Cortinarius orellanus – Orangefuchsiger Raukopf


 

Funddaten

Bestimmung: Cortinarius orellanus Fries 1838   Funddatum: 6.7.2007   Fundort: D – BY – RBz Schwaben – Lkr. Augsburg – Bergheim – Rauher Forst, Langenberg (Bestandteil des „Naturparks Augsburg – Westliche Wälder”)   Messtischblatt: 7630/4.4.1+2   Höhe über NN: ca. 530 m   Ökologie: sonnig exponierte Südhänge, fester Boden mit Laubstreuauflage; unter Rotbuche (Fagus sylvatica) und Stieleiche (Quercus robur), gerne inmitten von Mooskissen

 

Merkmale

Hut: 32–56 mm im Durchmesser, 12–15 mm hoch, jung konvex, oft eingebuchtet und selten kreisrund, Rand nach unten gebogen bis fast eingerollt, später flach ausgebreitet, Rand horizontal ausgerichtet, rissig und überschuppt (an einen Risspilz erinnernd), zentral gestielt, Oberfläche filzig-rauh, rotbraun, am Rand freudiger durch orangen Beiton gefärbt

Lamellen: ausgebuchtet bis breit angewachsen, bisweilen mit Zahn ± herablaufend, bauchig, Abstand normal bis weit, mit Lameletten untermischt, orangebräunlich

Sporenpulverfarbe: braun

Stiel: 22–62 mm lang, in der unteren Stielhälfte 8–9 x 9–10 mm und oben 9–10 x 11–17 mm dick, basal verjüngt, apikal verdickt mit spärlichen und vergänglichen Schleierresten, zylindrisch, längsfaserig, hellgelb, apikal mit orangem Beiton, zur Basis hin bräunlicher und weniger freudig gefärbt

Fleisch: kompakt, faserig, cremefarben, meist madig

Geschmack: Geschmackstest aufgrund der Vergiftungsgefahr (Orellanin-Aufnahme über die Schleimhäute) nicht durchgeführt

Geruch: rettichartig

 

Toxikologie

Der Orangefuchsige Raukopf gelangte Mitte des vorigen Jahrhunderts zu trauriger Berühmtheit, als er in Polen eine Massenvergiftung mit mehr als 100 Betroffenen verursachte, von denen 11 starben. (Skirgiello & Grzymala 1957) Bis zu diesem Zeitpunkt galt die Art als essbar.

Verantwortlich für die Vergiftungen war das in den Fruchtkörpern enthaltene nierenschädigende Orellanin. Der Stoff wurde von Dr. Stanisław Grzymala (1962) isoliert und nach dem Epitheton der Pilzart benannt. In Tierversuchen wurde dieselbe toxische Wirkung wie beim Menschen nachgewiesen.

 

Literatur

  • DGfM (2023) Orellanus-Syndrom. Vergiftungssyndrome. Fachausschuss Pilzverwertung und Toxikologie der Deutschen Gesellschaft für Mykologie. 19.3.2023. Abgerufen am 29.10.2023
  • Flammer R, Horak E (2003) Giftpilze – Pilzgifte. Pilzvergiftungen. Ein Nachschlagewerk für Ärzte, Apotheker, Biologen, Mykologen, Pilzexperten und Pilzsammler. Schwabe, Basel (CH): 42–44.
  • Gminder G. et al. (2010) Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 5. Ständerpilze: Blätterpilze III (Dunkelblättler). Eugen Ulmer, Stuttgart: 40–41.
  • Grzymala S (1962) L'isolement de l'orellanine poison du Cortinarius orellanus Fries et l'étude de ses effects anatomopathologiques. Bull. Soc. mycol. Fr. 78: 394–404.
  • Knudsen H, Vesterholt J (2012) Funga Nordica, 2nd ed. Agaricoid, boletoid, clavarioid, cyphelloid and gastroid genera. Nordsvamp, Kopenhagen (DK): 767−768.
  • Skirgiello A Grzymala S (1957) Erfahrungen mit Dermocybe orellana (Fr.) in Polen. Z. Pilzk. 23(3-4): 138–142. PDF siehe ZOBODAT

 

Herzlich Willkommen!

Mein Name ist Andreas Kunze, ich bin ein Pilzkundler aus Donauwörth (Schwaben). Ich beschäftige mich gerne mit Wiesenpilzen wie Saftlingen und Zärtlingen. Als begeisterter Pilzfotograf finde ich einen Ausgleich zu meinem Job im IT-Support.

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