• Imleria_badia_2015-11-04_1Stiel fein braun gemasert
  • Imleria_badia_2015-11-04_2Fraßstelle rot-braun überzogen
  • Imleria_badia_2015-11-04_3Huthaut kastanienbraun
  • Imleria_badia_2015-11-04_4Röhren jung gelblich
  • Imleria_badia_2015-10-17_1Poren auf Druck blauend
  • Imleria_badia_2015-10-17_2Fleisch weiß, im Stiel teils braun
  • Imleria_badia_2008-09-06_1Wuchs auf finalmorschem Holz
  • Imleria_badia_2015-11-14_1Huthaut lange überstehend
  • Imleria_badia_2015-11-14_2Frk. im bodensauren Nadelwald

Funddaten

Kollektion: 6 von 7 Fruchtkörpern   Bestimmung: Imleria badia Fr. 1818 : Fr. 1821) Vizzini 2014   Funddatum: 4.11.2015   Fundort: D − BY − Schwaben − Lkr. Donau-Ries − Mertingen − Mertinger Forst, westsüdwestlich der Waldkapelle   Messtischblatt: 7330/4.1.4   Höhe über NN: 451 m   Ökologie: saurer sandiger Boden, rings um eine Wald-Kiefer (Pinus sylvestris), außerdem Fichten (Picea abies) und Birken (Betula pendula) im Einzugsbereich

Merkmale

Hut: 3−6 × 2,7−5,5 cm im Durchmesser, 1,5−2,5 cm hoch, zunächst halbkugelig, dann polsterartig gewölbt, nie kreisrund, bisweilen mit Einschnürung, Huthaut die Röhren überragend und schmal eingekrempelt, Oberfläche jung fein-samtig und matt, bei Berührung Fingerabdruck hinterlassend, gummiert anfühlend, feucht etwas schmierig-klebrig und glänzend, gleichmäßig bis zum Rand kastanien- bis dunkelbraun marmoriert, ältere Frassstellen mit bräunlicher Schicht überzogen (nachgewachsene Hutdeckschicht?)

Röhren: 2–8 mm lang, ausgebuchtet bis breit angewachsen und mit Zähnchen kurz herablaufend, bogig bis etwas s-förmig (zum Rand hin bogig und zum Stiel hin bauchig), blassgelb mit olivfarbener Nuance, im Alter bei Druck oder Verletzung schnell blauend, Röhrenboden gelb

Poren/Röhrenmündungen: eng, 2−3 pro mm, rundlich bis länglich, wie die Röhren gefärbt, bei Berührung rasch blauend

Sporenpulver: kein Abdruck angefertigt; laut Literatur oliv-braun (Ladurner & Simonini 2003)

Stiel: 8–10 cm lang, apikal 1–1,3 cm dick, mittlerer Stielbereich 1,2–2,7 cm, zylindrisch, leicht geschwungen bis s-förmig, bisweilen auch gekniet, basal ausspitzend, Stielrinde bräunlich längs gemasert, am Röhrenansatz blasser, Basis ocker-filzig bekleidet

Fleisch: im Stiel längsfaserig, voll, fest, weiß, basal ocker, Stielrinde bis zu 2 mm dick und schwach ocker getönt; im Hut in der Mitte 9–17 mm dick, fest, weiß; sowohl im Hut als auch im Stiel bei Kontakt mit Luftsauerstoff nicht blauend

Geruch: angenehm säuerlich

Anmerkungen

Typische Merkmale

Der Maronen-Röhrling ist durch den kastanienbraunen Hut, die gelblichen sowie bis auf junge Exemplare auf Druck/bei Verletzung blauenden Röhren, den fein und braun längsgemaserten Stiel und das weißliche bis gelbliche, bisweilen schwach blauende Fleisch unverkennbar. Dennoch kommen einige Röhrlinge mit braunen Hutfarben, gelben Poren und Stielen ohne Netz- oder Flockenzeichnung als potenzielle Doppelgänger infrage. Sogar ein Lamellenpilz kann auf den ersten Blick ähnlich aussehen.

