätigt seine Einschätzung mit einer grafischen Auswertung der bayerischen Funde. Auch Andreas Gminder schätzt die Bestandssituation im Thüringer Wald in den letzten 10 Jahren als in etwa gleichbleibend ein.

Zuletzt relativierte Axel Schilling Mitte April 2016 die Bestandssituation in Niedersachsen, weil schlicht die Funddaten für das Bundesland im Portal auf Pilze-Deutschland.de noch fehlen würden und diese erst im Laufe des Jahres eingepflegt werden sollen. Auf einer vorläufigen Verbreitungskarte visualisiert er lediglich drei Alteinträge an Quadranten vor 1980 und sechs Einträge aus den letzten zehn Jahren. Peter Karasch informierte mich am 13.6.2016, dass die Funde aus Niedersachsen inzwischen online sind.

Literatur und Weblinks

  • Hygrophoropsis_aurantiaca_2015-09-20_1Gruppenfoto
  • Hygrophoropsis_aurantiaca_2015-09-20_2Fleisch elastisch, orange-gelb
  • Hygrophoropsis_aurantiaca_2015-09-20_3Wiederholt gegabelte Lamellen

Funddaten

Kollektion: 9 Fruchtkörper   Bestimmung: Hygrophoropsis aurantiaca (Wulfen 1781) Maire 1921   Funddatum: 20.9.2015   Fundort: D − BY − Oberbayern − Lkr. Dachau − Schwabhausen-Oberroth − Riedholz   Messtischblatt: 7733/2.2.2   Höhe über NN: 502 m   Ökologie: Fichtenforst (Picea abies) mit Strauchschicht aus Faulbaum (Frangula alnus), Vogelbeere (Sorbus aucuparia) und jungen Fichten, im lichten Randbereich mit Brombeeren (Rubus sect. Rubus) bewachsen   Substrat: am Fuß einer Kiefer (Pinus sp.) im Bohrmehl eines Borkenkäfers

Merkmale

Hut: 11−42 mm breit, 6−13 mm hoch, jung fast halbkugelig, bald schon flacher gewölbt, am Rand lange zum Stiel hin umgebogen oder herabgebogen, rundlich, selten kreisrund, bisweilen mit Einschnürungen, Oberfläche matt, feinfilzig (10x-Lupe), gummiert anfühlend, Huthaut am Rand etwas überstehend, leuchtend bis gelblich-orange, zum Rand hin blasser gefärbt

Lamellen: 1−3 mm lang, herablaufend, dicht gedrängt, gerne wellig verbogen, mehrfach gegabelt, leicht vom Hutfleisch ablösbar, intensiv orange

Sporenpulver: weißlich mit blass gelblicher Komponente

Stiel: 30−42 mm lang, 2−6 mm dick, nach unten bis zu 8 x 11 mm keulig verbreitert, zylindrisch, zur Basis hin unförmiger, Stielrinde gleichmäßig blass orange, im Alter von der Basis aus allmählich schwärzlich verfärbend

Fleisch: im Hut und Stiel schwammig-weich, zunächst weißlich mit oranger Nuance, bald schon blassorange; von der Stielbasis aus im Alter schwärzlich gefärbt

Geruch: säuerlich

Literatur

  • Gminder, A. & G.J. Krieglsteiner (2001): Tricholomataceae. In: Krieglsteiner, G.J. [Hrsg.] (2001): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 3. Ständerpilze: Blätterpilze I (Hellblättler): 273−274.
  • Gröger, F. (2006): Bestimmungsschlüssel für Blätterpilze und Röhrlinge in Europa, Teil I. Regensb. Mykol. Schr. 13: 116.
  • Knudsen, H. & A. Taylor (2012): Hygrophoropsis (J. Schröt.) Maire. In: Knudsen, H. & J. Vesterholt (2012): Funga Nordica, 2nd ed. Nordsvamp, Kopenhagen (DK): 196.
  • Ludwig, E. (2001): Pilzkompendium, Bd. 1. Beschreibungen. IHW-Verlag, Eching: 190−191.
  • Imleria_badia_2015-11-04_1Stiel fein braun gemasert
  • Imleria_badia_2015-11-04_2Fraßstelle rot-braun überzogen
  • Imleria_badia_2015-11-04_3Huthaut kastanienbraun
  • Imleria_badia_2015-11-04_4Röhren jung gelblich
  • Imleria_badia_2015-10-17_1Poren auf Druck blauend
  • Imleria_badia_2015-10-17_2Fleisch weiß, im Stiel teils braun
  • Imleria_badia_2008-09-06_1Wuchs auf finalmorschem Holz
  • Imleria_badia_2015-11-14_1Huthaut lange überstehend
  • Imleria_badia_2015-11-14_2Frk. im bodensauren Nadelwald

Funddaten

Kollektion: 6 von 7 Fruchtkörpern   Bestimmung: Imleria badia Fr. 1818 : Fr. 1821) Vizzini 2014   Funddatum: 4.11.2015   Fundort: D − BY − Schwaben − Lkr. Donau-Ries − Mertingen − Mertinger Forst, westsüdwestlich der Waldkapelle   Messtischblatt: 7330/4.1.4   Höhe über NN: 451 m   Ökologie: saurer sandiger Boden, rings um eine Wald-Kiefer (Pinus sylvestris), außerdem Fichten (Picea abies) und Birken (Betula pendula) im Einzugsbereich

Merkmale

Hut: 3−6 × 2,7−5,5 cm im Durchmesser, 1,5−2,5 cm hoch, zunächst halbkugelig, dann polsterartig gewölbt, nie kreisrund, bisweilen mit Einschnürung, Huthaut die Röhren überragend und schmal eingekrempelt, Oberfläche jung fein-samtig und matt, bei Berührung Fingerabdruck hinterlassend, gummiert anfühlend, feucht etwas schmierig-klebrig und glänzend, gleichmäßig bis zum Rand kastanien- bis dunkelbraun marmoriert, ältere Frassstellen mit bräunlicher Schicht überzogen (nachgewachsene Hutdeckschicht?)

Röhren: 2–8 mm lang, ausgebuchtet bis breit angewachsen und mit Zähnchen kurz herablaufend, bogig bis etwas s-förmig (zum Rand hin bogig und zum Stiel hin bauchig), blassgelb mit olivfarbener Nuance, im Alter bei Druck oder Verletzung schnell blauend, Röhrenboden gelb

Poren/Röhrenmündungen: eng, 2−3 pro mm, rundlich bis länglich, wie die Röhren gefärbt, bei Berührung rasch blauend

Sporenpulver: kein Abdruck angefertigt; laut Literatur oliv-braun (Ladurner & Simonini 2003)

Stiel: 8–10 cm lang, apikal 1–1,3 cm dick, mittlerer Stielbereich 1,2–2,7 cm, zylindrisch, leicht geschwungen bis s-förmig, bisweilen auch gekniet, basal ausspitzend, Stielrinde bräunlich längs gemasert, am Röhrenansatz blasser, Basis ocker-filzig bekleidet

Fleisch: im Stiel längsfaserig, voll, fest, weiß, basal ocker, Stielrinde bis zu 2 mm dick und schwach ocker getönt; im Hut in der Mitte 9–17 mm dick, fest, weiß; sowohl im Hut als auch im Stiel bei Kontakt mit Luftsauerstoff nicht blauend

Geruch: angenehm säuerlich

Anmerkungen

Typische Merkmale

Der Maronen-Röhrling ist durch den kastanienbraunen Hut, die gelblichen sowie bis auf junge Exemplare auf Druck/bei Verletzung blauenden Röhren, den fein und braun längsgemaserten Stiel und das weißliche bis gelbliche, bisweilen schwach blauende Fleisch unverkennbar. Dennoch kommen einige Röhrlinge mit braunen Hutfarben, gelben Poren und Stielen ohne Netz- oder Flockenzeichnung als potenzielle Doppelgänger infrage. Sogar ein Lamellenpilz kann auf den ersten Blick ähnlich aussehen.

