2016

  • Hemileccinum_depilatum_2016-06-18_1Hut typisch grubig-eingedellt
  • Hemileccinum_depilatum_2016-06-18_2Stiel rissig (Trockenschaden)
  • Hemileccinum_depilatum_2016-06-18_3Fraßstellen teils rötlich gefärbt
  • Hemileccinum_depilatum_2016-06-18_4Stielspitze rötlich überlaufen
  • Hemileccinum_depilatum_2016-06-18_5...und mit Schüppchen besetzt
  • Hemileccinum_depilatum_2016-06-18_6Röhren am Stiel ausgebuchtet
  • Hemileccinum_depilatum_2016-06-18_7Fleisch mit gelben Streifen
  • Hemileccinum_depilatum_2016-06-18_8...durchzogen bzw. marmoriert

Funddaten

Kollektion: 1 Fruchtkörper (Fotos nicht vom Fundort)   Bestimmung: Hemileccinum depilatum (Redeuilh 1986 ['1985']) Šutara 2008   Funddatum: 17.6.2016 (Wiederfund aus dem Vorjahr, Finderin: G. Feistle)   Fundort: D − BY − Schwaben − Lkr. Donau-Ries − Donauwörth, Sallinger Straße, Parkplatz nordwestlich des Friedhofs und östlich des Tennisheims   Messtischblatt: 7230/4.3.1   Höhe über NN: 410 m   Ökologie: Grünstreifen mit Hecke und einzelnen Bäumen aus Hainbuche (Carpinus betulus) zwischen dem Bürgersteig und den Stellplätzen

Merkmale

Hut: 6,5 cm breit, 3 cm hoch, polsterförmig, Oberfläche gedellt-grubig, wie mit der spitzen Seite eines Hammers bearbeitet, Huthaut matt, weder schmierig noch schleimig oder klebrig, am Rand leicht überstehend, braun auf ockerfarbenem Grund gefleckt, an Schneckenfraßstellen teils rötlich überlaufen

Röhren: ausgebuchtet angeheftet, bauchig, bis zu 9 mm lang, intensiv gelb, auf Druck und im Anschnitt unverändert/nicht blauend

Poren/Röhrenmündungen:  klein, 3−4 pro mm, rundlich bis schwach eckig, wie die Röhren intensiv gelb gefärbt

Sporenpulverfarbe: kein Abdruck angefertigt; laut Literatur oliv-braun (Ladurner & Simonini 2003)

Stiel: 8 cm lang, oben 1,5 cm und unten 4 cm breit, invers und asymetrisch keulig, unteres Stielende mit schwach wurzelndem Fortsatz, aufgerissen (Trockenschaden), schmutzig gelblich bis blass ockerlich, in der Basis weißlich, obere Stielhälfte teils rosa-rötlich überlaufen und vor allem nahe des Hutansatzes mit feinen, gleichfarbigen Schüppchen besetzt

Fleisch: im Hut fest, bis zu 13 mm dick, blass gelblich, im Anschnitt unverändert, unterhalb von Fraßstellen rötlich; im Stiel etwas weicher als im Hut, an der Basis hingegen hart, voll, weißlich bis blass gelblich, vor allem am oberen Stielende nahe der Stielrinde gelb längs gestreift bis marmoriert, im Anschnitt unverändert bis allenfalls schwach bläulich angehaucht; Hut- nahtlos ins Stielfleisch übergehend

Geruch: säuerlich und insbesondere an der Stielbasis unangenehm nach Jodoform bzw. „Medizinschrank“

Anmerkungen

Artabgrenzung

Sehr ähnlich sieht der Fahle Röhrling (Hemileccinum impolitum) aus. Er hat jedoch eine etwas filzigere und weitgehend ebene Hutoberfläche ohne Dellen. Außerdem ist er blasser und ± gleichmäßig gefärbt. Die Merkmale sind jedoch sehr variabel. Am sichersten lassen sich die beiden Arten mikroskopisch anhand der Hutdeckschicht differenzieren: Während H. depilatum vor allem in der Hutmitte kurzelliptische Elemente aufweist, ist die Hutdeckschicht bei H. impolitum fädig-hyphig strukturiert.

Ansonsten kann die Art noch mit einigen der gelb pigmentierten Raustielröhrlingen aus der Gattung Leccinellum verwechselt werden wie z. B. der Gelbporige Raufuß (L. crocipodium) und der Hainbuchen-Raufuß (L. griseum). Deren Fleisch verfärbt sich jedoch im Anschnitt bei Kontakt mit Luftsauerstoff auffallend rasch rötlich, violettlich oder lilafarben und schließlich grau bis schwärzlich.

Andere Röhrlinge mit der Statur eines Steinpilzes und einem vergleichbaren Farbspektrum haben einen genetzten Stiel und/oder blauen im Anschnitt.

Ökologie und Verbreitung

Andreas Gminder (Krieglsteiner 2000) berichtet, dass die Fundstellen in Baden-Württemberg in ausgesprochen wärmebegünstigten Gebieten liegen. Er vermutet, dass die Art lehmige und neutrale bis basische Böden bevorzugt. In drei Fällen konnte eine Mykorrhizabindung mit Hainbuche bestätigt werden, bei fünf weiteren Nachweisen ist lediglich bekannt, dass sie bei Laubbäumen wuchsen. Ladurner & Simonini (2003) geben neben Hainbuche die Europäische Hopfenbuche (Ostrya carpinifolia) als hauptsächlichen Symbiosepartner an und berichten darüber hinaus von Funden unter Eichen (Quercus sp.), immer auf kalkhaltigem Boden. In Pilzkartierung 2000 Online (Schilling & Dobbitsch 2004-2006) existieren zudem Meldungen von Funden bei Linden (Tilia sp.). Laut Ladurner & Simonini ist der Gefleckthütige Röhrling in Mittel- und Nordeuropa in den mittleren Höhenlagen weit verbreitet, scheint aber im Vergleich zum Fahlen Röhrling häufiger in mediterranen Gebieten und/oder in tieferen Lagen vorzukommen.

Namen und Verwandtschaft

Hemileccinum ist eine Gattung aus der Familie der Dickröhrlingsverwandten (Boletaceae) und wird darin der Filzröhrlingsverwandtschaft/Unterfamilie Xerocomoidae zugerechnet. Sie wurde im Jahr 2008 durch den tschechischen Mykologen Josef Šutara basierend auf morphologischen Merkmalen aufgestellt und umfasste zunächst zwei Arten, die zuvor zur Gattung der Dickröhrlinge (Boletus) zählten: den Fahlen Röhrling (H. impolitum) − die Typusart − und den hier vorgestellten Gefleckhütigen Röhrling (H. depilatum). Aufgrund des markanten Jodgeruchs empfehle ich den von Peter Specht vorgeschlagenen, aussagekräftigen deutschen Namen „Jodoformröhrlinge“.

Im Jahr 2014 bestätigten Wu und Kollegen die Abgrenzung der Hemileccinum-Arten von anderen Röhrlingsgattungen und stellten zudem fest, dass die Gattung am nächsten mit Corneroboletus verwandt ist. Letztgenannte Gattung beinhaltet mit C. indecorus lediglich eine einzige in Südostasien verbreitete Art. Ein Jahr später wurde die nordamerikanische Art Hemileccinum subglabripes aufgrund eines DNA-Beweises von den Dickröhrlingen zu den Jodoformröhrlingen transferiert (Halling et al. 2015).