Artabgrenzung

Gewöhnlicher Steinpilz

Von Anfängern wird der Pilz oft für einen Gewöhnlichen Steinpilz (Boletus edulis) gehalten. Dieser hat jedoch einen Stiel mit weißer Netzzeichnung, insbesondere oben nahe des Hutansatzes, und keine feine bräunliche Längsmaserung. Außerdem bleiben die Röhren des Steinpilzes auf Druck oder bei Verletzung unverändert, wohingegen die des Maronen-Röhrlings blau verfärben.

Gewöhnlicher Gallenröhrling

Daneben sind auch Verwechslungen mit dem Gewöhnlichen Gallenröhrling (Tylopilus felleus), der klassische Doppelgänger des Steinpilzes, denkbar. Dessen Röhren haben jedoch eine zunächst weiße und später schmutzig rosa Farbe und blauen ebenfalls nicht auf Druck oder bei Verletzung. Markant ist ferner das braune, erhabene Stielnetz auf bräunlichem Grund. Das Fleisch von T. felleus schmeckt zudem gallebitter. Allerdings gibt es Menschen mit beeinträchtigtem Geschmackssinn, die das Bittere nicht schmecken können. Darüber hinaus soll es auch mild schmeckende Exemplare geben.

Zedern-Kastanienröhrling

Imleria heteroderma, auf Deutsch fände ich „Zedern-Kastanienröhrling“ passend, sieht dem Maronen-Röhrling ähnlich, kann aber anhand dem blasser gefärbten, trocken-samtigen Hut, der an den Hasen-Röhrling (Gyroporus castaneus) oder den Mährischen Röhrling (Aureoboletus moravicus) erinnert, unterschieden werden. Außerdem hat der Gattungskollege keine gelatinisierte Hutdeckschicht. Letztere besteht zudem aus Pilzfäden (Hyphen) mit zahlreichen Körnchen, die sich mit Kongorot anfärben lassen. Die Art ist mit der Atlas-Zeder (Cedrus atlantica) vergesellschaftet. (Assyov 2017) Der Zedern-Kastanienröhrling wurde in Deutschland meines Wissens aber noch nicht nachgewiesen (Stand April 2017).

Brauner Filzröhrling

Dem Braunen Filzröhrling (Xerocomus ferrugineus) fehlt die feine braun längsgemaserte Stielzeichnung. Dagegen ist der Stiel oben grobflockig beschaffen, unterhalb befinden sich meist Längsrippen. Außerdem blauen die Fruchtkörper nicht oder allenfalls schwach. Die Poren der Röhrenschicht bräunen etwas auf Druck. Das Basalmyzel ist gelblich gefärbt. Die Art kommt an denselben Standorten wie der Maronen-Röhrling vor.

Mährischer Röhrling

Boris Assyov führt noch den in Deutschland relativ seltenen Mährischen oder Löwengelben Röhrling (Aureoboletus moravicus) als potenziellen Doppelgänger an. Dieser lässt sich von I. badia durch das weiße, über den Röhren und unter der Huthaut ockerfarbene bis bräunliche Fleisch, das bei Luftkontakt nicht blaut, und die ebenso unveränderlichen gelben Poren abgrenzen. Auch die Habitate unterscheiden sich: Frieder Gröger (2006) skizziert A. moravicus als Bewohner von Laubwäldern an offenen, sehr wäremebegünstigten Standorten auf neutralen bis basischen Böden. Der Maronen-Röhrling besiedelt dagegen hauptsächlich Nadelwälder mit Fichten und Kiefern, seltener Laubwälder, und stets auf sauren Böden.

Braunhütige Schmierröhrlinge

Bei feuchter Witterung wird die sonst trocken-filzige Hutoberfläche des Maronen-Röhrlings schmierig-klebrig, weshalb er auch mit einem der braunhütigen Schmierröhrlinge verwechselt werden kann. Die gelblich-weiße Stieloberfläche des Körnchen-Röhrlings (Suillus granulatus) hat keine Längsmaserung und ist mit gleichfarbigen Körnchen besetzt (Name!). Außerdem befinden sich auf der Röhrenschicht junger Exemplare feine Tröpfchen. Der Ringlose Butterpilz (S. collinitus) ist ebenfalls ein Kiefernbegleiter, hat jedoch eine rosafarbene Stielbasis, weshalb er auch „Rosafüßiger Körnchen-Röhrling“ genannt wird. Ein weiterer Doppelgänger ist der bei Kiefern vorkommende Butterpilz (S. luteus), der jedoch am Stiel einen weißlichen, häutigen Ring besitzt.

