Inhaltsverzeichnis[Anzeigen]
  • Neoboletus_luridiformis_2015-10-13_1Stielzeichnung rot gepustelt
  • Neoboletus_luridiformis_2015-10-13_2Hut lederartig braun gefärbt
  • Neoboletus_luridiformis_2015-10-13_3Stielbasis ocker-filzig
  • Neoboletus_luridiformis_2015-10-13_4Röhren gelb mit roten Poren
  • Neoboletus_luridiformis_2015-10-13_5Habitus dickröhrlingsartig

Funddaten

Kollektion: 3 Fruchtkörper   Bestimmung: Neoboletus luridiformis (Rostkovius 1844) Gelardi, Simonini & Vizzini 2014   Funddatum: 13.10.2015   Fundort: D − BY − Schwaben − Lkr. Donau-Ries − Mertingen − Mertinger Forst, südlich der Waldkapelle   Messtischblatt: 7330/4.2.3   Höhe über NN: 443 m   Ökologie: ungekiester und begraster Waldbewirtschaftungsweg, gesäumt von hohen Fichten (Picea abies) und Wald-Kiefern (Pinus sylvestris) auf saurem Boden (Fruktifikation im Traufbereich)

Merkmale

Hut: 5,5−17 × 3,5−12 cm im Durchmesser, 2−2,5 cm hoch, zunächst halbkugelig, dann polsterförmig bis flach gewölbt mit unregelmäßigen Dellen, nie kreisrund, bisweilen mit Einschnürungen, Huthaut die Röhren überragend, Oberfläche jung samtig, im Alter kahl und matt glänzend, gummiert anfühlend, feucht etwas schmierig-klebrig, dunkelbraun, am Rand etwas ockerfarben ausblassend

Röhren: 2–15 mm lang, ausgebuchtet angewachsen und mit Zähnchen herablaufend, bauchig, blassgelb, bei Kontakt mit Luftsauerstoff schnell blauend, Röhrenboden gelb

Poren/Röhrenmündungen: eng, 2−5 pro mm, rundlich, jung blassgelb, bald orange-rötlich bis dunkelrot, bei Berührung rasch schwarz-blau verfärbend

Sporenpulver: kein Abdruck angefertigt; laut Literatur braun-oliv (Muñoz 2005)

Stiel: 4,3–8 cm lang, an der Stielspitze 3,1–4 cm dick, dickste Stelle im unteren Stielbereich 4–5,5 cm, umgekehrt keulig, ein Exemplar oben abgeplattet und rübenartig zugespitzt (Stielspitze 6 ×2,5 cm und Stielbasis 3,5 cm dick), Stielrinde gelb mit feinem karminrotem Flockenmuster, am Röhrenansatz auch rein gelb und flockenlos, auf Druck rasch blauend, unteres Stielende ocker-filzig bekleidet 

Fleisch: im Stiel längsfaserig, voll, fest, im Alter weicher, blassgelb, basal mit rötlichen Einfärbungen; im Hut in der Mitte 1,4–3 cm dick, fest, zuletzt schwammig weich, gelblich, etwas blasser als im Stiel; Hut- nahtlos ins Stielfleisch übergehend, in allen Teilen bei Verletzung oder im Anschnitt durch den Kontakt mit Luftsauerstoff rasch deutlich blauend 

Geruch: angenehm säuerlich

Anmerkungen

Artabgrenzung

In allen Teilen gelb gefärbte Fruchtkörper werden als Varietät junquilleus geführt, neuerdings auf Artrang als Gelber Hexenröhrling oder Primelgelber Röhrling (Neoboletus junquilleus). Daneben existiert noch die Varietät discolor aus wärmebegünstigten Eichenwäldern mit zum Rand hin gelben Poren/Röhrenmündungen und positiver Amylonreaktion. Bei letzterem Merkmal handelt es sich um eine Farbreaktion, bei der mit dem Lichtmikroskop überprüft wird, ob sich die Zellwände der Pilzfäden im Fleisch der Stielbasis unter der Zugabe einer Jodlösung violett verfärben (= positiv) oder nicht (= negativ).