Literatur und Weblinks

  • Lactarius_circellatus_2016-06-21_1Fruchtkörper recht kompakt
  • Lactarius_circellatus_2016-06-21_2Hut mehrfach dunkel zoniert
  • Lactarius_circellatus_2016-06-21_3Lamellen gedrängt und ocker
  • Lactarius_circellatus_2016-06-21_4Verschieden alte Exemplare
  • Lactarius_circellatus_2016-06-21_5Fruktifikation bei Hainbuche

Funddaten

Kollektion: 5 Fruchtkörper   Bestimmung: Lactarius circellatus Fries 1838   Funddatum: 11.6.2016   Fundort: D − BY − Schwaben − Lkr. Donau-Ries − Donauwörth-Neudegger Siedlung, Stauferpark, südlich des Stadions unweit der Altglascontainer   Messtischblatt: 7230/4.3.1   Höhe über NN: 401 m   Ökologie: Grünanlage mit Hainbuche (Carpinus betulus), auf dem mit Rasen bewachsenen und teils mit Grasschnitt bedecktem Boden  Begleitfunga: Hainbuchen-Täubling (Russula carpini) und Netzstieliger Hexen-Röhrling (Suillellus luridus)

Merkmale

Hut: 7,5−10(−15) × 8−10(−15,5) cm breit, 1,5−2(−3,5) cm hoch, rundlich, selten kreisrund, jung flach gewölbt, dann flach ausgebreitet, in der Mitte nabelingsartig vertieft, Rand lange umgebogen, bisweilen eingeschnürt, ungerieft, zuletzt trichterartig vertieft, Rand wellig verbogen, allenfalls partiell schwach höckerig-gerieft, Oberfläche bei feuchter Witterung glänzend und schmierig, aber nicht schleimig, abtrocknend etwas klebrig, trocken matt und etwas rau anfühlend, ocker-grau, zum Rand hin mehrfach konzentrisch violettlich-grau gezont

Lamellen: breit angewachsen, bisweilen schwach ausgebuchtet und mit Zähnchen kurz herablaufend, bogig, später s-förmig (in Stielnähe leicht bauchig, zum Rand hin bogig), bis zu 8 mm breit, dicht gedrängt, mit Lameletten untermischt, bisweilen gestaucht-wellig, auch querverbunden und gegabelt, Schneiden glatt und wie die Lamellenfläche gefärbt, jung weißlich-cremefarben, später durch das ausfallende Sporenpulver ockerfarben

Sporenpulver: ocker

Stiel: 5−7 cm lang, 1,5−2(−3 x 4) cm dick, unregelmäßig zylindrisch, meist invers schlank-keulig verdickt, bisweilen gequetscht, basal auch längs gefurcht, gerade bis schwach wellig verbogen, basal mit bis zu zwei Fruchtkörpern verwachsen, Oberfläche matt, deutlich blasser als der Hut gefärbt, weißlich, später hellocker-gräulich

Fleisch: weiß, später basal und unter der Stielrinde auch blass ocker getönt; im Hut bis zu 18 mm dick; im Stiel ohne Faserrichtung, zunächst voll, später hohl

Milchsaft: reichlich, weiß, sehr langsam blass gelblich verfärbend

Geruch: würzig

Geschmack: zunächst mild mit leicht bitterer Komponente, nach etwas Kauen schärflich

Anmerkungen

Artabgrenzung

Der Doppelgänger des Gebänderten Hainbuchen-Milchlings ist der Scharfe Hasel-Milchling (Lactarius pyrogalus). Beide Arten haben mehr oder weniger gleiche Hut- und Lamellenfarben, auch die zebra-artig gemusterte Sporenornamentation ist nahezu identisch, wenngleich bei L. circellatus stärker ausgeprägt. L. pyrogalus hat schlankere Fruchtkörper, einen kaum oder nur andeutungsweise gezonten Hut mit einer schmierigeren Oberfläche, entfernter stehende und noch stärker ocker gefärbte Lamellen und ist mit Haseln (Corylus sp.) vergesellschaftet. Darüber hinaus besitzt der Scharfe Hasel-Milchling längere sterile Elemente auf der Lamellenfläche (Pleuromakrozystiden) als die hier vorgestellte Art: Gröger (2014) gibt für L. circellatus 50−70(−80) µm und für L. pyrogalus 50−100(−110) µm an.

Ähnlich können auch der Graugrüne Milchling (L. blennius) und der Braunfleckende Milchling (L. fluens) aussehen. Sie haben aber blassere Lamellen und wachsen bei Rot-Buche (Fagus sylvatica), letzterer seltener auch bei Hainbuche. Auffallend sind bei L. fluens die namensgebenden braunfleckenden Lamellen und oft eine weißliche Zone am Hutrand. Außerdem besitzen beide Milchlinge eine andere Sporenornamentation aus mehreren verbundenen Graten und vereinzelten geschlossenen Maschen.

Namen

Fries' Originaldiagnose von L. circellatus erlaubt verschiedene Interpretationen, weshalb sich Heilmann-Clausen, Verbeken und Vesterholt (2000) dazu entschlossen haben, der Interpretation von Neuhoff (1956) zu folgen, um nomenklatorische Verwirrungen zu vermeiden. Dies entspricht auch dem gegenwärtigen Gebrauch der Namen.

Literatur

  • Fries, E. M. (1838): Epicrisis Systematis Mycologici: 338.
  • Gröger, F. (2014): Bestimmungsschlüssel für Blätterpilze und Röhrlinge in Europa, Teil II. Regensb. Mykol. Schr. 17: 483.
  • Heilmann-Clausen, J. et al. (2000): The genus Lactarius. Fungi of Northern Europe, Vol. 2. Svampetryk, Tilst (DK): 50−51.
  • Knudsen, H. & J. Vesterholt (2012): Funga Nordica, 2nd ed. Agaricoid, boletoid, clavarioid, cyphelloid and gastroid genera. Nordsvamp, Kopenhagen (DK): 136.
  • Krieglsteiner, G. J. et al. (2000): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 2. Ständerpilze: Leisten-, Keulen-, Korallen- und Stoppelpilze, Bauchpilze, Röhrlings- und Täublingsartige. Eugen Ulmer, Stuttgart: 399−400 (Darin fälschlicherweise mit dem Scharfen Hasel-Milchling (Lactarius pyrogalus) vermengt.)
  • Laux, H. E. (2015): Der große Kosmos Pilzführer. Kosmos, Stuttgart: 442.
  • Neuhoff, W. (1956): Die Milchlinge (Lactarii). Die Pilze Mitteleuropas, Bd. 2b. Klinkhardt, Bad Heilbrunn.
  • Leccinellum_crocipodium_2016-08-20_1Stiel schräg, Hut waagrecht
  • Leccinellum_crocipodium_2016-08-20_2Huthaut mit dem Alter rissig
  • Leccinellum_crocipodium_2016-08-20_3Poren/Röhrenmündungen gelb
  • Leccinellum_crocipodium_2016-08-20_4Standortaufnahme
  • Leccinellum_crocipodium_2016-08-22_1Exemplar mit Schneckenfraß
  • Leccinellum_crocipodium_2016-08-22_2Hutrand die Röhren überragend
  • Leccinellum_crocipodium_2016-08-22_3Stielschüppchen braun
  • Leccinellum_crocipodium_2016-08-22_4Fleisch langsam schwärzend