Artabgrenzung

Gewöhnlicher Steinpilz

Von Anfängern wird der Pilz oft für einen Gewöhnlichen Steinpilz (Boletus edulis) gehalten. Dieser hat jedoch einen Stiel mit weißer Netzzeichnung, insbesondere oben nahe des Hutansatzes, und keine feine bräunliche Längsmaserung. Außerdem bleiben die Röhren des Steinpilzes auf Druck oder bei Verletzung unverändert, wohingegen die des Maronen-Röhrlings blau verfärben.

Gewöhnlicher Gallenröhrling

Daneben sind auch Verwechslungen mit dem Gewöhnlichen Gallenröhrling (Tylopilus felleus), der klassische Doppelgänger des Steinpilzes, denkbar. Dessen Röhren haben jedoch eine zunächst weiße und später schmutzig rosa Farbe und blauen ebenfalls nicht auf Druck oder bei Verletzung. Markant ist ferner das braune, erhabene Stielnetz auf bräunlichem Grund. Das Fleisch von T. felleus schmeckt zudem gallebitter. Allerdings gibt es Menschen mit beeinträchtigtem Geschmackssinn, die das Bittere nicht schmecken können. Darüber hinaus soll es auch mild schmeckende Exemplare geben.

Zedern-Kastanienröhrling

Imleria heteroderma, auf Deutsch fände ich „Zedern-Kastanienröhrling“ passend, sieht dem Maronen-Röhrling ähnlich, kann aber anhand dem blasser gefärbten, trocken-samtigen Hut, der an den Hasen-Röhrling (Gyroporus castaneus) oder den Mährischen Röhrling (Aureoboletus moravicus) erinnert, unterschieden werden. Außerdem hat der Gattungskollege keine gelatinisierte Hutdeckschicht. Letztere besteht zudem aus Pilzfäden (Hyphen) mit zahlreichen Körnchen, die sich mit Kongorot anfärben lassen. Die Art ist mit der Atlas-Zeder (Cedrus atlantica) vergesellschaftet. (Assyov 2017) Der Zedern-Kastanienröhrling wurde in Deutschland meines Wissens aber noch nicht nachgewiesen (Stand April 2017).

Brauner Filzröhrling

Dem Braunen Filzröhrling (Xerocomus ferrugineus) fehlt die feine braun längsgemaserte Stielzeichnung. Dagegen ist der Stiel oben grobflockig beschaffen, unterhalb befinden sich meist Längsrippen. Außerdem blauen die Fruchtkörper nicht oder allenfalls schwach. Die Poren der Röhrenschicht bräunen etwas auf Druck. Das Basalmyzel ist gelblich gefärbt. Die Art kommt an denselben Standorten wie der Maronen-Röhrling vor.

Mährischer Röhrling

Boris Assyov führt noch den in Deutschland relativ seltenen Mährischen oder Löwengelben Röhrling (Aureoboletus moravicus) als potenziellen Doppelgänger an. Dieser lässt sich von I. badia durch das weiße, über den Röhren und unter der Huthaut ockerfarbene bis bräunliche Fleisch, das bei Luftkontakt nicht blaut, und die ebenso unveränderlichen gelben Poren abgrenzen. Auch die Habitate unterscheiden sich: Frieder Gröger (2006) skizziert A. moravicus als Bewohner von Laubwäldern an offenen, sehr wäremebegünstigten Standorten auf neutralen bis basischen Böden. Der Maronen-Röhrling besiedelt dagegen hauptsächlich Nadelwälder mit Fichten und Kiefern, seltener Laubwälder, und stets auf sauren Böden.

Braunhütige Schmierröhrlinge

Bei feuchter Witterung wird die sonst trocken-filzige Hutoberfläche des Maronen-Röhrlings schmierig-klebrig, weshalb er auch mit einem der braunhütigen Schmierröhrlinge verwechselt werden kann. Die gelblich-weiße Stieloberfläche des Körnchen-Röhrlings (Suillus granulatus) hat keine Längsmaserung und ist mit gleichfarbigen Körnchen besetzt (Name!). Außerdem befinden sich auf der Röhrenschicht junger Exemplare feine Tröpfchen. Der Ringlose Butterpilz (S. collinitus) ist ebenfalls ein Kiefernbegleiter, hat jedoch eine rosafarbene Stielbasis, weshalb er auch „Rosafüßiger Körnchen-Röhrling“ genannt wird. Ein weiterer Doppelgänger ist der bei Kiefern vorkommende Butterpilz (S. luteus), der jedoch am Stiel einen weißlichen, häutigen Ring besitzt.

Europäisches Goldblatt

Das Europäische Goldblatt (Phylloporus pelletieri) erinnert durchaus einem Maronen-Röhrling, jedenfalls solange man nicht die entfernt stehenden und querverbundenen lamellenartigen Strukturen auf der Hutunterseite erblickt. Der Pilz ist der einzige europäische Vertreter der Gattung der Blätterröhrlinge. Jene Arten stellen den Übergang von Fruchtkörpern mit Lamellen hin zu denen mit Röhren dar.

Samtfuß-Holzkrempling

Kaum erwähnt wird in der Literatur der Samtfuß-Holzkrempling (Tapinella atrotomentosa) als möglicher Doppelgänger. Dies erscheint zunächst allein aufgrund der enorm großen Fruchtkörper absurd. Allerdings haben die gewölbten Hüte junger und kleiner Exemplare den annähernd selben Braunton wie der Maronen-Röhrling und können ihm von oben gesehen täuschend ähnlich sehen. Davon zeugen immer wieder umgedrehte und liegen gelassene Fruchtkörper bei meinen Exkursionen in bodensauren Fichten-Kiefernwäldern. Erst beim Blick auf die Unterseite fallen den Sammlern die Lamellen und der braunsamtige Stiel auf.

Gattungsüberblick

Die Gattung Imleria umfasst weltweit fünf Arten, von denen der Maronen-Röhrling (I. badia) und der Zedern-Kastanienröhrling (I. heteroderma) in Europa vorkommen.