Europäisches Goldblatt

Das Europäische Goldblatt (Phylloporus pelletieri) erinnert durchaus einem Maronen-Röhrling, jedenfalls solange man nicht die entfernt stehenden und querverbundenen lamellenartigen Strukturen auf der Hutunterseite erblickt. Der Pilz ist der einzige europäische Vertreter der Gattung der Blätterröhrlinge. Jene Arten stellen den Übergang von Fruchtkörpern mit Lamellen hin zu denen mit Röhren dar.

Samtfuß-Holzkrempling

Kaum erwähnt wird in der Literatur der Samtfuß-Holzkrempling (Tapinella atrotomentosa) als möglicher Doppelgänger. Dies erscheint zunächst allein aufgrund der enorm großen Fruchtkörper absurd. Allerdings haben die gewölbten Hüte junger und kleiner Exemplare den annähernd selben Braunton wie der Maronen-Röhrling und können ihm von oben gesehen täuschend ähnlich sehen. Davon zeugen immer wieder umgedrehte und liegen gelassene Fruchtkörper bei meinen Exkursionen in bodensauren Fichten-Kiefernwäldern. Erst beim Blick auf die Unterseite fallen den Sammlern die Lamellen und der braunsamtige Stiel auf.

Gattungsüberblick

Die Gattung Imleria umfasst weltweit fünf Arten, von denen der Maronen-Röhrling (I. badia) und der Zedern-Kastanienröhrling (I. heteroderma) in Europa vorkommen.

Deutscher Name Wissenschaftlicher Name Autorenzitat
Maronen-Röhrling Imleria badia (Fries 1818 : Fries 1821) Vizzini 2014
Zedern-Kastanienröhrling Imleria heteroderma (J. Blum 1970) T. Rödig 2015 non Singer 1989
  Imleria obscurebrunnea (Hongo 1979) Xue T. Zhu & Zhu L. Yang 2014
  Imleria parva Xue T. Zhu & Zhu L. Yang 2014
  Imleria subalpina Xue T. Zhu & Zhu L. Yang 2014

 

Verwandtschaft und Systematik

Bereits die molekularbiologischen Ergebnisse von Binder und Hibett (2004, 2006) haben deutlich gemacht, dass der Maronen-Röhrling nicht den Filzröhrlingen im engeren Sinn (Xerocomus s. str.) zuzuordnen ist. Šutaras (2008) morphologische Angaben und die molekularbiologischen Ergebnisse von Gelardi et al. (2013), Nuhn et al. (2013) und Wu et al. 2014 bestätigten dies und ergaben zudem, dass der Maronen-Röhrling weder zu den Steinpilzen (Boletus s. str.) noch den Rotfußröhrlingen (Xerocomellus) gehört, sondern stammesgeschichtlich eine gesonderte Position einnimmt. Vizzini (2014) hat deshalb für die Art die Gattung Imleria aufgestellt. Als deutsche Bezeichnung böte sich „Kastanienröhrlinge“ an. Zhu et al. haben im selben Jahr I. parva und I. subalpina beschrieben und I. obscurebrunnea von den Filzröhrlingen umkombiniert. Rödig hat in 2015 I. heteroderma von Boletus umkombiniert, nachdem Riva 2011 das Taxon – nicht nachvollziehbar – zu den Filzröhrlingen gestellt hatte.

Verbreitung

Der Maronen-Röhrling (Imleria badia) ist in den nördlich gemäßigten Regionen von Europa und Nordamerika verbreitet. I. parva wurde im tropischen Yunnan, eine Provinz im Südwesten Chinas, gefunden. I. obscurebrunnea kommt in den subtropischen Regionen Chinas und Japans vor. I. subalpina stammt dagegen aus den submontanen Bergregionen im Nordwesten Chinas.