Funddaten

Kollektionen: 1 Fruchtkörper, 1 weiteres Exemplar am 22.8.2016 ostsüdöstlich vom Fundpunkt in ca. 130 m Luftlinie nachgesammelt   Bestimmung: Leccinellum crocipodium (Letellier 1838) Della Maggiora & Trassinelli 2014   Funddatum: 20.8.2016   Fundort: D − BY − Schwaben − Lkr. Donau-Ries − Donauwörth-Riedlingen, Riedlinger Holz   Messtischblatt: 7230/3.4.3   Höhe über NN: 508 m   Ökologie: am Fuß einer Stiel-Eiche (Quercus robur), außerdem Hainbuche (Carpinus betulus) und Rot-Buche (Fagus sylvatica) in der Umgebung

Merkmale

Hut: 22–74 mm breit, 15–35 mm hoch, polsterförmig bis fast halbkugelig, Oberfläche leicht uneben, aber keine Runzeln und Gruben wie beim Hainbuchen-Raufuß oder Gefleckthütigen Röhrling, Huthaut matt, jung filzig, dann verkahlend, die Röhren überlappend, gerne eingerissen, ocker-bräunlich, beim großen Exemplar kleinfelderig aufgerissen, dort gelbliches Hutfleisch sichtbar, einige Stellen leicht schwärzlich, wie etwas angekokelt wirkend

Röhren: tief ausgebuchtet angeheftet, bauchig, bis zu 10–15 mm lang, gelb, mit zunehmendem Alter oliv gefärbt

Poren/Röhrenmündungen: klein, 2−3(−5) pro mm, rund, oval bis etwas längs gezogen, wie die Röhren gelb und später oliv gefärbt, auf Druck bräunend

Sporenpulverfarbe: kein Abdruck angefertigt; laut Literatur oliv-braun (Muñoz 2005)

Stiel: 60−105 mm lang, zylindrisch, dickste Stelle 19−22 mm breit, am oberen Stielende bis zu 8 mm verjüngt, jung etwas bauchig, später umgekehrt schlank keulig, Oberfläche matt, blass gelblich mit feinen bräunlich-schwarzen Schüppchen, im oberen Stielbereich gröber geschuppt

Fleisch: im Hut zunächst fest, bald schon schwammig weich, 10−15 mm dick, weiß; im Stiel fester als im Hut, im Alter holzig-hart, voll, längsfaserig; Hut- nahtlos ins Stielfleisch übergehend, schmutzig weißlich bis blass gelblich, sowohl im Hut als auch im Stiel bei Luftkontakt in wenigen Minuten bräunend, in der Stielbasis bläulich getönt

Geruch: angenehm säuerlich

Anmerkungen

Typische Merkmale

Der Gelbporige Raufuß kann hierzulande leicht durch die bei Trockenheit felderig-rissige Huthaut, die gelbporige Röhrenschicht, die zunächst dem Stiel gleichfarbigen und dann braunen Stielschüppchen sowie das rasch rötende und mit der Zeit schwärzlich verfärbende Fleisch identifiziert werden.
 

Artabgrenzung

Der wärmeliebende Röhrling ist eine Charakterart temperierter Eichen-Hainbuchen-Wälder mit schweren Lehmböden, wohingegen potenzielle Doppelgänger wie der Grüneichen-Raufuß (Symbiose mit Stein-/Grün-Eiche [Quercus ilex] und Kork-Eiche [Q. suber]) und der Zistrosen-Raufuß (Symbiose mit Zistrosen [Cystus sp.]und Sonnenröschen [Helianthemum sp.]) mediterrane Regionen besiedeln, in denen L. crocipodium kaum bekannt ist.

Gefährdung

Frank Dämmrich und Mitautoren (2016) weisen den Gelbporigen Raufuß in der Roten Liste der Großpilze Deutschlands als „Gefährdet“ (Kategorie 3) aus. Sie erachten die aktuelle Bestandssituation als „mäßig häufig“. Den kurzfristigen Bestandstrend bewerten sie mit „starke Abnahme“, den langfristigen Bestandstrend mit „Rückgang, Ausmaß unbekannt“.

Karasch & Hahn (2009) weisen die Art In der „Roten Liste der Großpilze Bayerns“ ebenfalls als „Gefährdet“ (Kategorie 3) aus und merken zur Gefährdungskategorie an:

Diese Arten haben deutliche Bestandsverluste in großen Teilen des Bezugsraumes zu verzeichnen. Wenn Gefährdungsfaktoren und -ursachen weiterhin einwirken und Schutz- und Hilfsmaßnahmen nicht unternommen werden bzw. wegfallen, kann dies das lokale Erlöschen der Art zur Folge haben.

Gminder (2000) schreibt zum Bestand und zur Gefährdung von L. crocipodium in Baden-Württemberg:

Der Gelbporige Raufuß geht aufgrund seiner Vorliebe für wärmeliebende, natürliche Eichenwaldgesellschaften sowohl durch die äußeren Umwelteinflüsse als auch durch die forstlichen Maßnahmen immer weiter zurück. Die Fähigkeit zur Ansiedelung an sekundären Standorten ist eher mäßig.

Schutz

In der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) wird der Gelbporige Raufuß klassisch zur Gattung Leccinum mit den Birkenpilzen und Rotkappen gezählt. Gemäß Anlage 1 zählt er zwar zu den „besonders geschützten Arten zu § 1 Satz 1“, allerdings werden alle heimischen Birkenpilze und Rotkappen (Leccinum spp.) unter § 2 Ausnahmen aufgeführt und dürfen demnach in geringen Mengen für den eigenen Bedarf der Natur entnommen werden.

Gattungsüberblick

Gegenwärtig umfasst die Gattung Leccinellum weltweit acht Arten:

Deutscher Name Wissenschaftlicher Name Autorenzitat
  Leccinellum albellum (Peck 1888) Bresinsky & Manfred Binder 2003
Hainbuchen-Raufuß Leccinellum carpini (R. Schulz 1924) Bresinsky & Manfred Binder 2003
Zistrosen-Raufuß Leccinellum corsicum (Rolland 1896) Bresinsky & Manfred Binder 2003
Gelbporiger Raufuß Leccinellum crocipodium (Letellier 1838) Della Maggiora & Trassinelli 2014
Grüneichen-Raufuß Leccinellum lepidum (H. Bouchet ex Essette 1965) Bresinsky & Manfred Binder 2003
  Leccinellum quercophilum Michael Kuo 2013
  Leccinellum rhodoporosum (Haruki Takahashi 2007) Haruki Takahashi 2016
  Leccinellum viscosum (Halling & B. Ortiz 2009) Mikšík 2016


Bresinsky und Binder definieren die Gattung Leccinellum mit dem Gelbporigen Raufuß als Typusart wie folgt:

Röhrlinge mit rund um den Stiel eingesenkter Röhrenschicht und mit rau punktierten Stielen. Fleisch an der Luft sofort und ziemlich stark rötlichviolett, violettgrau anlaufend und z.T. zunächst gelb gefärbt. HDS (Anm.: Hutdeckschicht) aus Kugelzellen oder aus Ketten kurzgliedriger Zellen. Nicht mit Birken oder Zitterpappcln assoziiert.