Deutscher Name Wissenschaftlicher Name Autorenzitat
Maronen-Röhrling Imleria badia (Fries 1818 : Fries 1821) Vizzini 2014
Zedern-Kastanienröhrling Imleria heteroderma (J. Blum 1970) T. Rödig 2015 non Singer 1989
  Imleria obscurebrunnea (Hongo 1979) Xue T. Zhu & Zhu L. Yang 2014
  Imleria parva Xue T. Zhu & Zhu L. Yang 2014
  Imleria subalpina Xue T. Zhu & Zhu L. Yang 2014

 

Verwandtschaft und Systematik

Bereits die molekularbiologischen Ergebnisse von Binder und Hibett (2004, 2006) haben deutlich gemacht, dass der Maronen-Röhrling nicht den Filzröhrlingen im engeren Sinn (Xerocomus s. str.) zuzuordnen ist. Šutaras (2008) morphologische Angaben und die molekularbiologischen Ergebnisse von Gelardi et al. (2013), Nuhn et al. (2013) und Wu et al. 2014 bestätigten dies und ergaben zudem, dass der Maronen-Röhrling weder zu den Steinpilzen (Boletus s. str.) noch den Rotfußröhrlingen (Xerocomellus) gehört, sondern stammesgeschichtlich eine gesonderte Position einnimmt. Vizzini (2014) hat deshalb für die Art die Gattung Imleria aufgestellt. Als deutsche Bezeichnung böte sich „Kastanienröhrlinge“ an. Zhu et al. haben im selben Jahr I. parva und I. subalpina beschrieben und I. obscurebrunnea von den Filzröhrlingen umkombiniert. Rödig hat in 2015 I. heteroderma von Boletus umkombiniert, nachdem Riva 2011 das Taxon – nicht nachvollziehbar – zu den Filzröhrlingen gestellt hatte.

Verbreitung

Der Maronen-Röhrling (Imleria badia) ist in den nördlich gemäßigten Regionen von Europa und Nordamerika verbreitet. I. parva wurde im tropischen Yunnan, eine Provinz im Südwesten Chinas, gefunden. I. obscurebrunnea kommt in den subtropischen Regionen Chinas und Japans vor. I. subalpina stammt dagegen aus den submontanen Bergregionen im Nordwesten Chinas.

Ökologie

Als Charakterart der bodensauren Nadel- und Laubwälder ist die Art vor allem in Fichten-Tannen- und Fichten-Kiefern-Gesellschaften anzutreffen, kommt aber auch in Buchen- und Eichenwaldgesellschaften mit überwiegend sauren bis neutralen, seltener auch basischen Böden vor. Ansonsten werden sandige und lehmige Böden gleichermaßen besiedelt, auch gibt es keine Präferenz beim Feuchtigkeitsgehalt des Bodens. Selbst mäßige Mengen an Stickstoff soll die Art gut vertragen, während die Bildung von Fruchtkörpern bei einer Überbelastung sofort zurückgeht. In „Fichtenplantagen“ kann die Art im Herbst massenhaft Fruchtkörper bilden. Außerhalb von Wäldern, wie z. B. in Parks, Alleen und dergleichen Standorten ist der Pilz hingegen kaum einmal anzutreffen. Gelegentlich fruktifiziert die Art sogar auf morschem Nadelholz, beispielsweise Baumstümpfe. (Gminder 2000)

Namen

Der erste Teil des wissenschaftlichen Artnamens (Epithet) „Imleria“ ehrt den belgischen Mykologen Louis Imler (1900–1993). [Vizzini 2014, BGM] Der zweite Namensteil (Epitheton) „badius“ stammt aus dem Lateinischen, bedeutet „braun, kastanienbraun“ und bezieht sich auf die entsprechend gefärbte Hutoberfläche. (Genaust 2005, Werner 1972)

Oft findet man in Pilzbüchern noch die wissenschaftlichen Namen Boletus badius und Xerocomus badius. Die Gattungen der Dickröhrlinge (Boletus) und Filzröhrlinge (Xerocomus) erwiesen sich jedoch als polyphyletisch, weshalb etliche Arten in andere Gattungen überstellt wurden. Inzwischen umfassen die Dickröhrlinge nur noch die Artengruppe um den Gewöhnlichen Steinpilz (Boletus edulis), weshalb heute für die Gattung die deutsche Bezeichnung „Steinpilze“ treffender ist (Hahn 2015), und die Filzröhrlinge beschränken sich auf die Artengruppe um die Ziegenlippe (X. subtomentosus).

Speisepilz des Jahres 2016

Der Maronen-Röhrling wurde im Rahmen des Europäischen Pilztags von Karin Montag, die Herausgeberin der pilzkundlichen Zeitschrift Der Tintling, zum „Speisepilz des Jahres 2016“ proklamiert. Den Speisepilz des Jahres charakterisieren eine gute Wiedererkennbarkeit des Pilzes, ein hoher kulinarischer Wert und eine relative Häufigkeit. Er wird jeweils am Europäischen Pilztag für das Folgejahr ernannt.

Radioaktive Belastung

Die radioaktive Belastung des Maronen-Röhrlings durch das radioaktive Cäsium-137-Isotop lag auch 20 Jahre nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl gebietsweise über dem EU-Grenzwert für Lebensmittel von 600 Becquerel pro Kilogramm Frischpilzmasse. Dies gilt vor allem für die Gegend um München, die seinerzeit stark durch das Abregnen der radioaktiven Wolken kontaminiert wurde. (Bresinsky & Jahn 2011, Hacker & Wurzbacher 2005, Steiner & Hiersche 2011)

Das Cäsium wird in den Fruchtkörpern vor allem durch die Hutfarbstoffe Badion A und Norbadion A angereichert, die Cäsium komplexieren können. (Aumann et al. 1989, Kuad et al. 2009) Durch das Abziehen der Huthaut kann die radioaktive Belastung durch den Verzehr deutlich verringert werden. Im Steinpilz sind diese beiden Derivate der Pulvinsäure übrigens nicht vorhanden, was in einer deutlich niedrigeren radioaktiven Belastung resultiert. (Steffan & Steglich 1984)

Untersuchte Kollektion

Die Beschreibung bezieht sich auf die Fruchtkörper, die auf den Bildern 1−6 zu sehen sind. Die Bilder 7−9 sollen die Variabilität der Art verdeutlichen und einen Eindruck vom Habitat verschaffen.

Danksagung

Mein Dank gilt dem röhrlingskundigen Mykologen Thomas Rödig von der Pilzkundlichen Arbeitsgemeinschaft Berlin-Brandenburg e.V. (PABB) e.V. (PABB), der mir detaillierte Hinweise lieferte und bei der Literaturrecherche behilflich war.

Literatur

  • Lactarius_blennius_2015-10-17_1Huthaut bei Nässe schleimig
  • Lactarius_blennius_2015-10-17_2Weiß milchend bei Verletzung
  • Lactarius_blennius_2015-10-17_3Hut gerne mit Flecken

Funddaten

Kollektion: 8 Fruchtkörper   Bestimmung: Lactarius blennius (Fries 1815) Fries 1838   Funddatum: 17.10.2015   Fundort: D − BY − Schwaben − Lkr. Donau-Ries − Mertingen − Mertinger Forst   Messtischblatt: 7330/4.2.3   Höhe über NN: 440 m   Ökologie: Nordwestlich exponierter Hang mit einem Mischwald aus Rotbuchen (Fagus sylvatica), Wald-Kiefern (Pinus sylvestris), einzelnen Rot-Eichen (Quercus rubra) und eingemischten Fichtenabschnitten (Picea abies) auf sandigem, saurem Boden   Begleitfunga: Buchenblatt-Helmling (Mycena capillaris), Flockenstieliger Hexen-Röhrling (Neoboletus luridiformis)

