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  • Lactarius_tabidus_2015-09-18_1Gesamte Kollektion
  • Lactarius_tabidus_2015-09-18_2Milchsaft weiß

Funddaten

Kollektion: 3 Fruchtkörper   Bestimmung: Lactarius tabidus Fries 1838   Funddatum: 18.9.2015   Fundort: D − BY − Schwaben − Lkr. Donau-Ries − Mertingen − Mertinger Forst   Messtischblatt: 7330/4.2.3   Höhe über NN: 443 m   Ökologie: Fichtenforst auf sandigem, saurem Boden; Torfmoosinsel mit Schwarz-Erlen (Alnus glutinosa), Moor-Birken (Betula pubescens) und Fichten (Picea abies) durchsetzt, im Randbereich mit einigen Espen (Populus tremula) gesäumt   Begleitfunga: Geranien-Gürtelfuß (Cortinarius flexipes var. flexipes), Spitzgebuckelter Raukopf (Cortinarius rubellus), Wolliger Risspilz (Inocybe cf. lanuginosa agg.), Grüngelbes Gallertkäppchen (Leotia lubrica), Birken-Spei-Täubling (Russula betularum)

Merkmale

Hut: 16−51 mm breit, 3−8 mm hoch, jung schwach gewölbt, bald schon flach ausgebreitet, rundlich, aber nie kreisrund, in der Mitte abgeflacht bis etwas trichterartig vertieft, häufig mit Papille, am Rand teils eingeschnürt und gewellt, Rand jung ungerieft, im Alter und durchfeuchtet mit schwachen Riefen, Oberfläche matt, nicht klebrig, fein runzelig, ocker-roströtlich, zentral etwas dunkler, zum Rand hin blasser werdend

Lamellen: schwach ausgebuchtet bis breit angewachsen, gerade, dicht gedrängt, mit Lameletten untermischt, Schneiden glatt und wie die Lamellenfläche ocker gefärbt, im Alter mit bräunlichen Flecken

Sporenpulver: kein Abwurfpräparat angefertigt

Stiel: 36−56 mm lang, im unteren Drittel 8−12 x 7−8 mm dick, im oberen Drittel 4−7 mm, nur an der Spitze zylindrisch, sonst unregelmäßig, selten gerade, gerne ein wenig wellig verbogen, in der unteren Hälfte auch undeutlich längs gerillt, basal nie büschelig verwachsen, Oberfläche matt, wie Hut gefärbt, zum Hutansatz hin blasser, zur Stielbasis dunkler und mit mehr Brauntönen

Fleisch: brüchig, zitronengelb; im Hut bis zu 4 mm dick; im Stiel längsfaserig mit orangefarbener Rinde, innen hohl

Milchsaft: wässrig-weiß, schwefelgelblich eintrocknend

Geruch: säuerlich

Anmerkungen

Bestimmung

Lactarius tabidus ist zwar äußerlich veränderlich, kann aber durch die eher blassen und dezenten Farben sowie den radialfaltigen Hut erkannt werden. Die weiße Milch verfärbt sich an der Luft langsam oder auf einem Papiertaschentuch rasch gelblich. Mikroskopisch lässt sich die Art durch die Kombination aus eher isoliert warzigen Sporen und einer hyphoepithelisch strukturierten Huthaut absichern. Bei einem Hypoepithelium besteht die Huthaut aus ± zwei Schichten: Die untere Schicht besteht aus aufgeblasenen, isodiametrischen Zellen, während sich die obere Schicht aus zylindrischen Endzellen zusammensetzt.

Artabgrenzung

Der Flatter-Milchling kann mit etlichen gelb-, ockerfarbenen oder orange-braunen Milchlingen verwechselt werden:

Der Milde Milchling (L. aurantiacus, Syn. L. mitissimus) hat eine mehr einheitlich orange Hutfarbe. Seine weiße Milch verfärbt sich weder an der Luft noch auf einem weißen Papiertuch. Auch der mild schmeckende, bisweilen ähnlich gefärbte Süßliche Milchling (L. subdulcis) hat eine rein weiße, unveränderliche Milch. Er ist eine Charakterart der Buchenwälder.

Deutlich schwerer ist die Abgrenzung zu den nahe verwandten Gattungsvertretern aus der Sektion Tabidi, darunter der Scharfe Schwefel-Milchling (L. decipiens) und der Pfützen-Milchling (L. lacunarum). Letzterer besiedelt ebenfalls feuchte Habitate, und ist dort mit Weiden und Erlen vergesellschaftet. Er hat eine lediglich schwach gilbende Milch. Mikroskopisch lassen sich beide Arten gut durch ihre unterschiedliche Huthautstruktur trennen. Der Scharfe Schwefel-Milchling bevorzugt dagegen trockene Böden in Laubwäldern. Markant ist zudem sein Geruch nach Pelargonienblättern.

Einige Autoren grenzen noch den Kleinen Flatter-Milchling (L. theiogalus) ab. Er sieht wie eine schlankere Form des Flatter-Milchlings aus und zählt zu den häufigsten Moorpilzen, die gerne inmitten von Torfmoospolstern vorkommen. Seine Sporen sind mehr isoliert-warzig ornamentiert, wohingegen die Grate des Sporenornamants von L. tabidus ein nahezu vollständiges Netz bilden.

Literatur

  • Gröger, F. (2014): Bestimmungsschlüssel für Blätterpilze und Röhrlinge in Europa, Teil II. Regensb. Mykol. Schr. 17: 499.
  • Heilmann-Clausen, J. et al. (2000): The genus Lactarius. Fungi of Northern Europe, Vol. 2. Svampetryk, Tilst (DK): 200−201.
  • Knudsen, H. & J. Vesterholt (2012): Funga Nordica, 2nd ed. Agaricoid, boletoid, clavarioid, cyphelloid and gastroid genera. Nordsvamp, Kopenhagen (DK): 141.
  • Krieglsteiner, G. J. et al. (2000): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 2. Ständerpilze: Leisten-, Keulen-, Korallen- und Stoppelpilze, Bauchpilze, Röhrlings- und Täublingsartige. Eugen Ulmer, Stuttgart: 427−428.
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