Die Autoren merken außerdem an, dass Leccinellum-Arten als nächstes mit den Laubtrüffeln (Octavianina) verwandt sind und ordnen die Gattung sogar der Familie der Laubtrüffelverwandten (Octavianinaceae) zu. Gegenwärtig wird die Gattung allerdings wie die Leccinum-Arten unter den Dickröhrlingsverwandten (Boletaceae) geführt. Als zweite Art stellen Bresinsky und Binder den vergleichsweise häufigen Hainbuchen-Raufuß (L. griseum) zu Leccinellum. (Bresinsky & Besl 2003)

Verwandtschaft

Die Raustielröhrlinge aus Nord- und Mittelamerika sind derzeit Gegenstand molekularbiologischer Untersuchungen. Michael Kuo und Beatriz Ortiz-Santana (2014) schreiben, ihre Ergebnisse deuten darauf hin, dass es notwendig sein wird, die Taxonomie der Raustielröhrlinge zu überarbeiten. Einige vorläufige Erkenntnisse haben die Autoren in ihrem Poster „Phylogeny and species delimitation of North American leccinoid fungi“ auf der 2014-Sitzung der Mykologischen Gesellschaft von Amerika vorgestellt. Darauf weisen sie sechs Verwandtschaftsgruppen aus:

  1. Die Leccinum-Gruppe (Arten der Leccinum-Sektionen Leccinum und Scabra),
  2. die Octaviania-Gruppe (Laubtrüffel-Arten),
  3. die Leccinum-viscosum-Gruppe (die Arten Leccinum viscosum, L. violaceotinctum und L. quercophillum),
  4. die Leccinellum-Gruppe (Leccinellum- und Rossbeevera-Arten),
  5. die Boletus-longicurvipes-Gruppe (Dickröhrlinge der Sektion Pseudoleccinum ss. Smith & Thiers) und
  6. die Chamonixia-Gruppe (Blauende Bergtrüffel/Blaunuss [Chamonixia caespitosa])

Die Leccinum-viscosum- und die Leccinellum-Gruppen werden den Autoren zufolge statistisch nicht gestützt.

Orihara, T. et al. (2016) gliedern die „leccinoid clade“ basierend auf den molekularbiologischen Untersuchungen dreier nuklearer (ITS, nLSU, EF-1α) und zwei mitochondrialer DNA-Regionen (ATP6 und mtSSU) in die vier Gattungen Chamonixia, Octaviania, Turmalinea sowie Rossbeevera mit trüffelartigen Fruchtkörpern und die beiden Gattungen Leccinum sowie Leccinellum mit in Hut und Stiel gegliederten Fruchtkörpern.

Namen und Wortherkunft

Die von Bresinsky und Besl (2003) vorgenommene Umkombination des Taxons von Leccinum in Leccinellum ist ungültig, weil das falsche Basionym angegeben wurde (siehe Artikel 33.3 des St. Louis Code [Greuter et al. 2000)]). Die Korrektur erfolgte durch Della Maggiora in 2014.

Der Gattungsname Leccinellum geht wie Leccinum auf das italienische Substantiv „leccio“ für „Stein-Eiche“ zurück. Jene Eichenart besitzt stachelig-gezähnte Blätter, kleine Eicheln und ist in Italien der häufigste Symbiosepartner der Eichen-Rotkappe. Der zweite Namensteil „crocipodium“ besteht aus den beiden griechischen Wortelementen: „croc-“ und „pod-“. Ersteres basiert auf dem Substantiv „croci“ für „Safran, Safranfarbe“ und zweiteres auf dem Substantiv „pódion“ für „Füßchen“. (Genaust 2005, Iannotti et al. 2016, Werner 1972)

Pigment

Für die gelbe Erscheinung der Fruchtkörper ist das orange-rote Pigment „Crocipodin“ verantwortlich. Lydia Kerschensteiner und Kollegen (2011) gelangten zu nachstehender Schlussfolgerung (übersetzt aus dem Englischen):

Die Struktur von Crocipodin wurde durch spektroskopische Nachweise aufgeklärt und durch Totalsynthese bestätigt. Das Auftreten eines Benzotropolonpigments in Leccinum ist außergewöhnlich. Andere gelbe Arten, wie die nordamerikanischen L. rugosiceps ssp. corrugis und L. rubropunctum verdanken ihre Farbe polyhydroxypulvinischen Säuren. Benzotropolone wurden bisher nicht von Röhrlingen isoliert, sind jedoch von dem Blätterpilz Tricholoma aurantium (Anm.: Orangeroter Ritterling) und dem Porling Fomes fomentarius (Anm.: Zunderschwamm) bekannt.

Untersuchte Kollektionen

Die Beschreibung bezieht sich sowohl auf den Fruchtkörper auf den Bildern 1−4 als auch auf das nachgesammelte Exemplar auf den Bildern 5−8 (siehe obige Angaben unter „Kollektionen“), um die Variabilität der Art zu verdeutlichen.

Literatur und Weblinks

  • Morchella_esculenta_agg_2016-04-22_1Kopfteil braun-ocker meliert
  • Morchella_esculenta_agg_2016-04-22_2Leisten marginal heller
  • Morchella_esculenta_agg_2016-04-22_3Stiel längs gefurcht
  • Morchella_esculenta_agg_2016-04-22_4Stielbasen teils gestelzt
  • Morchella_esculenta_agg_2010-05-01Stielbasis ähnlich Mangroven
  • Morchella_esculenta_agg_2009-05-02Alveolen/Mulden jung recht groß

Funddaten

Kollektion: 3 Frk.   Bestimmung: Morchella esculenta (Linnaeus 1753 : Fries 1822) Persoon 1801 agg.   Finder: Elfriede Appelt et al.   Funddatum: 22.4.2016   Fundort: D − BY − Schwaben − Kaufbeuren − auwaldartige Uferböschung   Messtischblatt: 8129/2.1.2   Höhe über NN: 665 m   Ökologie: auwaldartiger Uferbereich auf mäßig feuchtem und kalkhaltigem Boden; Baumbestand aus Rot-Buche (Fagus sylvatica) und Gemeiner Esche (Fraxinus excelsior); Bodenbewuchs aus Giersch (Aegopodium podagraria) und Busch-Windröschen (Anemone nemorosa)

Merkmale

Kopfteil: 50–60 mm lang, 40–55 × 45–70 cm im Durchmesser, unten meist breit ausladend und nach oben etwas verjüngt, aber runder als bei der Grauen Speise-Morchel (Morchella vulgaris), mit überwiegend gleich großen und lediglich jung bzw. im Alter am Stielansatz etwas längsgezogenen Alveolen, im Durchmesser bis zu 2,5 cm groß, am Stiel leicht ausgebuchtet angewachsen und dort mit schmaleren Alveolen, jung zunächst grau-braun mit marginal helleren Leisten, später fleckig-meliert braun und beige, matt

Stiel: 45–60 mm lang, apikal 11–18 × 17–28 mm und basal 30–35 × 20–35 mm breit, nach unten erweitert und dadurch in der Silhouette an einen Baumstumpf erinnernd, zur Basis hin gefurcht, eingedellt und bisweilen mangrovenartig gestelzt, schmutzig weißlich bis blass cremefarben, matt

Fleisch: im Kopfteil hohl mit bis zu 2 mm dicker Wandung und bis zu 17 mm breiter Alveolenschicht; im Stiel hohl mit bis zu 3 mm dicker Wandung, basal längs gefaltet und dadurch fast vollständig ausgefüllt, schmutzig weißlich bis blass cremefarben, teils etwas glasig; Innenflächen des Kopfteils und des Stiels kleiig-feinkörnig besetzt

Geruch: fein säuerlich, im Anschnitt spermatisch

Anmerkungen

Verwandtschaft und Arteingrenzung

Bei der Kollektion handelt es sich um eine der Speise-Morcheln, also eine Art aus der Sektion Morchella bzw. der Esculenta-Klade. Die Artengruppe wird im englischen Sprachraum auch als „yellow morels“ bezeichnet. Die genaue Art ist indes unklar: Morphologisch ähneln die Fruchtkörper am ehesten denen auf dem Farbfoto des Epitypus' von Morchella esculenta in Richard et al. 2015. Aber ohne DNA-Untersuchungen endet die Arteingrenzung des Funds in der Sektion Morchella.