Merkmale

Hut: 8−60(−85) mm breit, 3−15(−20) mm hoch, kreisrund bis rundlich, jung bereits flach ausgebreitet, später in der Mitte vertieft, im Alter trichterartig vertieft und am Rand etwas gewellt, runzelig, meist mit zitzenartigem Buckel, am Rand teils eingeschnürt, Rand lange umgeschlagen und stets ungerieft, Oberfläche bei feuchter Witterung glänzend und deutlich schleimig (zieht bei Berührung Fäden), abtrocknend klebrig, trocken gummiert anfühlend, bräunlich-grau bis oliv-grau, teils mit undeutlichen konzentrischen Kreisen und dunklen Flecken

Lamellen: breit angewachsen bis schwach ausgebuchtet und mit Zähnchen herablaufend, bogig, später s-förmig (in Stielnähe leicht bauchig, zum Rand hin bogig), schmal (1,5−3 mm breit), dicht gedrängt, mit Lameletten untermischt, in Stielnähe gerne querverbunden oder gegabelt, Schneiden glatt und wie die Lamellenfläche gefärbt, weißlich, mit ockerfarbenem Beiton  

Sporenpulver: blass cremefarben

Stiel: 20−40(−55) mm lang, 7−13(−23 × 18) mm dick, unregelmäßig zylindrisch, bisweilen auch apikal oder basal schlank-keulig verdickt, bisweilen gequetscht, basal auch mit Einbuchtung, gerade bis schwach wellig verbogen, basal mit bis zu vier Fruchtkörpern verwachsen, Oberfläche fein längs runzelig (10x-Lupe), matt, deutlich blasser als der Hut gefärbt, hellgrau mit olivem Reflex, im Alter glasig-glänzend, bräunlich-oliv

Fleisch: weiß; im Hut bis zu 10 mm dick; im Stiel ohne Faserrichtung, wattig ausgefüllt oder hohl 

Milchsaft: reichlich, weiß, grau-grünlich eintrocknend

Geruch: säuerlich

Anmerkungen

Artabgrenzung

Der Graugrüne Milchling ist extrem variabel: Manchmal zeigt der Hut zahlreiche und auffällige Flecken, die eine mehr oder weniger deutliche Zonierung bilden können. Und manchmal sind solche Flecken praktisch nicht vorhanden. J. E. Lange (1940) beschrieb zwar eine Form virescens, die von der Typusform durch kleinere Fruchtkörper und überwiegend grünliche Hutfarben ohne deutliche Flecken abweicht, aber Heilmann-Clausen et al. (2000) rechnen solche Formen der Variabilität von L. blennius zu.

Sehr ähnlich sieht der Braunfleckende Milchling (L. fluens) aus, dessen Lamellen bei Verletzung oder Quetschung rot-braun und nach 2–3 Stunden fast schwarz-braun flecken. Dagegen zeigen die Lamellen von L. blennius bei Verletzung oder an Druckstellen oliv-graue bis grau-braune Flecken. Zudem hat L. fluens einen weniger klebrigen Hut, eine deutlichere Zonierung und mehr cremefarbene als weißliche Lamellen. Doch das markanteste Merkmal ist der weißliche bis cremefarbene Hutrand, weshalb die Art auch als „Blassrandiger Milchling“ bezeichnet wird. Mikroskopisch sind die Pilzfäden in der oberen Schicht der Huthaut deutlich miteinander verflochten.

Darüber hinaus kommt an vergleichbaren Standorten bei Hainbuche der ebenfalls ähnlich aussehende Gebänderte Hainbuchen-Milchling (L. circellatus) vor. Er hat aber dunklere Lamellen und ein mehr zebraartig gestreiftes Sporenornament.

Literatur

  • Gröger, F. (2014): Bestimmungsschlüssel für Blätterpilze und Röhrlinge in Europa, Teil II. Regensb. Mykol. Schr. 17: 481.
  • Heilmann-Clausen, J. et al. (2000): The genus Lactarius. Fungi of Northern Europe, Vol. 2. Svampetryk, Tilst (DK): 44−47.
  • Knudsen, H. & J. Vesterholt (2012): Funga Nordica, 2nd ed. Agaricoid, boletoid, clavarioid, cyphelloid and gastroid genera. Nordsvamp, Kopenhagen (DK): 135.
  • Krieglsteiner, G. J. et al. (2000): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 2. Ständerpilze: Leisten-, Keulen-, Korallen- und Stoppelpilze, Bauchpilze, Röhrlings- und Täublingsartige. Eugen Ulmer, Stuttgart: 387−388.
  • Lactarius_subdulcis_2015-10-24_1Lamellen bräunlich gefleckt
  • Lactarius_subdulcis_2015-10-24_2Hutrand oft heller und gekerbt
  • Lactarius_subdulcis_2015-10-24_3Fleisch weißlich, im Stiel hohl
  • Lactarius_subdulcis_2015-10-24_4Fruchtkörper im Buchenfalllaub
  • Lactarius_subdulcis_2015-10-17_1Hut rot-braun bis fleischbraun
  • Lactarius_subdulcis_2015-10-17_2Milch weißlich, etwas wässrig

Funddaten

Kollektion: 11 Fruchtkörper   Bestimmung: Lactarius subdulcis (Persoon 1801) Gray 1821   Funddatum: 24.10.2015   Fundort: D − BY − Schwaben − Lkr. Donau-Ries − Mertingen-Druisheim − Mertinger Forst   Messtischblatt: 7330/4.2.3   Höhe über NN: 440 m   Ökologie: Nordwestlich exponierter Hang mit einem Mischwald aus Buchen (Fagus sylvatica) und Lärchen (Larix decidua) mit einzelnen Weiß-Tannen (Abies alba), Moor-Birken (Betula pubescens) und Rot-Eichen (Quercus rubra), durchsetzt mit schmalen Streifen Fichtenbeständen; im Süden, Südwesten und Nordwesten von Fichtenparzellen gesäumt   Begleitfunga: Maronen-Röhrling (Imleria badia), Violetter Lacktrichterling (Laccaria amethystea), Eichen-Milchling (Lactarius quietus), Kahler Krempling (Paxillus involutus agg.)

Merkmale

Hut: 19−55(−77) × 19−51(−67) mm breit, 4−19 mm hoch, jung schon flach gewölbt, am Rand herabgebogen, mittig gerne mit +/- ausgeprägtem Buckel, rundlich, selten kreisrund, auch eingeschnürt und teils lappig fast senkrecht nach oben gebogen, im Alter trichterartig vertieft, uneben, Rand gewellt und stellenweise gerippt, scharfrandig, Oberfläche matt, trocken, nicht klebrig, vor allem mittig gerne fein runzelig, rötlich-braun, mittig häufig dunkler braun getönt, hygrophan, vom Rand her hell ocker-gräulich ausblassend, dann zweifarbig erscheinend

Lamellen: breit angewachsen bis schwach herablaufend, bogig, später in Stielnähe auch leicht bauchig, dünn, dicht gedrängt, mit Lameletten untermischt, Schneiden glatt und wie die Lamellenfläche zunächst fast weißlich, später hell schmutzig-ocker gefärbt, auch mit bräunlichen Flecken

Sporenpulver: weißlich

Stiel: 28−65 mm lang, im unteren Drittel (7-)8−15 x (4-)7−15 mm dick, apikal verjüngt und 6−13(−16) × 6−11(−14) mm dick, nur an der Spitze zylindrisch, sonst unregelmäßig, nach unten häufig gequetscht, auch mit Mittelfurche, selten gerade, gerne ein wenig wellig verbogen, in der unteren Hälfte auch undeutlich längs gerillt, basal selten büschelig verwachsen, stets in der Falllaubschicht und dort mit Buchenblättern verwachsen, dort weißfilzig, Oberfläche matt, zur Stielbasis dunkler und mit mehr Brauntönen

Fleisch: weißlich; im Stiel ohne Faserrichtung, zur Stielrinde hin fein bräunlich marmoriert, im Alter hohl werdend

Milchsaft: weiß, reichlich

Geruch: wie der Eichen-Milchling (Lactarius quietus) nach Blattwanzen, nur etwas schwächer

Anmerkungen

Typische Merkmale

Der Braune Buchen-Milchling besitzt einen rot-braunen bis blass fleischbräunlichen, auch zweifarbig erscheinenden Hut mit einer bei Feuchtigkeit fettigen Oberfläche, eine wässrig weißliche sowie milde bis bittere Milch und riecht mehr oder weniger deutlich nach Blattwanzen. Typisch ist sein Vorkommen unter Rotbuche im Falllaub.