Der klassische Doppelgänger des Flockenstieligen Hexenröhrlings ist der Netzstielige Hexenröhrling (Suillellus luridus). Die Art kann jedoch leicht durch die netzartige, dunklere Stielzeichnung differenziert werden. Außerdem ist der Röhrenboden, also das Hutfleisch unter der Röhrenschicht, meist rot gefärbt, wohingegen er bei der „Flockenhexe“ wie die Röhren eine gelbe Farbe hat. Ferner wächst die „Netzhexe“ auf kalkhaltigem Boden, während die hier porträtierte Pilzart auf saurem oder zumindest oberflächlich abgesauertem Boden vorkommt.

Noch ähnlicher sieht der Kurznetzige Hexen-Röhrling (Suillellus mendax) aus, dessen genetzte und zugleich punktierte Stieloberfläche an eine Mischung aus Flockenstieligem und Netzstieligem Hexen-Röhrling erinnert. (Friebes 2013) Außerdem überwiegen auf dem Hut und Stiel rötliche Farbtöne. Mikroskopisch ist die Art durch längere Sporen und eine etwas anders aufgebaute Hutdeckschicht charakterisiert.

Die Fruchtkörper des deutlich selteneren Glattstieligen Hexenröhrlings (Suillellus queletii) besitzen dagegen überhaupt keine Stielzeichnung, aber dafür eine weinrot durchfärbte Stielbasis; der Röhrenboden ist gelb gefärbt.

N. luridiformis wird von unkundigen Pilzsammlern bisweilen fälschlicherweise als Satanspilz bezeichnet, der deutsche Name von Rubroboletus satanas. Dabei handelt es sich jedoch um einen völlig anderen rotporigen Röhrling mit rotem Stielnetz und grau-weißem Hut. Er besiedelt wärmebegünstigte Habitate und bevorzugt im Gegensatz zum Flockenstieligen Hexenröhrling kalkhaltige Böden. Außerdem blaut das Fleisch im Anschnitt deutlich schwächer als das der Hexenröhrlinge aus den Gattungen Neoboletus und Suillellus. Ältere Exemplare riechen zudem unangenehm nach Aas.

Namen

Der deutsche Name „Flockenstieliger Hexenröhrling“ bezieht sich auf die arttypische rot-pustelige Stielzeichnung und das auf Druck oder bei Verletzung rasch blauende Fleisch, das früher mit Hexerei in Zusammenhang gebracht wurde. Tatsächlich handelt es sich bei der Blaufärbung um die Oxidation der in den Fruchtkörpern enthaltenen Variegatsäure (Steglich 1975). Die Bezeichnung „Schusterpilz“ geht auf die wildlederartige Hutoberfläche zurück.

  • Friebes, G. (2013): Eine kurze Notiz zu Boletus mendax Simonini & Vizzini. Der Tintling 85. Nr. 6/2013: 36–37.
  • Gminder, A. (2000): Boletales. In: Krieglsteiner, G.J. [Hrsg.] (2000): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 2. Leisten-, Keulen-, Korallen- und Stoppelpilze, Bauchpilze, Röhrlings- und Täublingsartige. Eugen Ulmer, Stuttgart: 209−211.
  • Gröger, F. (2006): Bestimmungsschlüssel für Blätterpilze und Röhrlinge in Europa, Teil I. Regensb. Mykol. Schr. 13: 92.
  • Knudsen, H. & A. Taylor (2012): Boletus L.: Fr. In: Knudsen, H. & J. Vesterholt (2012): Funga Nordica, 2nd ed. Agaricoid, boletoid, clavarioid, cyphelloid and gastroid genera. Nordsvamp, Kopenhagen (DK): 218.
  • Muñoz, J.A. (2005): Boletus s. l. Fungi Europaei, Vol. 2. Candusso, Alassio SV (I): 446–449.
  • Steglich, W. (1975): Pilzfarbstoffe. Chemie in unserer Zeit 9(4): 117–123.
  • Vizzini, A. (2014): Index Fungorum no. 192. 17.10.2014.
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