Literatur

  • Richard, F. et al. (2015): True morels (Morchella, Pezizales) of Europe and North America: evolutionary relationships inferred from multilocus data and a unified taxonomy. Mycologia 107(2): 359–382. (zuerst online veröffentlicht im Dezember 2014)
  • Morchella_semilibera_2016-04-19_1Stiel mit Längsfurchen
  • Morchella_semilibera_2016-04-19_2Kappe deutlich längs gerippt
  • Morchella_semilibera_2016-04-19_3Stielbekleidung kleiig-körnig
  • Morchella_semilibera_2016-04-19_4Gesamte Kollektion
  • Morchella_semilibera_Habitat_2016-04-19Aufnahme des Habitats
  • Morchella_semilibera_2016-04-19_5Längsschnitt durch einen Frk.

Funddaten

Kollektion: 7 von 9 Frk.   Bestimmung: Morchella semilibera De Candolle 1805   Funddatum: 19.4.2016   Fundort: D − BY − Schwaben − Donauwörth − Auwaldstreifen am Nordufer der Donau   Messtischblatt: 7431/1   Höhe über NN: ca. 430 m   Ökologie: auwaldartiger Streifen im Anschluss des Flussdamms auf frischem, kalkhaltigem Boden; Baumschicht hauptsächlich bestehend aus Gemeiner Esche (Fraxinus excelsior) mit eingestreuten Linden (Tilia sp.); Strauchschicht vornehmlich aus Weißdorn (Crataegus sp.) und Schwarzem Holunder (Sambucus nigra); Bodenbewuchs überwiegend aus Scharbockskraut (Ficaria verna), Hain- oder Hecken-Ehrenpreis (Veronica sublobata), Kletten-Labkraut (Galium aparine) und vereinzelter Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata), im weiteren Umkreis im Saumbereich des Gehölzes eine Gruppe des Gelben Windröschens (Anemone ranunculoides)

Merkmale

Kopfteil: 17–30 mm lang, am Kappenrand 15–30 × 13–30 mm im Durchmesser, kegelig bis zipfelmützenartig zugespitzt, etwa in der Mitte der Hutlänge mit dem Stiel verwachsen, sonst frei, ab  und zu auch den Stiel scheidenartig umschließend, mit ausgeprägten und durch kürzere Rippen querverbundene, machmal gegabelte Längsrippen, hellbraun, Rippen bald strichartig dunkel- bis schwarzbraun eintrocknend, dem Stiel zugewandte Innenseite glatt bis etwas rau, blass ockerfarben

Sporenpulver: kein Sporenpulverabdruck angefertigt

Stiel: 7–12 cm lang, geschwungen, selten gerade, bisweilen gekniet, unregelmäßig zylindrisch, partiell eingedellt, zur Basis hin gerne etwas aufgeblasen, hier 10–29 × 9–14 mm breit, basal gefurcht und kurz ausspitzend, zum Hutansatz hin gleichmäßig schmaler werdend, dort 7–19 × 6–15 mm breit, zunächst weißlich, bald mit blassocker Farbtönen, Oberfläche überwiegend längsrunzelig und auffallend kleiig-körnig besetzt

Fleisch: Rippung des Huts bis zu 6 mm dick, im Querschnitt meist ± dreieckig; im Stiel hohl, innere Oberfläche feinkörnig granuliert, Stielwand bis zu 3 mm dick, weißlich bis hellocker, teils etwas glasig, sowohl im Hut als auch Stiel wachsartig-brüchig

Geruch: schwach und im Anschnitt intensiv spermatisch

Anmerkungen

Verwandtschaft und Namen

Bei der Kollektion handelt es sich um eine der Halbfreien Morcheln. Die Artengruppe ist nahe mit den Spitz-Morcheln verwandt und taxonomisch in der gleichen Sektion Distantes bzw. der Elata-Klade angesiedelt. Sie werden im englischen Sprachraum auch als „half-free morels“ bezeichnet, für Spitz-Morcheln ist der Name „black morels“ gebräuchlich. DNA-Untersuchungen ergaben, dass es sich bei den Halbfreien Morcheln, die makroskopisch nahezu identisch erscheinen, um einen schwierigen Artkomplex handelt, der aus drei geografisch isolierten Arten besteht. (O'Donnell et al. 2011) Weil de Candolle mit M. semilibera Fruchtkörper aus Europa beschrieb, sollte der wissenschaftliche Name auf die europäische Art beschränkt werden. Im Jahr 2012 wurde M. populiphila aus dem westlichen Nordamerika beschrieben, während Pecks im Jahr 1903 aufgestellter Name M. punctipes für die Halbfreien Morcheln aus dem östlichen Nordamerika nochmals bestätigt wurde. (Kuo et al. 2012)

Demnach kommt bei diesem Fund ausschließlich Morchella semilibera infrage. Typisch sind der im Vergleich zum Hut deutlich längere, ± zur Hälfte mit dem Kopfteil verwachsene und hohle Stiel sowie die kleiig-körnige Stieloberfläche. Bei den Spitz-Morcheln geht hingegen der Stiel nahtlos in das Kopfteil über und der Stiel ist glatt beschaffen. Die ähnlich aussehenden Verpeln (Verpa sp.) lassen sich durch das lediglich an der Stielspitze angewachsene und ansonsten frei hängende Kopfteil unterscheiden. Zudem ist deren Stiel wattig ausgefüllt und allenfalls hohl gekammert. Auch die Stieloberfläche differiert: Sie ist mit feinen weißen, quer verlaufenden und dadurch genattert erscheinenden Schüppchen bekleidet.

Im Jahr 2014 haben Moreau et al. die Konservierung des Namens Morchella semilibera gegen ältere Synonyme beantragt, einschließlich Phallus crassipes, P. gigas and P. undosus. Diese durch Elias Magnus Fries sanktionierten Namen haben sich inzwischen als die gleiche Spezies wie M. semilibera herausgestellt.