Artabgrenzung

Milchlinge mit ± braunen Hüten

Der Kampfer-Milchling (Lactarius camphoratus) hat einen ähnlich rot-braunen Hut, der beim Trocknen etwas ausblasst. Er riecht jedoch nach Liebstöckel bzw. Maggi-Würze, insbesondere getrocknete Fruchtkörper. Der Rotbraune Milchling (L. rufus) besitzt eine deutlich scharf schmeckende Milch und besiedlt Nadelwälder. Der meist blasser bräunliche Flatter-Milchling (L. tabidus) milcht wie der Braune Buchen-Milchling wässrig weiß, der Milchsaft verfärbt sich aber an der Luft langsam bzw. auf weißem Papier rasch schwefelgelb. Sein Fleisch schmeckt erst mild und dann scharf. Auch der nah verwandte Eichen-Milchling (L. quietus) sieht ähnlich aus und riecht zudem ebenfalls nach Blattwanzen. Er hat einen stets matten, nicht hygrophanen und oft leicht gezonten Hut. Seine creme-gelbliche Milch schmeckt mehr oder weniger mild und im Nachgang bitter. Der Milchling ist ausschließlich mit Eichen vergesellschaftet.

Milchlinge mit ± orange-braunen Hüten

Der Milde Milchling (Lactarius aurantiacus) hat einen orange-braunen, glatten, ungezonten Hut und einen kaum wahrnehmbaren, unspezifischen Geruch. Der Orangefuchsige Milchling (L. fulvissimus) besitzt einen leuchtend orange-braunen Hut und keine netzig-gratigen Sporen. Der Rotgegürtelte Runzel-Milchling (L. rubrocinctus) hat ein bitter-schärflich schmeckendes Fleisch und unterscheidet sich mikroskopisch durch einen anderen Aufbau der Hutdeckschicht.

Geruch nach Blattwanzen

In der pilzkundlichen Literatur bezeichnet der Begriff „Blattwanzen“ keine bestimmte Art sondern mehrere blattfressende Wanzen aus unterschiedlichen Gattungen und Familien. Viele dieser Wanzen besitzen u. a. zur Abschreckung ihrer Fressfeinde Stinkdrüsen, aus denen sie bei Gefahr ein unangenehm riechendes Sekret absondern, das diesen charakteristischen Wanzengeruch verursacht. Typische Blattwanzen sind beispielsweise die Bunte Blattwanze (Elasmostethus interstinctus) aus der Familie der Stachelwanzen und die Grüne Stinkwanze (Palomena prasina) aus der Familie der Baumwanzen. Es werden noch weitere Wanzenarten aus anderen Familien und Gattungen als Blattwanzen bezeichnet.

Untersuchte Kollektion

Die Beschreibung bezieht sich auf die Fruchtkörper auf den Bildern 1−4; die Bilder 5−6 stammen vom selben Fundort am 17.10.2015 und sollen die Variabilität der Art veranschaulichen.

Literatur

  • Gröger, F. (2014): Bestimmungsschlüssel für Blätterpilze und Röhrlinge in Europa, Teil II. Regensb. Mykol. Schr. 17: 492−493.
  • Heilmann-Clausen, J. et al. (2000): The genus Lactarius. Fungi of Northern Europe, Vol. 2. Svampetryk, Tilst (DK): 194−195.
  • Krieglsteiner, G. J. et al. (2000): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 2. Ständerpilze: Leisten-, Keulen-, Korallen- und Stoppelpilze, Bauchpilze, Röhrlings- und Täublingsartige. Eugen Ulmer, Stuttgart: 426−427.
  • Verbeken, A. & J. Vesterholt (2012): Lactarius Pers. In: Knudsen, H. & J. Vesterholt (2012): Funga Nordica, 2nd ed. Agaricoid, boletoid, clavarioid, cyphelloid and gastroid genera. Nordsvamp, Kopenhagen (DK): 141.
  • Lactarius_tabidus_2015-09-18_1Gesamte Kollektion
  • Lactarius_tabidus_2015-09-18_2Milchsaft weiß

Funddaten

Kollektion: 3 Fruchtkörper   Bestimmung: Lactarius tabidus Fries 1838   Funddatum: 18.9.2015   Fundort: D − BY − Schwaben − Lkr. Donau-Ries − Mertingen − Mertinger Forst   Messtischblatt: 7330/4.2.3   Höhe über NN: 443 m   Ökologie: Fichtenforst auf sandigem, saurem Boden; Torfmoosinsel mit Schwarz-Erlen (Alnus glutinosa), Moor-Birken (Betula pubescens) und Fichten (Picea abies) durchsetzt, im Randbereich mit einigen Espen (Populus tremula) gesäumt   Begleitfunga: Geranien-Gürtelfuß (Cortinarius flexipes var. flexipes), Spitzgebuckelter Raukopf (Cortinarius rubellus), Wolliger Risspilz (Inocybe cf. lanuginosa agg.), Grüngelbes Gallertkäppchen (Leotia lubrica), Birken-Spei-Täubling (Russula betularum)

Merkmale

Hut: 16−51 mm breit, 3−8 mm hoch, jung schwach gewölbt, bald schon flach ausgebreitet, rundlich, aber nie kreisrund, in der Mitte abgeflacht bis etwas trichterartig vertieft, häufig mit Papille, am Rand teils eingeschnürt und gewellt, Rand jung ungerieft, im Alter und durchfeuchtet mit schwachen Riefen, Oberfläche matt, nicht klebrig, fein runzelig, ocker-roströtlich, zentral etwas dunkler, zum Rand hin blasser werdend

Lamellen: schwach ausgebuchtet bis breit angewachsen, gerade, dicht gedrängt, mit Lameletten untermischt, Schneiden glatt und wie die Lamellenfläche ocker gefärbt, im Alter mit bräunlichen Flecken

Sporenpulver: kein Abwurfpräparat angefertigt

Stiel: 36−56 mm lang, im unteren Drittel 8−12 x 7−8 mm dick, im oberen Drittel 4−7 mm, nur an der Spitze zylindrisch, sonst unregelmäßig, selten gerade, gerne ein wenig wellig verbogen, in der unteren Hälfte auch undeutlich längs gerillt, basal nie büschelig verwachsen, Oberfläche matt, wie Hut gefärbt, zum Hutansatz hin blasser, zur Stielbasis dunkler und mit mehr Brauntönen

Fleisch: brüchig, zitronengelb; im Hut bis zu 4 mm dick; im Stiel längsfaserig mit orangefarbener Rinde, innen hohl

Milchsaft: wässrig-weiß, schwefelgelblich eintrocknend

Geruch: säuerlich

Anmerkungen

Bestimmung

Lactarius tabidus ist zwar äußerlich veränderlich, kann aber durch die eher blassen und dezenten Farben sowie den radialfaltigen Hut erkannt werden. Die weiße Milch verfärbt sich an der Luft langsam oder auf einem Papiertaschentuch rasch gelblich. Mikroskopisch lässt sich die Art durch die Kombination aus eher isoliert warzigen Sporen und einer hyphoepithelisch strukturierten Huthaut absichern. Bei einem Hypoepithelium besteht die Huthaut aus ± zwei Schichten: Die untere Schicht besteht aus aufgeblasenen, isodiametrischen Zellen, während sich die obere Schicht aus zylindrischen Endzellen zusammensetzt.