Ökologie

Als Charakterart der bodensauren Nadel- und Laubwälder ist die Art vor allem in Fichten-Tannen- und Fichten-Kiefern-Gesellschaften anzutreffen, kommt aber auch in Buchen- und Eichenwaldgesellschaften mit überwiegend sauren bis neutralen, seltener auch basischen Böden vor. Ansonsten werden sandige und lehmige Böden gleichermaßen besiedelt, auch gibt es keine Präferenz beim Feuchtigkeitsgehalt des Bodens. Selbst mäßige Mengen an Stickstoff soll die Art gut vertragen, während die Bildung von Fruchtkörpern bei einer Überbelastung sofort zurückgeht. In „Fichtenplantagen“ kann die Art im Herbst massenhaft Fruchtkörper bilden. Außerhalb von Wäldern, wie z. B. in Parks, Alleen und dergleichen Standorten ist der Pilz hingegen kaum einmal anzutreffen. Gelegentlich fruktifiziert die Art sogar auf morschem Nadelholz, beispielsweise Baumstümpfe. (Gminder 2000)

Namen

Der erste Teil des wissenschaftlichen Artnamens (Epithet) „Imleria“ ehrt den belgischen Mykologen Louis Imler (1900–1993). [Vizzini 2014, BGM] Der zweite Namensteil (Epitheton) „badius“ stammt aus dem Lateinischen, bedeutet „braun, kastanienbraun“ und bezieht sich auf die entsprechend gefärbte Hutoberfläche. (Genaust 2005, Werner 1972)

Oft findet man in Pilzbüchern noch die wissenschaftlichen Namen Boletus badius und Xerocomus badius. Die Gattungen der Dickröhrlinge (Boletus) und Filzröhrlinge (Xerocomus) erwiesen sich jedoch als polyphyletisch, weshalb etliche Arten in andere Gattungen überstellt wurden. Inzwischen umfassen die Dickröhrlinge nur noch die Artengruppe um den Gewöhnlichen Steinpilz (Boletus edulis), weshalb heute für die Gattung die deutsche Bezeichnung „Steinpilze“ treffender ist (Hahn 2015), und die Filzröhrlinge beschränken sich auf die Artengruppe um die Ziegenlippe (X. subtomentosus).

Speisepilz des Jahres 2016

Der Maronen-Röhrling wurde im Rahmen des Europäischen Pilztags von Karin Montag, die Herausgeberin der pilzkundlichen Zeitschrift Der Tintling, zum „Speisepilz des Jahres 2016“ proklamiert. Den Speisepilz des Jahres charakterisieren eine gute Wiedererkennbarkeit des Pilzes, ein hoher kulinarischer Wert und eine relative Häufigkeit. Er wird jeweils am Europäischen Pilztag für das Folgejahr ernannt.

Radioaktive Belastung

Die radioaktive Belastung des Maronen-Röhrlings durch das radioaktive Cäsium-137-Isotop lag auch 20 Jahre nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl gebietsweise über dem EU-Grenzwert für Lebensmittel von 600 Becquerel pro Kilogramm Frischpilzmasse. Dies gilt vor allem für die Gegend um München, die seinerzeit stark durch das Abregnen der radioaktiven Wolken kontaminiert wurde. (Bresinsky & Jahn 2011, Hacker & Wurzbacher 2005, Steiner & Hiersche 2011)

Das Cäsium wird in den Fruchtkörpern vor allem durch die Hutfarbstoffe Badion A und Norbadion A angereichert, die Cäsium komplexieren können. (Aumann et al. 1989, Kuad et al. 2009) Durch das Abziehen der Huthaut kann die radioaktive Belastung durch den Verzehr deutlich verringert werden. Im Steinpilz sind diese beiden Derivate der Pulvinsäure übrigens nicht vorhanden, was in einer deutlich niedrigeren radioaktiven Belastung resultiert. (Steffan & Steglich 1984)

Untersuchte Kollektion

Die Beschreibung bezieht sich auf die Fruchtkörper, die auf den Bildern 1−6 zu sehen sind. Die Bilder 7−9 sollen die Variabilität der Art verdeutlichen und einen Eindruck vom Habitat verschaffen.

Danksagung

Mein Dank gilt dem röhrlingskundigen Mykologen Thomas Rödig von der Pilzkundlichen Arbeitsgemeinschaft Berlin-Brandenburg e.V. (PABB) e.V. (PABB), der mir detaillierte Hinweise lieferte und bei der Literaturrecherche behilflich war.

Literatur

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