Literatur und Weblinks

  • Rugosomyces_chrysenteron_2016-08-06_1Verschieden alte Fruchtkörper
  • Rugosomyces_chrysenteron_2016-08-06_2Lamellen goldgelb, eng stehend
  • Rugosomyces_chrysenteron_2016-08-06_3Hut bräunlich-orange, glatt
  • Rugosomyces_chrysenteron_2016-08-06_4Farbtupfer im Moosbett
  • Rugosomyces_chrysenteron_2016-08-06_5Bodensaurer Fichtenforst

Funddaten

Kollektion: 9 Fruchtkörper   Bestimmung: Rugosomyces cf. chrysenteron (Bulliard 1792) Bon 1991   Funddatum: 06.08.2016   Fundort: D − BY − Schwaben − Lkr. Donau-Ries − Mertingen − Mertinger Forst   Messtischblatt: 7330/4.2.1   Höhe über NN: ca. 420m   Ökologie: bodensaurer Fichtenforst im Traufbereich eines bemoosten, mit Gräsern bewachsenen und selten befahrenen Waldbewirtschaftungswegs   Begleitfunga: Nadel-Stinkschwindling (Gymnopus perforans)

Merkmale

Hut: 1−4,5 cm breit, 5−8 mm hoch, rund, bei einem Exemplar an einer Stelle eingeschnürt, jung schwach gebuckelt, bald schon flach ausgebreitet und bisweilen mittig schwach vertieft, dünnfleischig, Rand eng zum Stiel hin umgebogen, im Alter scharfrandig, Oberfläche fettig-glänzend, wachsartig brüchig-rissig, dumpf orange-gelb, Mitte mit mehr Brauntönen, hygrophan, von der Mitte aus ocker-gelb ausblassend

Lamellen: schmal, nur bis zu 3 mm breit, breit bis gerade angewachsen, bisweilen etwas am Stiel herabgezogen, bogig bis gerade, allenfalls im Alter marginal bauchig, dünn, dicht gedrängt, besonders zum Rand hin mit zahlreichen Lameletten untermischt, Schneiden glatt und wie die Lamellenfläche goldgelb gefärbt

Sporenpulver: Abwurfpräparat umfasste nur wenig helles Sporenpulver; lt. Laux (2015) weiß

Stiel: 1,5−3,5 cm lang, basal 2−5 mm und apikal 4−10 mm dick, zylindrisch, geschwungen, goldgelb, unteres Stielende gelb-bräunlich

Fleisch: im Hut bis zu 8 mm dick, hellgelb, unterhalb der Huthaut intensiv gelb; im Stiel voll, wie das Hutfleisch hellgelb gefärbt, basal bräunlich

Geruch: mehlartig

Literatur

  • Bon, M. (2016): Pareys Buch der Pilze. 2. Aufl. Franckh Kosmos, Stuttgart: 166.
  • Gröger, F. (2006): Bestimmungsschlüssel für Blätterpilze und Röhrlinge in Europa, Teil I. Regensb. Mykol. Schr. 13: 184.
  • Kalamees, K. (2012): Rugosomyces Raithelh. Calocybe sects Pseudoflammulae Singer and Carneoviolaceae Singer. In: Knudsen, H. & J. Vesterholt (2012): Funga Nordica, 2nd ed. Agaricoid, boletoid, clavarioid, cyphelloid and gastroid genera. Nordsvamp, Kopenhagen (DK): 593.
  • Laux, H. E. (2015): Der große Kosmos Pilzführer. Franckh Kosmos, Stuttgart: 170.
  • Ludwig, E. (2001): Pilzkompendium (Beschreibungen), Bd. 1. Die kleineren Gattungen der Makromyzeten mit lamelligem Hymenophor aus den Ordnungen Agaricales, Boletales und Polyporales. IHW-Verlag, Eching: 44.
  • Krieglsteiner, G. J. et al. (2001): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 3. Ständerpilze: Blätterpilze I (Hellblättler). Eugen Ulmer, Stuttgart: 138−139.
  • Russula_aurea_2016-06-23_1Stiele lebhaft gelb überhaucht
  • Russula_aurea_2016-06-23_2Hüte freudig orange-gelb
  • Russula_aurea_2016-06-23_3Lamellen blass gelblich
  • Russula_aurea_2016-06-23_4Lamellenschneiden chromgelb
  • Russula_aurea_2016-06-23_5Fruchtkörper verschieden alt

Funddaten

Kollektion: 3 Fruchtkörper (Rest aufgrund von Schimmelbefall entsorgt)   Bestimmung: Russula aurea Persoon 1796   Funddatum: 23.6.2016   Fundort: D − BY − Schwaben − Lkr. Donau-Ries − Donauwörth-Parkstadt, Grünanlage an der Ecke Schlesier- und Andreas-Mayr-Straße   Messtischblatt: 7230/4.2.3   Höhe über NN: 505 m   Ökologie: Hainbuche (Carpinus betulus), Rot-Buche (Fagus sylvatica) und Eiche (Quercus sp.) auf spärlich bewachsenem Boden

Merkmale

Hut: 2,5−8 cm breit, 1,5−2,5 cm hoch, jung annähernd kugelig, dann gewölbt und mittig abgeflacht bis eingesenkt, später am Rand nach oben gewölbt und etwas gewellt, scharfrandig, Rand jung ungerieft, doch bald schon höckerig-gerieft, Oberfläche matt, schwach klebrig, teils mit Erdpartikeln behaftet, Huthaut bis zur Hälfte des Hutradius´ abziehbar und erreicht bisweilen nicht den Rand, ungleichmäßig blutrot, marsrot, orange und gelb-orange gefleckt, am Hutrand mit mehr Gelbtönen, jung auch mit dunkelrotem Randbereich

Lamellen: spröde, ausgebuchtet angewachsen, jung schwach und im Alter ausgeprägt bauchig, dicht gedrängt, vereinzelt mit Lamelletten untermisch, ungegabelt, am Grund queraderig verbunden, jung weiß, bald gelblich, Schneiden gerade, glatt und zur Lamellenfläche kontrastierend chromgelb gefärbt

Sporenpulver: ocker

Stiel: 2,5−5 cm lang, zylindrisch, zur Basis hin verjüngt, am oberen Ende etwas erweitert, (oberes Stielende 11−22 cm und unteres Stielende 10−20 × 22 mm dick), selten umgekehrt keulig, gerade bis etwas geschwungen, Stielrinde schwach längs gefasert und bisweilen längs gefurcht, weiß, gelb überlaufen

Fleisch: im Hut 6−11 mm dick, nur jung fest, dann weich, weiß, unter der Huthaut bis zu 2 mm tief gelblich gefärbt; im Stiel ohne Faserrichtung (brüchig wie Käse), zunächst fest und voll, bald schon schwammig-weich bis beinahe wattig ausgefüllt, abgesehen von der bis zu 3 mm dicken Stielrinde, weiß

Geruch: unspezifisch, im Anschnitt mit fruchtiger Komponente

Geschmack: in allen Teilen mild, auch nach längerem Kauen

Anmerkungen

Artabgrenzung

Typische Formen des Gold-Täublings, wie hier vorgestellt, lassen sich durch das gelb gefärbte Fleisch unter der der Huthaut, die zitronen- bis chromgelben Lamellenschneiden und den von der Basis aus zitronengelb überlaufenen Stiel leicht erkennen. Seltene völlig dunkelrote Exemplare zeigen meist chromgelbe Flecken. Daneben existiert noch die Form axantha gänzlich ohne gelbe Pigmentierung, deren Abgrenzung von anderen rothütigen Täublingen eine mikroskopische Untersuchung erfordert: R. aurea hat ein Sporenornament aus gratig bis netzig verbundenen Warzen und die Huthaut weist weder Dermatozystiden noch inkrustierte Hyphen auf (Bon 2016).

Namen

Viele Jahre wurde der Gold-Täubling unter dem wissenschaftlichen Namen Russula aurata geführt. Das Taxon wurde von dem englischen Naturforscher William Withering als Agaricus auratus erstbeschrieben und von Elias Magnus Fries im Jahr 1838 in die Gattung Russula gestellt. Die Art wurde aber bereits 1796 von Christian Hendrik Persoon als Russula aurea beschrieben: Der Name ist älter und hat deshalb Priorität.