Artabgrenzung

Der Flatter-Milchling kann mit etlichen gelb-, ockerfarbenen oder orange-braunen Milchlingen verwechselt werden:

Der Milde Milchling (L. aurantiacus, Syn. L. mitissimus) hat eine mehr einheitlich orange Hutfarbe. Seine weiße Milch verfärbt sich weder an der Luft noch auf einem weißen Papiertuch. Auch der mild schmeckende, bisweilen ähnlich gefärbte Süßliche Milchling (L. subdulcis) hat eine rein weiße, unveränderliche Milch. Er ist eine Charakterart der Buchenwälder.

Deutlich schwerer ist die Abgrenzung zu den nahe verwandten Gattungsvertretern aus der Sektion Tabidi, darunter der Scharfe Schwefel-Milchling (L. decipiens) und der Pfützen-Milchling (L. lacunarum). Letzterer besiedelt ebenfalls feuchte Habitate, und ist dort mit Weiden und Erlen vergesellschaftet. Er hat eine lediglich schwach gilbende Milch. Mikroskopisch lassen sich beide Arten gut durch ihre unterschiedliche Huthautstruktur trennen. Der Scharfe Schwefel-Milchling bevorzugt dagegen trockene Böden in Laubwäldern. Markant ist zudem sein Geruch nach Pelargonienblättern.

Einige Autoren grenzen noch den Kleinen Flatter-Milchling (L. theiogalus) ab. Er sieht wie eine schlankere Form des Flatter-Milchlings aus und zählt zu den häufigsten Moorpilzen, die gerne inmitten von Torfmoospolstern vorkommen. Seine Sporen sind mehr isoliert-warzig ornamentiert, wohingegen die Grate des Sporenornamants von L. tabidus ein nahezu vollständiges Netz bilden.

Literatur

  • Gröger, F. (2014): Bestimmungsschlüssel für Blätterpilze und Röhrlinge in Europa, Teil II. Regensb. Mykol. Schr. 17: 499.
  • Heilmann-Clausen, J. et al. (2000): The genus Lactarius. Fungi of Northern Europe, Vol. 2. Svampetryk, Tilst (DK): 200−201.
  • Knudsen, H. & J. Vesterholt (2012): Funga Nordica, 2nd ed. Agaricoid, boletoid, clavarioid, cyphelloid and gastroid genera. Nordsvamp, Kopenhagen (DK): 141.
  • Krieglsteiner, G. J. et al. (2000): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 2. Ständerpilze: Leisten-, Keulen-, Korallen- und Stoppelpilze, Bauchpilze, Röhrlings- und Täublingsartige. Eugen Ulmer, Stuttgart: 427−428.
  • Lactarius_sphagneti_2015-11-08_1Hutrand heller und ± gerieft
  • Lactarius_sphagneti_2015-11-08_2Stielspitze heller gefärbt
  • Lactarius_sphagneti_2015-11-08_3Hutoberfläche glänzend
  • Lactarius_sphagneti_2015-11-08_4Lamellen ocker, querverbunden

Funddaten

Kollektion: 3 Fruchtkörper   Bestimmung: Lactarius sphagneti (Fries 1855) Neuhoff 1956   Funddatum: 8.11.2015   Fundort: D − BY − Schwaben − Lkr. Donau-Ries − Mertingen − Mertinger Forst   Messtischblatt: 7330/4.2.3   Höhe über NN: 443 m   Ökologie: Fichtenforst auf saurem, anmoorigem Boden, im Moospolster zwischen einer Torfmoosinsel und einem Bachlauf   Begleitfunga: Kammförmiger Keulenpilz (Clavulina coralloides), Stahlblauer Rötling (Entoloma nitidum), Schwarzpunktierter Schneckling (Hygrophorus punctatus)

Merkmale

Hut: 14−30 × 12−26 mm breit, 3−15 mm hoch, jung bereits flach gewölbt mit zentraler Papille, im Alter trichterförmig vertieft, aber stets mit stumpfem Buckel in der Mitte und etwas gewellt, rundlich, aber nie kreisrund, ein Exemplar mit Einschnürung, Rand kurz gerieft, nach unten gebogen und zuletzt scharfrandig, Huthaut glatt, fettig-glänzend, ziegelbraun, in der Mitte dunkler, im kurzen Randbereich mit hellen Ockertönen ausblassend

Lamellen: bis zu 3 mm breit, breit angewachsen, mit Zahn marginal herablaufend, am Stiel in undeutlichen und kurzen Rillen (10x-Lupe) auslaufend, zunächst schwach bogig, später zum Stiel hin schwach bauchig, dicht gedrängt, mit teils gewellten Lameletten untermischt, am Grund queraderig verbunden, Schneiden glatt und wie die Lamellenfläche ocker gefärbt

Sporenpulver: weißlich-cremefarben

Stiel: 30−45 mm lang, invers schlank keulig (apikal 4−6 mm dick, breiteste Stelle im unteren Stielbereich 8−9 × 6−7 mm), zylindrisch, basal bisweilen etwas gequetscht und vereinzelt mit unregelmäßigen Vertiefungen, gerade bis geschwungen, angedeutet längsfaserig, deutlich heller als der Hut dumpf orange-bräunlich gefärbt, apikal blasser, am Lamellenansatz wieder etwas dunkler

Fleisch: im Hut bis zu 6 mm dick, hellocker, fest; im Stiel ohne Faserrichtung (brüchig wie Käse), weich, bis auf 1/4 der oberen Stiellänge hohl, wie das Hutfleisch hellocker gefärbt

Milchsaft: weiß an verletzten Lamellen, keine Verfärbung bei Luftkontakt, im basalen Stielfleisch eher wässrig

Geruch: schwach nach Blattwanzen

Geschmack: mild, nach einigen Sekunden etwas bitter

Anmerkungen

Typische Merkmale

Im Feld kann L. sphagneti anhand des etwas zweifarbigen Huts mit einer dunklen Mitte und einem viel blasseren, gerieften Rand und den eher blasseren Lamellen erkannt werden. Im Mikroskop machen das stark amyloide Sporenornament und die sehr langen Endzellen in der Hutdeckschicht die Art unverwechselbar. (Heilmann-Clausen et al. 2000)

Artabgrenzung

Der Torfmoos-Milchling kann leicht mit einer ganzen Reihe von Arten verwechselt werden, insbesondere mit dem Braunroten Milchling (Lactarius badiosanguineus) und dem Flatter-Milchling (L. tabidus), die in vergleichbaren Habitaten vorkommen. Der Braunrote Milchling hat einen rot-braunen Hut ohne hellere Randzone. Mikroskopisch relevant ist das Sporenornament aus streifig angeordneten Rippen, die nur teilweise netzartig verbunden sind. Der Flatter-Milchling besitzt eine gilbende, etwas bittere Milch. Auch der Rotbraune Milchling (L. rufus) kann ähnlich aussehen, bevorzugt aber für gewöhnlich trockenere Standorte. Markant sind der meist in der Mitte gebuckelte Hut und die matte, glanzlose Huthaut. Die weiße, unveränderliche Milch schmeckt zudem brennend scharf.

Ökologie und Phänologie

Der Milchling besiedelt feuchte Böden unter Fichten und wächst meist inmitten von Torfmoosen (Sphagnum sp.) in krautreichen Wäldern. (Heilmann-Clausen et al. 2000)

Lactarius sphagneti erscheint hauptsächlich von August bis Oktober.

Verbreitung und Gefährdung

Die Art wird nur selten beobachtet, aber wahrscheinlich oft übersehen oder mit anderen Arten verwechselt. Zumindest in Fennoskandinavien ist sie ortshäufig. (Heilmann-Clausen et al. 2000) In Deutschland und Bayern wird die Art in der Roten Roten Liste gefährdeter Großpilze als „gefährdet (Kategorie 3)“ eingestuft. (Karasch & Hahn 2009) Darunter verstehen die Autoren

Arten, die merklich zurückgegangen oder durch laufende bzw. absehbare menschliche Einwirkungen bedroht sind. Wird die aktuelle Gefährdung der Art nicht abgewendet, rückt sie voraussichtlich in die Kategorie „Stark gefährdet" auf.

Diese Arten haben deutliche Bestandsverluste in großen Teilen des Bezugsraumes zu verzeichnen. Wenn Gefährdungsfaktoren und -ursachen weiterhin einwirken und Schutz- und Hilfsmaßnahmen nicht unternommen werden bzw. wegfallen, kann dies das lokale Erlöschen der Art zur Folge haben.

Sie empfehlen deshalb:

Die Bestände dieser Arten sind durch geeignete Schutz und Hilfsmaßnahmen zu stabilisieren, möglichst aber zu vergrößern. Dies gilt insbesondere dann, wenn im Bezugsraum eine besondere Verantwortlichkeit für die weltweite Erhaltung der betreffenden Art besteht.

German J. Krieglsteiner (2000) nennt in puncto Bestand und Bedrohung in Baden-Württemberg folgende Ursachen:

Durch Entwässerung und Düngung der Moorwälder, Missen und vermoorten Stellen über abflußträgen Keuperschichten sowie durch Stickstoffeintrag ist der Bestand der Art gefährdet.

Literatur

  • Gerhardt, E. (2001): Der große BLV Pilzführer für unterwegs. BLV, München: 426−427.
  • Gröger, F. (2014): Teilschlüssel g. Milchlinge mit (oft weit-)hyphiger Huthaut und meist trockenem H: Untergattung Russularia. Bestimmungsschlüssel für Blätterpilze und Röhrlinge in Europa, Teil II. Regensb. Mykol. Schr. 17: 491.
  • Heilmann-Clausen, J. et al. (2000): The genus Lactarius. Fungi of Northern Europe, Vol. 2. Svampetryk, Tilst (DK): 186−187.
  • Karasch, P. & C. Hahn (2010): Rote Liste gefährdeter Großpilze Bayerns. Bayer. Landesamt für Umwelt (LfU): 22, 89.
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  • Laux, H.E. (2001): Der große Kosmos Pilzführer. Franckh Kosmos, Stuttgart: 450−451.
  • Verbeken, A. & J. Vesterholt (2012): Lactarius Pers. In: Knudsen, H. & J. Vesterholt (2012): Funga Nordica, 2nd ed. Agaricoid, boletoid, clavarioid, cyphelloid and gastroid genera. Nordsvamp, Kopenhagen (DK): 142.
  • Neoboletus_luridiformis_2015-10-13_1Stielzeichnung rot gepustelt
  • Neoboletus_luridiformis_2015-10-13_2Hut lederartig braun gefärbt
  • Neoboletus_luridiformis_2015-10-13_3Stielbasis ocker-filzig
  • Neoboletus_luridiformis_2015-10-13_4Röhren gelb mit roten Poren
  • Neoboletus_luridiformis_2015-10-13_5Habitus dickröhrlingsartig

Funddaten

Kollektion: 3 Fruchtkörper   Bestimmung: Neoboletus luridiformis (Rostkovius 1844) Gelardi, Simonini & Vizzini 2014   Funddatum: 13.10.2015   Fundort: D − BY − Schwaben − Lkr. Donau-Ries − Mertingen − Mertinger Forst, südlich der Waldkapelle   Messtischblatt: 7330/4.2.3   Höhe über NN: 443 m   Ökologie: ungekiester und begraster Waldbewirtschaftungsweg, gesäumt von hohen Fichten (Picea abies) und Wald-Kiefern (Pinus sylvestris) auf saurem Boden (Fruktifikation im Traufbereich)

Merkmale

Hut: 5,5−17 × 3,5−12 cm im Durchmesser, 2−2,5 cm hoch, zunächst halbkugelig, dann polsterförmig bis flach gewölbt mit unregelmäßigen Dellen, nie kreisrund, bisweilen mit Einschnürungen, Huthaut die Röhren überragend, Oberfläche jung samtig, im Alter kahl und matt glänzend, gummiert anfühlend, feucht etwas schmierig-klebrig, dunkelbraun, am Rand etwas ockerfarben ausblassend

Röhren: 2–15 mm lang, ausgebuchtet angewachsen und mit Zähnchen herablaufend, bauchig, blassgelb, bei Kontakt mit Luftsauerstoff schnell blauend, Röhrenboden gelb

Poren/Röhrenmündungen: eng, 2−5 pro mm, rundlich, jung blassgelb, bald orange-rötlich bis dunkelrot, bei Berührung rasch schwarz-blau verfärbend

Sporenpulver: kein Abdruck angefertigt; laut Literatur braun-oliv (Muñoz 2005)

Stiel: 4,3–8 cm lang, an der Stielspitze 3,1–4 cm dick, dickste Stelle im unteren Stielbereich 4–5,5 cm, umgekehrt keulig, ein Exemplar oben abgeplattet und rübenartig zugespitzt (Stielspitze 6 ×2,5 cm und Stielbasis 3,5 cm dick), Stielrinde gelb mit feinem karminrotem Flockenmuster, am Röhrenansatz auch rein gelb und flockenlos, auf Druck rasch blauend, unteres Stielende ocker-filzig bekleidet 

Fleisch: im Stiel längsfaserig, voll, fest, im Alter weicher, blassgelb, basal mit rötlichen Einfärbungen; im Hut in der Mitte 1,4–3 cm dick, fest, zuletzt schwammig weich, gelblich, etwas blasser als im Stiel; Hut- nahtlos ins Stielfleisch übergehend, in allen Teilen bei Verletzung oder im Anschnitt durch den Kontakt mit Luftsauerstoff rasch deutlich blauend 

Geruch: angenehm säuerlich

Anmerkungen

Artabgrenzung

In allen Teilen gelb gefärbte Fruchtkörper werden als Varietät junquilleus geführt, neuerdings auf Artrang als Gelber Hexenröhrling oder Primelgelber Röhrling (Neoboletus junquilleus). Daneben existiert noch die Varietät discolor aus wärmebegünstigten Eichenwäldern mit zum Rand hin gelben Poren/Röhrenmündungen und positiver Amylonreaktion. Bei letzterem Merkmal handelt es sich um eine Farbreaktion, bei der mit dem Lichtmikroskop überprüft wird, ob sich die Zellwände der Pilzfäden im Fleisch der Stielbasis unter der Zugabe einer Jodlösung violett verfärben (= positiv) oder nicht (= negativ).