Beide Namensbestandteile „auratus“ bzw. „aurata“ und „aurea“ leiten sich vom lateinischen Adjektiv „aureus“ (= vergoldet, vergolden) ab, zu lat. „aurum“ (= Gold), und beziehen sich auf das goldgelbe Fleisch unter der Huthaut. (Genaust 2005)

Literatur

  • Bon, M. (2016): Pareys Buch der Pilze. Kosmos, Stuttgart: 68.
  • Einhellinger, A. (1994): Die Gattung Russula in Bayern. Bibliotheca Mycologica, Bd. 112. Cramer, Berlin-Stuttgart: 34–36. (geführt als R. aurata)
  • Genaust, H. (2005): Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3. Aufl. Nikol, Hamburg: 87.
  • Gröger, F. (2014): Bestimmungsschlüssel für Blätterpilze und Röhrlinge in Europa, Teil II. Regensb. Mykol. Schr. 17: 514.
  • Knudsen, H., J. Ruotsalainen & J. Vauras (2012): Key L: Sect. Polychromae Maire subsect. Polychromae (incl. subsect. Auratinae Bon). In: Knudsen, H. & J. Vesterholt (2012): Funga Nordica, 2nd ed. Agaricoid, boletoid, clavarioid, cyphelloid and gastroid genera. Nordsvamp, Kopenhagen (DK): 182–183.
  • Krieglsteiner, G.J. [Hrsg.] (2000): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 2. Leisten-, Keulen-, Korallen- und Stoppelpilze, Bauchpilze, Röhrlings- und Täublingsartige. Eugen Ulmer, Stuttgart: 497−498.
  • Laux, H. E. (2015): Der große Kosmos Pilzführer. Kosmos, Stuttgart: 412.
  • Sarnari, M. (2005): Monografia illustrata del Genere Russula in Europa, Tomo Secondo. AMB, Centro Studi Micologici, Trento: 1072−1078.
  • Schaeffer, J. (1933): Russula-Monographie. Annales Mycologici 31(3): 305–516. (geführt als R. aurata)
  • Russula_carpini_2016-06-04_01Hüte wechselfarbig rot, braun,
  • Russula_carpini_2016-06-04_02...violett, grünlich, ocker usw.
  • Russula_carpini_2016-06-04_03Hutrand oft höckerig-gerieft
  • Russula_carpini_2016-06-04_04Lamellen bisweilen gegabelt
  • Russula_carpini_2016-06-04_05...und queraderig verbunden
  • Russula_carpini_2016-06-04_06Sporenpulver dottergelb
  • Russula_carpini_2016-06-04_07Verschieden alte Exemplare
  • Russula_carpini_2016-06-04_08...aus anderer Perspektive
  • Russula_carpini_2016-06-04_09Ein Trupp in der Krautschicht
  • Russula_carpini_2016-06-04_10Frk. im Alter stark gilbend
  • Russula_carpini_2016-06-04_11Wuchs rings um eine Hainbuche

Funddaten

Kollektion: 7 Fruchtkörper von ca. 2 Dutzend Exemplaren  Bestimmung: Russula carpini Heinemann & R. Girard 1956   Funddatum: Beobachtungszeitraum vom 2.6. bis 9.6.2016, aufgesammelt am 4.6.2016   Fundort: D − BY − Schwaben − Lkr. Donau-Ries − Donauwörth-Neudegger Siedlung, Stauferpark   Messtischblatt: 7230/4.3.1   Höhe über NN: 401 m   Ökologie: Grünanlage nördlich und außerhalb des Stadions, südlich eines unbefestigten Weges und unweit eines kleinen Holzstegs, rings um eine Hainbuche (Carpinus betulus) auf spärlich bewachsenem und mit Laub bedecktem Boden, zwei weitere Hainbuchen im Einzugsbereich − dort jedoch nur vereinzelte Fruchtkörper; Krautschicht aus Hartriegel (Cornus sp.), Weißdorn (Crataegus sp.), Ruprechtskraut (Geranium robertianum), Echte Nelkenwurz (Geum urbanum), Gundermann (Glechoma hederacea), Gewöhnlichem Liguster (Ligustrum vulgare), außerdem Naturverjüngung aus Feld-Ahorn (Acer campestre), Spitz-Ahorn (Acer platanoides), Hainbuche, Eiche (Quercus sp.) und Weide (Salix sp.); im Randbereich der Fruktifikationsfläche Giersch (Aegopodium podagraria), Wiesen-Fuchsschwanz (Alopecurus pratensis), Gewöhnliches Knäuelgras (Dactylis glomerata), Wald-Erdbeere (Fragaria vesca), Hain-Rispengras (Poa nemoralis)Stumpfblättriger Ampfer (Rumex obtusifolius) und Löwenzahn (Taraxacum sp.); vergesellschaftet mit dem Gebänderten Hainbuchen-Milchling (Lactarius circellatus) [erstmals nachgewiesen am 9.6.2016]

Merkmale

Hut: 3−9,5 × 3,5−10,5 cm breit, 0,5−2,5 cm hoch, jung halbkugelig, dann gewölbt und mittig niedergedrückt, später flach gewölbt und im Zentrum etwas eingesenkt sowie unregelmäßig verbogen, selten kreisrund, scharfrandig und dort meist schon jung höckerig-gerieft, Huthaut glänzend, feucht schmierig und trocken klebrig, teils mit Blättern und Erdpartikeln behaftet und bis zur Hälfte des Hutradius´ abziehbar, scheckig-wechselfarbig mit weinrötlichen, bräunlichen und oliv-grünlichen Tönen, gerne mit ockerfarbener Mitte und ebenso gefärbten Flecken, jung auch mit freudigeren, fast orangen Bereichen

Lamellen: spröde, ausgebuchtet angewachsen, jung schwach und im Alter ausgeprägt bauchig, dicht gedrängt, bisweilen gegabelt und queraderig verbunden, Schneiden gerade, glatt und wie die Lamellenfläche gefärbt, jung blass ocker, später orange-ockerlich

Sporenpulver: dottergelb (IVe nach Romagnesi)

Stiel: 4−8,5 cm lang, unregelmäßig zylindrisch, basal entweder leicht keulig verdickt oder verjüngt, apikal etwas erweitert, (apikal 1−3,5 cm und basal 1,5−2,5 cm dick), gerade bis geschwungen, längsfaserig, weiß und mit braunen vereinzelten Punkten, im Alter gilbend

Fleisch: im Hut 5−10 mm dick, nur jung fest, dann schwammig-weich, weiß; im Stiel ohne Faserrichtung (brüchig wie Käse), zunächst fest und voll, bald schon schwammig-weich und beinahe wattig ausgefüllt, abgesehen von der bis zu 3 mm dicken Stielrinde, weiß; Fruchtkörper brüchig und im Alter stark gilbend

Geruch: im Anschnitt obstartig, an den Stachelbeer-Täubling (R. queletii) erinnernd

Geschmack: in allen Teilen mild, auch nach längerem Kauen

Anmerkungen

Bestimmung und Artabgrenzung

Mein erster Verdacht war der Weißstielige Leder-Täubling (Russula romellii). Doch bei meinem zweiten Besuch des Fundorts entpuppten sich die vermeintlichen Linden (Tilia sp.) als Hainbuchen (Carpinus betulus), was mich auf die Spur des Hainbuchen-Täublings (R. carpini) brachte. Der versierte Täublingskenner Robin Dost (besten Dank an dieser Stelle) bekräftigte meinen Verdacht in der Facebook-Gruppe „Pilze und Schwammerln“ und wies auf den Untergrund mit dem kargen Bewuchs hin: Während R. carpini an derberen Spezialstellen vorkomme, kenne er R. romellii als Bewohner des normalen Buchenwalds in der Laubstreu. Beide Arten würden basische Böden besiedeln. Sie besäßen zudem ähnliche Spektren aus kühlen Farben (violett, rosalich, weinrötlich, grünlich und gelblich). R. carpini soll jedoch eine matte Huthaut besitzen, R. romellii dagegen eine glänzende. Dass junge Fruchtkörper leicht scharf schmecken können, kann ich aber nicht bestätigen.