Der klassische Doppelgänger des Flockenstieligen Hexenröhrlings ist der Netzstielige Hexenröhrling (Suillellus luridus). Die Art kann jedoch leicht durch die netzartige, dunklere Stielzeichnung differenziert werden. Außerdem ist der Röhrenboden, also das Hutfleisch unter der Röhrenschicht, meist rot gefärbt, wohingegen er bei der „Flockenhexe“ wie die Röhren eine gelbe Farbe hat. Ferner wächst die „Netzhexe“ auf kalkhaltigem Boden, während die hier porträtierte Pilzart auf saurem oder zumindest oberflächlich abgesauertem Boden vorkommt.

Noch ähnlicher sieht der Kurznetzige Hexen-Röhrling (Suillellus mendax) aus, dessen genetzte und zugleich punktierte Stieloberfläche an eine Mischung aus Flockenstieligem und Netzstieligem Hexen-Röhrling erinnert. (Friebes 2013) Außerdem überwiegen auf dem Hut und Stiel rötliche Farbtöne. Mikroskopisch ist die Art durch längere Sporen und eine etwas anders aufgebaute Hutdeckschicht charakterisiert.

Die Fruchtkörper des deutlich selteneren Glattstieligen Hexenröhrlings (Suillellus queletii) besitzen dagegen überhaupt keine Stielzeichnung, aber dafür eine weinrot durchfärbte Stielbasis; der Röhrenboden ist gelb gefärbt.

N. luridiformis wird von unkundigen Pilzsammlern bisweilen fälschlicherweise als Satanspilz bezeichnet, der deutsche Name von Rubroboletus satanas. Dabei handelt es sich jedoch um einen völlig anderen rotporigen Röhrling mit rotem Stielnetz und grau-weißem Hut. Er besiedelt wärmebegünstigte Habitate und bevorzugt im Gegensatz zum Flockenstieligen Hexenröhrling kalkhaltige Böden. Außerdem blaut das Fleisch im Anschnitt deutlich schwächer als das der Hexenröhrlinge aus den Gattungen Neoboletus und Suillellus. Ältere Exemplare riechen zudem unangenehm nach Aas.

Namen

Der deutsche Name „Flockenstieliger Hexenröhrling“ bezieht sich auf die arttypische rot-pustelige Stielzeichnung und das auf Druck oder bei Verletzung rasch blauende Fleisch, das früher mit Hexerei in Zusammenhang gebracht wurde. Tatsächlich handelt es sich bei der Blaufärbung um die Oxidation der in den Fruchtkörpern enthaltenen Variegatsäure (Steglich 1975). Die Bezeichnung „Schusterpilz“ geht auf die wildlederartige Hutoberfläche zurück.

Literatur und Weblinks

  • Friebes, G. (2013): Eine kurze Notiz zu Boletus mendax Simonini & Vizzini. Der Tintling 85. Nr. 6/2013: 36–37.
  • Gminder, A. (2000): Boletales. In: Krieglsteiner, G.J. [Hrsg.] (2000): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 2. Leisten-, Keulen-, Korallen- und Stoppelpilze, Bauchpilze, Röhrlings- und Täublingsartige. Eugen Ulmer, Stuttgart: 209−211.
  • Gröger, F. (2006): Bestimmungsschlüssel für Blätterpilze und Röhrlinge in Europa, Teil I. Regensb. Mykol. Schr. 13: 92.
  • Knudsen, H. & A. Taylor (2012): Boletus L.: Fr. In: Knudsen, H. & J. Vesterholt (2012): Funga Nordica, 2nd ed. Agaricoid, boletoid, clavarioid, cyphelloid and gastroid genera. Nordsvamp, Kopenhagen (DK): 218.
  • Muñoz, J.A. (2005): Boletus s. l. Fungi Europaei, Vol. 2. Candusso, Alassio SV (I): 446–449.
  • Steglich, W. (1975): Pilzfarbstoffe. Chemie in unserer Zeit 9(4): 117–123.
  • Vizzini, A. (2014): Index Fungorum no. 192. 17.10.2014.
  • Xerocomellus_chrysenteron_2015-09-20_1Schwaches Blauen im Anschnitt
  • Xerocomellus_chrysenteron_2015-09-20_2Rissige Huthaut im Alter

Funddaten

Kollektion: 6 Fruchtkörper   Bestimmung: Xerocomellus chrysenteron (Bulliard 1791) Šutara 2008   Finder: Christian Kunze   Funddatum: 20.9.2015   Fundort: D − BY − Oberbayern − Lkr. Dachau − Schwabhausen-Oberroth − Riedholz   Messtischblatt: 7733/2.2.2   Höhe über NN: 502 m   Ökologie: Fichtenforst (Picea abies) mit Strauchschicht aus Faulbaum (Frangula alnus), Vogelbeere (Sorbus aucuparia) und jungen Fichten, im lichten Randbereich mit Brombeeren (Rubus sect. Rubus) bewachsen   Begleitfunga: Falscher Pfifferling (Hygrophoropsis aurantiaca)

Merkmale

Hut: 18−55 mm breit, 10−15 mm hoch, jung fast halbkugelig, bald schon flach gewölbt, mittelbraun mit olivem Beiton, Oberfläche matt, samtig, Huthaut gerne felderig aufgerissen, am Rand etwas überstehend und blass gefärbt, Fraßstellen rötlich verfärbend

Röhren: 3−8 mm lang, ausgebuchtet angewachsen, meist langgestreckt bis strichförmig kurz herablaufend, leicht vom Hutfleisch ablösbar, jung blassgelb, später grün-gelb

Poren/Röhrenmündungen: relativ groß, jung 4 pro mm, im Alter 1,5−2 pro mm, eckig, jung blassgelb, später grün-gelb, auf Druck schwach blau-grün verfärbend

Sporenpulver: kein Abwurfpräparat angefertigt − oliv-braun nach Literaturangaben

Stiel: 45−65 mm lang, 6−12 mm dick, nach unten bis zu 15 mm keulig verbreitert, basal etwas zugepitzt, zylindrisch, Stielrinde auf gelbem Grund rot punktiert/fein beflockt, mit bis zu 30 mm langen, 3 mm breiten und 1 mm tiefen Längsrissen, apikal gelb, Basis weißlich mit ockerfarbenem Basalmyzel

Fleisch: im Hut jung blassgelblich, später weißlich, nicht oder nur schwach blauend, unter der Huthaut dünn rötlich; im Stiel intensiver gelb gefärbt, stellenweise auch intensiver blauend, oft weinrot durchgefärbt, basal blassbräunlich

Geruch: säuerlich

Literatur und Weblinks

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