Zur mikroskopischen Abgrenzung macht Karin Montag (2016) auf die netzig ornamentierten Sporen von R. romellii – dort unter dem Namen „Wechselfarbiger Leder-Täubling“ – aufmerksam, wohingegen die Sporen von R. carpini isolierte, grobe Stacheln besitzen. Ansonsten basiert die Bestimmung meines Funds auf den scheckig-wechselfarbigen Hüten, dem orange-ockerlichen Sporenpulver, dem milden Geschmack und dem Standort unter Hainbuche. Außerdem gilben die Fruchtkörper von Russula carpini im Alter stark, weshalb Frieder Gröger (2014) die Art in seinem Schlüsselwerk auf den Namen „Gilbender Hainbuchen-Täubling“ getauft hat.

Vielen Dank für die Bestimmungshilfe der Vegetation des Fundorts an die Benutzer „Arthur“ und „jake001“ im Forum auf Pflanzenbestimmung.de.

Literatur

  • Einhellinger, A. (1994): Die Gattung Russula in Bayern. Bibliotheca Mycologica, Bd. 112. Cramer, Berlin-Stuttgart: 42–44.
  • Gröger, F. (2014): Bestimmungsschlüssel für Blätterpilze und Röhrlinge in Europa, Teil II. Regensb. Mykol. Schr. 17: 596.
  • Knudsen, H., J. Ruotsalainen & J. Vauras (2012): Key K: Sect. Polychromae Maire subsect. Integriforminae Bon and Melliolentinae Singer. In: Knudsen, H. & J. Vesterholt (2012): Funga Nordica, 2nd ed. Agaricoid, boletoid, clavarioid, cyphelloid and gastroid genera. Nordsvamp, Kopenhagen (DK): 182.
  • Krieglsteiner, G.J. [Hrsg.] (2000): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 2. Leisten-, Keulen-, Korallen- und Stoppelpilze, Bauchpilze, Röhrlings- und Täublingsartige. Eugen Ulmer, Stuttgart: 500−501.
  • Montag, K. (2016): Täublinge Folge 10: Milde Gelbsporer. Teil 3: Ledertäublinge s.l. Der Tintling 4/2016. Nr. 101: 35−47
  • Sarnari, M. (2005): Monografia illustrata del Genere Russula in Europa, Tomo Secondo. AMB, Centro Studi Micologici, Trento: 972−976.
  • Verpa_bohemica_1_2016-04-07Kurzstielig mit glockigem Hut
  • Verpa_bohemica_2_2016-04-07Dickster Frk. der Kollektion
  • Verpa_bohemica_3_2016-04-07Gestrecktstieliges Exemplar
  • Verpa_bohemica_4_2016-04-07Kurzhütiger Fruchtkörper
  • Verpa_bohemica_5_2016-04-07Variante mit gelapptem Hut
  • Verpa_bohemica_6_2016-04-07Stiel innen weiß-wattig bis hohl
  • Verpa_bohemica_7_2016-04-07Gut getarnt in der Laubstreu:
  • Verpa_bohemica_8_2016-04-07ein runzeliger, gefleckter Hut
  • Verpa_bohemica_9_2016-04-07Giersch, Busch-Windröschen...

Funddaten

Kollektion: 5 von 11 Frk.   Bestimmung: Verpa bohemica (Krombholz 1828) J. Schröter 1893   Funddatum: 7.4.2016   Fundort: D − BY − Schwaben − Meitingen − Auwald am Lech   Messtischblatt: 7431/1   Höhe über NN: ca. 430 m   Ökologie: auwaldartiger Uferstreifen auf frischem, kalkhaltigem Boden; Baumschicht hauptsächlich bestehend aus Gemeiner Esche (Fraxinus excelsior) und Schwarz-Pappeln (Populus nigra oder Bastard-Pappel (P. ×canadensis) mit eingestreuten Linden (Tilia sp.); Strauchschicht vornehmlich aus Weißdorn (Crataegus sp.) und Schwarzem Holunder (Sambucus nigra); Bodenbewuchs überwiegend aus Giersch (Aegopodium podagraria) und Busch-Windröschen (Anemone nemorosa), außerdem Trupps der Gewöhnlichen Schuppenwurz (Lathraea squamaria)

Merkmale

Kopfteil: 2,5–9 cm lang, 2,2–4,5 cm im Durchmesser, an der Spitze 1,5–3,5 cm breit, glockig bis walzenförmig, nur an der Stielspitze angewachsen, sonst frei hängend und den Stiel scheidenartig umgebend, mit ausgeprägt wulstigen sowie teils gegabelten Längsrippen und schwächeren, verschlungenen Querrippen, gelb-bräunlich bis dunkelbraun, seltener hell und dunkel gefleckt und dadurch auf dem Boden nur schwer auszumachen, im Alter mit dunkelbraun bis schwarz-braun und strichartig eintrocknenden Rippen, dem Stiel zugewandte Innenseite glatt bis kleiig, weißlich bis blass ockerfarben

Sporenpulver: ocker-gelb

Stiel: 7,5–14,5 cm lang, unregelmäßig zylindrisch, im unteren Stielbereich bisweilen längs gefurcht, 11–19 mm breit, zum Hutansatz hin marginal verjüngt, zunächst weißlich, dann hellocker mit schnutzig rosa Farbtönen, Oberfläche quer feinschuppig gebändert bis flockig genattert

Fleisch: Rippung/Runzeln des Huts bis zu 8 mm dick; im Stiel wattig-weiß ausgefüllt, im Alter hohl gekammert, Stielwand bis zu 2 mm dick, weißlich bis hellocker, teils glasig, sowohl im Hut als auch Stiel wachsartig-brüchig

Geruch: schwach und im Anschnitt intensiv spermatisch

Anmerkungen

Artabgrenzung

Die Böhmische oder Runzel-Verpel zählt zur Morchelverwandtschaft (Morchellaceae). Anders als bei Morcheln (Morchella sp.) ist der Hut jedoch nur an der Stielspitze angewachsen. Ähnlich sieht die Käppchen- oder Halbfreie Morchel (Morchella semilibera) aus, deren Hut jedoch ± zur Hälfte mit dem Stiel verwachsen ist. Auffallend ist zudem die körnig-kleiige Stieloberfläche, während die Böhmische Verpel eine quer feinschuppig gebänderte bis flockig genatterte Oberfläche besitzt. Typisch für Verpeln ist zudem der wattig ausgefüllte, im Alter auch hohl gekammerte Stiel, wohingegen der Stiel bei Morcheln von Beginn an vollständig hohl ist.

Untersuchte Kollektion

Aufgrund der 5-tägigen Lagerung der Kollektion im Kühlschrank, um die Farbe des Sporenpulvers zu ermitteln, weichen die Stiellängen durch den erfolgten Streckungsprozess der Fruchtkörper von den am Funddatum aufgesammelten Exemplaren ab.

Literatur und Weblinks

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